Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Die Frau im Musée d'Orsay

Die Frau im Musée d'Orsay

Roman

von David Foenkinos; Übersetzt von: Christian Kolb

Erschienen 2019 bei Penguin Verlag
Sprache: Deutsch
240 Seiten
ISBN 978-3-641-23924-4

Kurztext / Annotation

Wer "Nathalie küsst" mag, wird "Die Frau im Musée d'Orsay" lieben
Warum nur flieht Antoine Duris Hals über Kopf aus seinem bisherigen Leben? Er war Professor an der Hochschule der Schönen Künste in Lyon und zieht nun nach Paris, um im Musée d'Orsay, wo die farbenfrohen Gemälde von Manet, Monet und Modigliani hängen, Wärter zu werden. Keiner kennt die Gründe für diesen plötzlichen Wandel, keiner weiß, wie sehr ihn das Schicksal seiner hochbegabten Studentin Camille mitgenommen hat. Erst als er Mathilde kennenlernt, findet Antoine einen Weg, sich der Freude, dem Genuss und der Liebe wieder hinzugeben ...
Ein kluger, feinfühliger Roman, der vom Mut erzählt, dem Leben eine neue Wendung zu geben - und eine Liebesgeschichte voller Momente der Schönheit.

David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller 'Nathalie küsst', der auch als Film mit Audrey Tautou das Publikum begeisterte. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. Der vielfach ausgezeichnete Roman 'Charlotte' hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft und wurde auch in Deutschland zum Bestseller. 'Das geheime Leben des Monsieur Pick' war in Frankreich monatelang auf der Bestsellerliste und kommt 2019 in die Kinos.

Textauszug


1

Das Pariser Musée d'Orsay ist ein ehemaliger Bahnhof. Die Gegenwart wandelt somit auf ungewöhnliche Art auf den Spuren der Vergangenheit. Man kann die Gedanken schweifen lassen und sich vorstellen, wie zwischen Gemälden von Manet und Monet die Züge einfahren. Auch eine Form des Reisens. Auf dem Platz vor dem Museum hat mancher Besucher vielleicht Antoine Duris gesehen. Still und verdutzt stand er da, als wäre er vom Himmel gefallen. Verdutzt ist wohl das richtige Wort, um seine Gefühlslage zu beschreiben.

2

Er kam viel zu früh zu seinem Termin mit der Personalchefin. Seit Tagen bereitete er sich innerlich auf dieses Vorstellungsgespräch vor. Er wollte unbedingt im Musée d'Orsay arbeiten. Mit ruhigem Schritt ging er auf den Mitarbeitereingang zu. Mathilde Mattel hatte am Telefon ausdrücklich betont, er solle auf keinen Fall den Besuchereingang nehmen. Ein Mann vom Sicherheitsdienst forderte ihn auf, stehen zu bleiben.

"Haben Sie eine Zugangskarte?"

"Nein, aber ich werde erwartet."

"Von wem?"

"..."

"Von wem werden Sie erwartet?"

"Pardon ... von Madame Mattel."

"In Ordnung. Melden Sie sich bitte am Empfang."

"..."

Ein paar Meter weiter erklärte er erneut den Grund seines Erscheinens. Eine junge Frau warf einen Blick in ein großes schwarzes Kalenderheft.

"Sind Sie Monsieur Duris?"

"Ja."

"Darf ich Ihren Ausweis sehen?"

"..."

Das war doch absurd. Wer würde sich schon für ihn ausgeben wollen? Brav holte er seinen Ausweis hervor und überspielte seine Unsicherheit mit einem verständnisvollen Lächeln. Das Vorstellungsgespräch schien bereits beim Sicherheitsdienst und der Empfangsdame anzufangen. Es galt, vom ersten Bonjour an auf der Höhe zu sein, sich bloß kein holpriges Merci zu erlauben. Nachdem die junge Frau überprüft hatte, ob er wirklich Antoine Duris war, beschrieb sie ihm den Weg. Er sollte einem Flur folgen, an dessen Ende sich ein Aufzug befand. "Das ist ganz einfach, Sie können das Büro gar nicht verfehlen", fügte sie hinzu. Antoine schwante, dass er sich aufgrund dieser Äußerung nun garantiert verlaufen würde.

In der Mitte des Flurs angelangt, wusste er schon nicht mehr, wohin. Hinter einer Glasfront entdeckte er ein Gemälde von Gustave Courbet. Die Schönheit war immer noch das beste Mittel gegen den Zweifel. Seit Wochen kämpfte er dagegen an, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Er spürte, dass er mit seinen Kräften am Ende war, die beiden kurzen Gespräche, die er hinter sich hatte, hatten ihn schon erhebliche Anstrengungen gekostet. Dabei war es nur darum gegangen, ein paar Worte zu sagen, völlig harmlose Fragen zu beantworten. Sein Weltverständnis war in ein Primärstadium zurückgefallen, er hatte oft irrationale Angstzustände. Er merkte, dass das, was er erlebt hatte, Spuren hinterlassen hatte. Würde er es wenigstens schaffen, mit der Personalchefin des Musée d'Orsay, Madame Mattel, ein Vorstellungsgespräch zu führen?

Als er mit dem Aufzug in den zweiten Stock fuhr, stellte er bei einem flüchtigen Blick in den Spiegel fest, dass er Gewicht verloren hatte. Es wunderte ihn nicht, er nahm zurzeit nicht viel zu sich, vergaß manchmal schlicht das Mittag- oder Abendessen. Sein Magen nahm es ohne Knurren hin, sein ganzer Körper war so etwas wie eine betäubte Stelle. Nur der Kopf sagte: "Antoine, du musst was essen." Es gibt zwei Arten von menschlichem Leid. Leid, gegen das der Körper sich wehrt, und Leid, gegen das der Geist sich wehrt. Dass beide sich wehren, ist selten.

Im zweiten Stock wurde er von einer Frau empfangen. Normalerweise erwartete Mathilde Mattel ihre Gäste in ihrem Büro, doch für Antoine Duris setzte sie sich in Bewegung. Sie hatte es furchtbar eilig, die Gründe seiner Bewerbung zu erfahren.

"Sind Sie Antoine Duris?", fragte sie dennoch, um sicherzugehen.

"Ja. Wollen Sie meinen Ausweis sehen?"

"Nein, wieso?"

"Unten

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

15,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!