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Cover Paul Beers Beweis

Paul Beers Beweis

Roman

Erschienen 2015 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
176 Seiten
ISBN 978-3-7099-3648-1

Kurztext / Annotation

Josef Kelemen ist seiner selbst überdrüssig geworden. Seit ihn die Ereignisse rund um den Tod seiner Frau Marianne ins Kreuzfeuer der Boulevardpresse getrieben haben, will er nicht mehr Josef Kelemen sein. Nicht mehr der Setzer aus Oberwart, nicht mehr der Witwer seiner Marianne, nicht mehr der, als der er dargestellt wurde. Er versucht, die Erinnerungen an sein früheres Leben abzustreifen, lässt seinen Namen ändern und erfindet sich als Franz Schwarz, Arbeitsloser und Fußballfan in Wien, neu. EINTAUCHEN IN EINE FREMDE WELT Einen Freund findet er im melancholischen Privatgelehrten Paul Beer: In der Hoffnung, in der fremden Geschichte eine Verbindung zu seiner eigenen zu entdecken, vertieft er sich in das Leben von Franz Schwarz und taucht in dessen Welt ein: die Welt der Provinz in Oberwart, die Welt der Anekdoten und der Fußballgespräche in Schwarz' Stammlokal. Und dann ist da noch die Antiquarin Ursula Steiner, zu der Beer eine Freundschaft unterhält, die immer intimer und zugleich distanzierter wird, je mehr Paul Beer in dieses fremde Leben eindringt. SCHILLERNDE CHARAKTERE - VERKNÜPFT DURCH EIN EINSCHNEIDENDES EREIGNIS Clemens Berger erzählt eine mitreißende Geschichte, die auf der ersten Seite gefangen nimmt und bis zur letzten nicht mehr loslässt. Erzählfreudig entwirft er schillernde Charaktere und schafft es meisterhaft, Franz Schwarz' Welt von der ersten Seite an lebendig werden zu lassen. ''Paul Beers Beweis' entfaltet eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.' 'Clemens Berger beschreibt eindrucksvoll, wie ein gewöhnlicher Lebensweg ganz schnell eine dramatische Wendung nehmen kann. Ein faszinierendes Buch.'

Clemens Berger, geboren 1979 in Güssing, aufgewachsen in Oberwart, studierte Philosophie in Wien, wo er als freier Schriftsteller lebt. Zahlreiche Literaturpreise und Stipendien, u.a. das Österreichische Staatsstipendium für Literatur. Zuletzt erschien 'Ein Versprechen von Gegenwart' (2013).

Textauszug


W ie es sich verhielt , würde das Essen rechtzeitig fertig. Im Topf auf dem Gasherd köchelten seit einiger Zeit Gemüse und Tafelspitz samt Knochen. Ursula Steiner saß an einem kleinen runden Tisch in ihrer Küche und schälte Champignons zu einem Hörspiel im Radio. "Das Geheimnis von Meditation und Yoga. Der Weg zum Ich beim Champignonschälen." Sie schüttelte lächelnd den Kopf.

Wie Fäden sich verknüpften. Anfangs war ein hagerer Mann in unregelmäßigen Abständen vor ihren Regalen gestanden, daß sie befürchten mußte, sein Genick versteife sich beim Entziffern der Buchrücken. Zeit schien er zu haben, unendlich viel Zeit. Er nahm ein Buch aus einem der hohen Regale, rückte sich einen Holzschemel zurecht und begann zu lesen, während Ursula Steiner hinter ihrem Tisch Bilanzen erstellte oder Figuren beim Wort nahm. Der Mann, der immer öfter kam und immer länger blieb, hielt sein Buch in der auf dem Schenkel ruhenden Hand und blätterte mit der anderen. Bisweilen blickte er auf, starrte das Regal an, strich sich fahrig übers schüttere Haar und murmelte, den Finger der einen Hand als Lesezeichen, das Gesicht in die andere gestützt "Genau! Ganz genau!" und schien seinen Worten nachzusehen, bis er wieder verschwand. Verschwand? fragte sich die Antiquarin, nachdem er jedesmal zumindest ein Buch mitnahm. Langsam ließ sich ein Bild zeichnen, abwägend und sorgfältig die Konturen. Allmählich setzte es Fleisch an.

Und dann, einmal, die Antiquarin hatte gesehen, wonach er gegriffen hatte, als der Mann etwas heftiger "Genau!" murmelte, sagte sie: "Man mag vieles gegen den Menschen einwenden. Aber daß er sich hinsetzt und mit einem Mal im siebzehnten Jahrhundert ist, läßt zumindest hoffen." Er hatte sich umgedreht und mit weit ausgestreckten Armen geantwortet: "Erst der erlösten Menschheit fällt ihr gesamtes Erbe zu." Als er einige Tage später wieder eintrat, ließ sie ihn erst gar nicht an die Regale. "Trotzdem rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser und erst recht kein Generalsekretär." Beer hatte sich an den Kopf gegriffen, bevor er die Arme erhob. "Sagen wir: Erst der sich erlösenden."

"Darunter würde ich meinen Namen setzen."

Sie sitzend, er stehend, sie lachten, draußen war es kalt, es schneite. Und er schien etwas ungeschickt.

"Der übrigens Steiner ist, Ursula."

"Ich bin Paul Beer", sagte er und wollte schon in den Literaturbezirk.

"Bin oder heiße?"

"Bin, ich bin Paul Beer." Er wandte sich ihr zu und führte den Zeigefinger an den Mund. "Meine Eltern haben mich nach jenem Bekehrten benannt. Manchmal suche ich den Weg zurück zum Saulus."

"Sie wollen ein Verfolger sein?"

"Ich will nur nicht all die Zeit vor der Bekehrung wettmachen müssen. Diese Überkompensation, schrecklich."

"Wer hat aus den Wolken gerufen?"

"Marx? Der Kommunismus?"

"Sie ließen sich rufen?"

"Ich war drei Tage blind, dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen."

"Was?"

"Daß ich nur einmal lebe."

"Wer ließ Sie von der Stadtmauer?"

"Ich weiß nicht, ob ich schon unten bin."

Es war das erste und letzte Mal, daß Paul Beer der Antiquarin, nicht versteckt hinter Vermutungen oder Zitaten, von seiner Geschichte erzählte. Was in der Ordnung war, wie sie dachte, oder gegen sie, in einer verkehrten Zeit. Einst hatten sie geschrien, gerade das Private sei das Öffentliche. Heute, da die Kaufgewohnheiten mit dem vernetzt wurden, was die Festplatten über eine gespeichert hatten, galt es zumindest ein kleines Eigenes vor der schamlosen Aufmerksamkeit zu retten, die einmal Dienst am Kunden, ein andermal größtmögliche Sicherheit verhieß. Es war grotesk. Vor anderthalb Wochen hatte die Antiquarin zwei Neuerscheinungen über den größten Anbieter im Netz bestellt, der kein Porto extra verrechnete. Die Bücher kamen rasch, unversehrt, vom Konto wurde nicht mehr genommen als abgemacht. Als sie die Seite wieder besuchte, wurde sie herz

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Clemens Berger, geb. 1979 in Güssing, aufgewachsen in Oberwart, Studium der Philosophie und Publizistik in Wien, lebt als freier Schriftsteller in Wien, unterwegs und im Südburgenland. Zahlreiche Literaturpreise und Stipendien, 2004 Marktschreiber von St. Johann/Tirol. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sowie in Buchform.

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