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Cover In einer unmöblierten Nacht

In einer unmöblierten Nacht

Roman

Erschienen 2018 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
280 Seiten
ISBN 978-3-7099-3840-9

Kurztext / Annotation

Die Geschichte einer Frau, die ihr Glück in der Schweiz sucht - erzählt in zarten Tönen. Eine Statue führt zwei Menschen zusammen - und verändert ihr Leben Beim Kauf der Statue 'Die Ameisenkönigin' lernen sich Yana und Victor im Puschkin-Museum in Moskau kennen. Sie - eine junge ukrainische Übersetzerin, aufgeschlossen und auf der Suche nach dem großen Glück. Er - ein etwas verschrobener, fanatischer Kunstsammler und erfolgreicher Schweizer Unternehmer. So gegensätzlich sie auch wirken: Die beiden verlieben sich. Voller Vorfreude zieht Yana zu Victor in die Schweiz. Die junge Frau sehnt sich nach einer erfüllenden Liebe, der Gründung einer kleinen Familie, beruflicher Verwirklichung und nach einer neuen Heimat in der Schweiz. Die Exotin in der Schweizer Idylle: Fairytale gone bad? In der Schweiz findet Yana eine ernüchternde Lebenswirklichkeit vor: Victor kann ihr nicht die Geborgenheit geben, die sie sich gewünscht hat. Der Familiengründung stehen seine waghalsigen Kunst- und Bauprojekte in einer kalten und elitären Unternehmerwelt im Wege. Und seine Faszination für 'Die Ameisenkönigin', die sich immer mehr zu einer Obsession wandelt. Obwohl sich Yana im kleinen Schweizer Städtchen integrieren möchte, droht sie dort weiterhin die Fremde zu bleiben ... Eine Geschichte von Liebe, Verlust und Erkenntnis In einem beschaulichen Schweizer Örtchen tobt der Kampf zwischen hohen Erwartungen und herben Enttäuschungen. Mittendrin die Exotin Yana, die ihr Lebensglück nicht aufgeben will. In klangvoller Sprache erzählt der Schweizer Prosa-Poet Markus Ramseier von Vertrautheit und Fremdheit, von Enttäuschung und nicht zu zerstörender Hoffnung.

Markus Ramseier ist der Schweizer Meister zarter Töne. Der 1955 in Liestal geborene Schriftsteller, Journalist, Lektor und Flurnamenforscher versteht es, seiner Prosa eine poetisch-zarte Melodie zu verleihen. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Buchpreis des Kantons Bern (1995), den Bettina-von-Arnim-Preis (2001) und den Kulturpreis Kanton Basel-Landschaft (2014). Bei Haymon erscheint nach 'Vogelheu' (2014) nun auch sein neuer Roman 'In einer unmöblierten Nacht' (2018).

Textauszug

1

Yana mochte die Bronzefigur nicht, aber sie liebte ihren Besitzer. Victor saß auf seinem alten Schaukelpferd. Wie Pfeiler ragten seine Knie in die Höhe. Die Ameisenkönigin hatte er so auf die Kommode gestellt, dass die kühlen, vergoldeten Augen im schräg einfallenden Licht der Februarsonne in seinem Kinderzimmer Blitze warfen. Erhaben thronte die schmale Figur über allem, sparsam bemalt, umrahmt von Blattwerk. Ihr kantiger Kopf wurde getragen von einem bleistiftdünnen Hals. Die Königin war halb Mensch, halb Ameise, eine Riesin mit einem tiefen Dekolleté und einem Umhang, der von einem Gürtel notdürftig geschlossen wurde. Auf ihren erhobenen Händen balancierte sie zwei Ameisenmännlein. Das Männlein in ihrer Rechten trug auf seinem Haupt eine weltliche, die Figur in der Linken eine päpstliche Krone. Das alles spielte in einem auf dem Eichensockel angedeuteten Wald, wo sich zu Füßen der Königin eine Heerschar von Arbeiterinnen auf dem Laubboden abmühte.

Man müsste diese Szene malen, dachte Yana: der CEO mit der gebügelten Hose und den gespreizten Beinen auf dem Schaukelpferd vor der Skulptur mit den goldenen Augen - ein Stillleben. Auch wenn das Werk sie irritierte - sie genoss die Stille und Weite der Villa. Vics einstiges Kinderzimmer im Turm des Gebäudes war größer als ihre Wohnung in Moskau, ganz zu schweigen vom winzigen, dunklen Raum in Schabo, den sie mit ihrer Zwillingsschwester Ewa geteilt hatte. Mehr als ein Kajütenbett, ein Tischchen für die Hausaufgaben, ein schmaler, wackeliger Schrank und der kleine, blaue Zauberteppich am Boden hatten darin nicht Platz gefunden. Der Teppich war ihr Raumschiff gewesen, das sie aus der Enge in die Umlaufbahnen der Phantasie katapultiert hatte. Einmal waren sie zu einem roten Stern aufgebrochen. Dort hatten sie ihre Traumprinzen geheiratet. Die Landung auf der Erde nach solchen Expeditionen war hart.

Und jetzt? Ihr kamen bereits wieder Zweifel, wenn sie an ihren Prinzen dachte. Pack deinen Koffer, hatte Vic ihr vor dem Galaabend im Puschkin-Museum gesagt. Verabschiede dich von überflüssigen Dingen. Du gehörst zu mir. Sie hatte noch kaum etwas über ihn gewusst, außer dass er sich für alles interessierte, was von Belang war, und Belangloses mit einem einzigen Satz erledigen konnte. Und sie war seinem Charme im Nu erlegen. Nur für ihn hatte sie ihr Haar zu einem Kranz geflochten und die silbrigen Traubenanhänger ins Ohr gesteckt, ihren einzigen Schmuck. Wenn sie kerzengerade dastand, war ihre Haltung jener der Königin nicht unähnlich. Doch sie gehörte nicht zur Gilde, die in den Festsaal geströmt war. Sie trug keine Markenuhr. Die gesamte nationale A-Elite hatte sich an diesem Freitag versammelt. Die Oligarchengattin Balbukina hatte Victor so heftig geküsst, als sei er ein alter Bekannter. Ihr giftgrünes Bleistiftkleid war der Blickfang des Abends gewesen. Auch Yana hatte Grün getragen, dezentes, klassisches Lindgrün. Viel mehr hatte sie nicht in ihrem Kleiderschrank. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie ihr Tageshoroskop gelesen. Sie denken über sich selber nach. Und das bringt Ihnen neue Erkenntnisse, nämlich, dass Sie nicht nur das schönste und schlauste Wesen auf Gottes Erden sind, sondern im ganzen Universum. Wenn es nur einen Bruchteil so einfach wäre! Wie viele hier würden die Nase rümpfen? Ukrainerin erschleicht Schweizer Pass. In welchem Puff hast du sie aufgegabelt, Vic? Brauchst du täglich dreimal Sex und frisches Holz vor der Hütte? Wie willst du mit der reden: Kuh macht muh, nicht kikeriki, Swiss Kuh? Sie kannte diese Sprüche von angetrunkenen Touristen. Zu allem Elend war Victor ein Prominenter. "Liebesglück im Osten" würden sie in den Zeitungen titeln. "Dolmetscherin mit berückend blauen Augen bezaubert Schweizer Unternehmer." Sie gab sich einen Ruck. Konnte Victor und ihr das Geschwätz nicht egal sein? Legal war ohnehin alles. Vics Junggesellenwohnung verfügte über mehr als die vorgeschriebenen zwei se

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Markus Ramseier, geb. 1955. Studierte Germanistik, Anglistik und Romanistik an der Universität Basel. Er promovierte mit einer Dissertation zum Thema Radiosprache. Heute arbeitet er als Projektleiter der Stiftung für Orts- und Flurnamen BL an einem Namenbuch des Kantons Baselland. Für seine literarischen Arbeiten wurde der Autor vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Bettina-von-Arnim-Preis und dem Förderpreis des Kantons Baselland. Er lebt in Pratteln, ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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