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Cover Das Irrenhaus

Das Irrenhaus

Roman

Erschienen 2016 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-7099-3736-5

Kurztext / Annotation

UNVERHOFFTE ERBSCHAFT IN MÜNCHNER PROMIVIERTEL Dieser Mann ist ein Glückspilz: Von der Tante einer Tante erbt er in bester Lage Münchens ein großes Mietshaus. Also hängt er seinen Job als Archivar an den Nagel, bricht alle Zelte ab und zieht in eine freie Wohnung seines neuen Hauses ein. Unter falschem Namen, versteht sich, immerhin will er dem Müßiggang frönen und sich nicht unnötig mit seinen Mietern herumschlagen. Da hat er die Rechnung ohne die illustre Nachbarschaft gemacht: vom unbeugsamen Derivatehändler und der notorisch einsamen Studienrätin bis zum Vorgänger in seiner Wohnung, ein Schriftsteller, der überall Spuren hinterlassen hat und immer noch sonderbare Post erhält. DER SCHRIFTSTELLER UND DIE STALKERIN Kurzerhand beschließt der Mann, in die Haut des ominösen Autors zu schlüpfen. Er kopiert dessen Schrift, trägt dessen Gedichte vor, eignet sich das Verhalten eines echten Schriftstellers an und erkundet, wie sich dieses neue Leben anfühlt. Bis eines Tages eine Nichte desselben vor der Tür steht, und kurz darauf eine Frau, die behauptet, er habe ihre Werke plagiiert und gestohlen. Was tun? Aus dem Einsamen wird ein Verfolgter. Als die Schlinge sich immer stärker zuzieht, plant er seine Flucht. WUNDERBAR HINTERSINNIGER UND HINREISSEND KOMISCHER ROMAN VON VERLEGERLEGENDE MICHAEL KRÜGER Nach der 'Turiner Komödie' und dem Erzählband 'Der Gott hinter dem Fenster' legt Autor und Verlegerlegende Michael Krüger sein neues Prosawerk vor: ein vergnüglicher Roman, in dem er wunderbar hintersinnig und hinreißend komisch einen Käfig voller Narren mitten in München porträtiert. Zugleich erzählt er die Geschichte eines Mannes, der mit dem Glück, das ihm in den Schoß fällt, partout nichts anfangen kann ...

Michael Krüger, geboren 1943 in Wittgendorf/Sachsen-Anhalt, lebt in München. Er war viele Jahre Verleger des Hanser Verlags und Herausgeber der 'Akzente' sowie der 'Edition Akzente'. Er ist Mitglied verschiedener Akademien, u.?a. Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, und Autor mehrerer Gedichtbände, Geschichten, Novellen, Romane und Übersetzungen. Für sein schriftstellerisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.?a. den Peter-Huchel-Preis (1986), den Mörike-Preis (2006) und den Joseph-Breitbach-Preis (2010). Bei Haymon erschienen sein erster Erzählband 'Der Gott hinter dem Fenster' (2015) sowie sein Roman 'Himmelfarb' in einer Neuauflage bei HAYMONtb (2016), versehen mit einem aktuellen Nachwort des Autors.

Textauszug

1

Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich mich mit Hingabe langweilen. Ich habe in den vergangenen zwanzig Jahren alles Spekulative zur Langeweile gelesen, von den antiken Griechen bis zu Heidegger, ihn sogar mehrere Male, herrlich und nie übertroffen in seiner Klarheit und sauertöpfischen Pedanterie. Aber es ist etwas anderes, sich theoretisch mit Langeweile zu beschäftigen, als sich ihr auszusetzen. Kann man sich zur Langeweile entschließen? Ein Leergelassensein von der Welt, das wollte ich erreichen.

Ich hatte den Eindruck, das Leben sei mir zu nahe gekommen, unsichtbar zwar, aber doch bedrängend. Ich sollte mich ständig äußern, entscheiden, einen geraden Weg einschlagen. Ich sollte sagen, wer ich war und wer ich eines Tages sein wollte. Aber es war mir vollkommen unmöglich, eine Antwort auf die immer unangenehmer werdenden Fragen zu geben. Ich war weder besonders schlau, noch hatte ich starke Meinungen, kaum feste Überzeugungen und fast keinen Glauben, nur ein flüchtiges Staunen darüber, wie rasch und unkompliziert sich andere Menschen den Launen anpassen, die auf geheimnisvolle Weise in die Welt treten, sie eine Weile beherrschen und dann wie von selbst wieder verschwinden. Manchmal, wenn ich aus dem Fenster starrte, kam ich zu der nicht besonders bemerkenswerten Ansicht, zu neunzig Prozent aus Routine zu bestehen; diese Routine hielt mich am Leben. Und die restlichen zehn Prozent? Ich war mir nicht sicher, ob diese zehn Prozent an einem Spiel teilnahmen, dessen Spielregeln ich nicht kannte, oder ob ich über sie als Werkzeug der Lebensordnung, meines Lebens, verfügen konnte. Mit anderen Worten, mit jedem Tag, den ich auf der Welt war, nahm meine Unsicherheit zu. Von einer irgendwie fest umrissenen Identität konnte bei mir nicht die Rede sein; ich besaß nicht einmal den Ehrgeiz, eine zu haben.

Ich fand es immer unerträglicher, mit dem Bus oder mit der U-Bahn zu fahren und den Menschen in die Augen zu blicken. Sogar das Einkaufen im Supermarkt gleich gegenüber fiel mir schwer. Wenn ich mit meinem Einkaufskorb in einer Schlange stehen musste und gezwungen war, schrittweise vorzurücken, immer meinen Vordermann oder eine Vorderfrau im Blick, wenn ich in die fremden Körbe schauen musste, auf die trostlosen fettarmen Joghurts, auf Kekse und Zigaretten und Deodorantflaschen, stellte ich mir zwangsläufig das Leben dieser Menschen vor und wurde sofort von einem Schwindel ergriffen, von einem so überwältigenden Lebensentzug, dass ich oft genug meinen Korb einfach in das nächste Fach stellte und fluchtartig den Laden verließ. Es kam mir nichts mehr zu Hilfe, meine innere Sehkraft versagte, es blieb nur der leere Blick, dem es nicht gelingen wollte, in einer größeren Tiefe Halt zu finden. Es war bestürzend, an der sogenannten Fleischtheke zu stehen und auf die blassen Hühnerschenkel zu glotzen; und es war lebensvergiftend, zwischen fünfzig verschiedenen Haarwaschmitteln wählen zu sollen. Der Moment der Intensität, den andere verspürten, wenn sie einkaufen gingen, shoppen , war in mir zu einem Klumpen geronnen, der mir den Atem nahm. Es sprach nichts zu meinen Gunsten, das war die einzige Einsicht, zu der ich mich umstandslos bekennen konnte. Aber ich war doch noch am Leben und wollte unbedingt am Leben bleiben!

Ich stellte mir vor, dass die Langeweile, die ich mir verordnet hatte, mich wieder stärken würde, um halbwegs aufrecht durch die Straßen gehen zu können. Ja, ich wollte, wie man so schön leichtfertig sagt, mein Leben ändern, indem ich zunächst einmal alle falsche Vitalität, alles stumpfsinnige Mitmachen aus meinem Körper austreiben wollte. Keine Arbeit, keine Verpflichtung, keine Verantwortung, das war mein Minimalprogramm. Natürlich ist es nicht möglich, sein Leben wirklich zu ändern, so wie es unmöglich ist, aus der Hölle einen Garten Eden zu machen. Aber ich wollte es wenigstens versuchen. Ich hatte mich mein ganzes bisheriges Berufsleben lang immer gründlich gela

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Michael Krüger wurde am 9. Dezember 1943 in Wittgendorf/Kreis Zeitz geboren. Nach dem Abitur an einem Berliner Gymnasium absolvierte er eine Verlagsbuchhändler- und Buchdruckerlehre. Daneben besuchte er Veranstaltungen der Philosophischen Fakultät als Gasthörer an der Freien Universität Berlin. In den Jahren von 1962-1965 lebte Michael Krüger als Buchhändler in London. 1966 begann seine Tätigkeit als Literaturkritiker. Zwei Jahre später, 1968, übernahm er die Aufgabe des Verlagslektors im Carl Hanser Verlag, dessen Leitung er im Jahre 1986 übernommen hat. Seit 1981 ist er Herausgeber der Literaturzeitschrift Akzente.

Im Jahr 1972 veröffentlichte Michael Krüger erstmals seine Gedichte, und 1984 debütierte er als Erzähler mit dem Band "Was tun? Eine altmodische Geschichte". Es folgten weitere zahlreiche Erzählbände, Romane, Editionen und Übersetzungen.
Michael Krüger lebt in München.
Auszeichnungen:
1974
Förderpreis für Literatur der Landeshauptstadt München
1976
Förderpreis für Literatur im Bundesverband der deutschen Industrie
1982
Bayerischer Förderpreis für Literatur
Stipendium der Villa Massimo
1983
Tukan-Preis
1986
Peter-Huchel-Preis
1991
Wilhelm-Hausenstein-Medaille
1994
Ernst-Meister-Preis
1996
Prix Medicis Etranger
2000
Ehrenpreis der Stadt München
2004
Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
2006
Michael Krüger wird von der Universität Bielefeld mit dem Titel eines Ehrendoktors der Philosophie geehrt.
Am 8. Februar erhält Michael Krüger zudem für sein Gesamtwerk den mit 12 000 Euro dotierten Mörike-Preis der Stadt Fellbach in Baden-Württemberg.
Mitglied in folgenden Akademien:
Bayerische Akademie der Schönen Künste in München

Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt
Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz
Akademie der Künste in Berlin

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