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Cover Drei Lieben

Drei Lieben

Roman

Erschienen 2017 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
176 Seiten
ISBN 978-3-7099-3780-8

Kurztext / Annotation

VON DER MONDÄNEN ORIENTALISCHEN METROPOLE BAKU INS PARIS DER 1920ER Sommer 1917: Hermann Opitz beschließt, sein altes Leben hinter sich zu lassen, sein Heimatdorf, seine Ehe - und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. Ein Jahr später strandet er in Baku, das in den Jahren des Ölbooms zur mondänen orientalischen Metropole geworden war, und begegnet dort Jale, der Tochter eines Ölbarons. Wenig später gerät das junge Liebespaar in die Wirren der Russischen Revolution und flieht nach Paris. SPURENSUCHE IN DER FAMILIENGESCHICHTE UND DAS GLÜCK DER VERBUNDENHEIT Zwei Generationen später begibt sich der Enkelsohn von Hermann Opitz auf eine Spurensuche in der Geschichte seiner Familie. Er erkundet das Leben seiner Großeltern, die ihm stets wie die modernen Erben von Philemon und Baucis in Erinnerung waren; er besucht das Heimatdorf seines Großvaters, wo ihm seine Tante Sophie von ihrem Leben und Lieben im Wien der Nazi-Jahre erzählt; und schließlich begegnet er Rita, an deren Seite er das Glück der Verbundenheit erlebt, das er einst in den Augen seiner Großeltern gesehen hat - und gleichzeitig zu ahnen beginnt, dass das private Glück untrennbar mit den Zeitläuften der Weltgeschichte verknüpft ist. DREI LIEBESGESCHICHTEN VOR DEM PANORAMA DER WELTGESCHICHTE Schlicht und unsentimental erzählt Walter Grond die Geschichten dreier Liebespaare, die auf rätselhafte Weise ineinander verwoben sind - und lässt zugleich die grenzenlose Kraft der Liebe spürbar werden, die unbeirrt von allen Schrecken der Geschichte des 20. Jahrhunderts wirkt.

Walter Grond, geboren 1957 in Mautern/Steiermark. War unter anderem Herausgeber der Literaturreihe 'Essay' und der Zeitschriften Nebelhorn, ABSOLUT und Liqueur. Künstlerischer Leiter von ELIT Literaturhaus Europa und den Europäischen Literaturtagen in der Wachau. Bei Haymon erschienen u.a. 'Der Soldat und das Schöne'. Roman (1998), 'Der Erzähler und der Cyberspace'. Essays (1999), 'Old Danube House'. Roman (2001), 'Almasy'. Roman (2002), 'Drei Männer'. Novelle (2004) sowie zuletzt die Romane 'Der gelbe Diwan' (2009), 'Mein Tagtraum Triest' (2012, HAYMONtb 2015) und sein aktueller Roman 'Drei Lieben' (2017).

Textauszug

Jale

Ich erinnere mich an meinen Großvater als einen besonnenen Mann, der mich freundlich an der Hand führte und zum Markt mitnahm. Ungemein stattlich, wenn er samstags vor der Kirche Saint-Médard in der Rue Mouffetard mit alten Weggefährten über Gott und die Welt resümierte. Ich habe ihn nie verbittert, vielmehr stets gelassen und gütig erlebt. Seine Heiterkeit kam überraschend und doch nie beunruhigend.

Vielleicht hatte er einst durch das Fegefeuer gehen müssen, um in einem für ihn so ungeahnt reichen Leben landen zu können. Zuerst in Baku, wohin es ihn in den Wirren des Ersten Weltkrieges verschlagen, und wo er meine Großmutter Jale kennengelernt hatte. Und dann, da die Russische Revolution auch Baku, die Öl-Metropole am Kaspischen Meer, erreichte, hier in Paris, wohin er mit seiner neuen Familie Anfang der 1920er Jahre geflüchtet war, und wo er ein langes und glückliches Leben führte.

Unerklärlicherweise schien mein Großvater keine Verwandten oder alten Freunde zu haben. Ich wusste zwar, dass er einst mit einer anderen Frau in Österreich verheiratet gewesen war. Es galt aber als ungeschriebenes Gesetz, ihn nicht danach zu fragen, und für meine Großmutter Jale, die gerne einen Mantel aus Geheimnissen um ihn wob, begann sein wirkliches Leben erst im Ersten Weltkrieg, mit seiner Einberufung an die russische Front.

Wann immer ich an meine Großmutter Jale denke, fällt mir sofort der Lehnstuhl ein, auf dem sie die meiste Zeit über saß und majestätisch Anweisungen gab. Sie konnte ausschweifend Geschichten über meinen Großvater erzählen, die mit jedem Mal märchenhafter, aber auch schauriger wurden. Flüchtete ich aus Angst vor diesen Geschichten in den Schoß meiner Mutter, beruhigte mich diese mit der Erklärung, Großmutter Jale sei außergewöhnlich einfühlsam. Vielleicht war es in ihrer besonderen Liebe zu meinem Großvater begründet oder aber Teil ihres besitzergreifenden Wesens, dass sie sich in seine Geschichte derart hineinlebte. Sie bezog alles auf sich, war fantasievoll, und eine gewisse Lust an Leid und Schmerz dürfte ihr nicht fremd gewesen sein.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges, erzählte sie jedenfalls, hatte das Schicksal meinen Großvater zu ihr nach Baku verschlagen. Sechs Monate davor war er - verheiratet mit einer gewissen Maria - aus einem kleinen Dorf im österreichischen Voralpenland nach Brzezany, einer Stadt in Galizien, aufgebrochen. In jener Stunde des Abschieds von seinem österreichischen Dorf, so meine Großmutter Jale, war die Welt für ihn verdorrt, und etwas bedrohlich Lautloses hatte sich breitgemacht. Seine Gliedmaßen hatten sich wie vom Körper gelöst, und alles Feste in ihm war verdampft. Dann starb sogar die Erinnerung ab. Er sah sein Leben hinter dem Horizont verschwinden, und er dachte noch, dass es so ist, wenn ein Mensch vergeht.

Meine Großmutter Jale erzählte von seiner Verzagtheit, vom ganzen Unglück an jenem Tag seines Abschieds vom Dorf im Frühsommer 1917, der für ihn das Ende des Lebens bedeutet haben mochte. Im Zug nach Brzezany glich sein Schmerz in den Schläfen, der ihn schon seit Monaten plagte, der Landschaft, die im Fenster an ihm vorbeizog und doch stillstand, grau und eben und horizontlos. Nur manchmal blitzte das Grün von ein paar Sträuchern auf, oder riss ihn das Holpern des Waggons aus seiner Erstarrung. Menschen waren das Schlimmste. Räusperte sich einer der Soldaten im Abteil, glaubte er, unsäglicher Lärm hinter seiner Stirn erdrücke ihn. Die ganzen elf Tage über, die es bis Brzezany dauerte, blieb er von der Frage gefangen, wie viel ein Mensch aushalten muss und wie viel er aushalten kann.

Brzezany gehörte damals zu Österreich. Da aber die Front gegen das Zarenreich weit im Osten verlief, hieß es im Dorf, Hermann Opitz, wie mein Großvater damals hieß, sei nach Russland gegangen. Im Frühsommer 1917 sprach niemand mehr von Kriegseuphorie. Die Menschen waren erschöpft und hatten ihre Lust auf das Mo

Beschreibung für Leser

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