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Cover Kartografie der Freiheit

Kartografie der Freiheit

Roman

von Andrej Kurkow; Übersetzt von: Claudia Dathe

Erschienen 2018 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
592 Seiten
ISBN 978-3-7099-3857-7

Kurztext / Annotation

EUROPÄISCHER TRAUM, LEBST DU NOCH? DER GROßE EUROPÄISCHE ROMAN DER MENSCHEN In der letzten Nacht vor der Aufnahme LITAUENS in den Schengenraum beschließen drei Paare den AUFBRUCH IN EIN NEUES LEBEN: Ein Paar zieht es nach LONDON, eines geht nach PARIS, das dritte bleibt im BALTIKUM. Ob GLÄNZENDE METROPOLE oder OSTEUROPÄISCHE PROVINZ - die jungen Menschen möchten DEN EUROPÄISCHEN TRAUM VON EINER BESSEREN ZUKUNFT zum Leben erwecken. Vom Leben in Europa erwarten sie sich mehr als Reisefreiheit und Telefonieren ohne Roaming-Gebühren. Aber kann Europa sein GROßES VERSPRECHEN VON FREIHEIT UND MITEINANDER tatsächlich einlösen? Und was ist dieser 'europäische Traum' eigentlich? EIN ABGESANG AUF DAS 'EUROPA FÜR ALLE'? Als die GLÜCKSSUCHER zu ahnen beginnen, WIE NAH ERFÜLLUNG UND ENTTÄUSCHUNG BEIEINANDERLIEGEN und wie wenig Westeuropa für sie zu bieten hat, erhält die Aufbruchsstimmung erste Dämpfer. Entgegen dem IDEAL EINES EUROPAS OHNE GRENZEN spalten sich Union und Gesellschaft in vermeintlich 'alte' und 'neue' Europäer. Mit einem Mal finden sich die jungen Paare als Fremde an den Rand gedrängt. Das eben noch zum Greifen nah erschienene bessere, 'europäische' Leben rückt immer weiter in die Ferne ... SIND WIR WIRKLICH EIN EUROPA? Der UKRAINISCHE BESTSELLER-AUTOR ANDREJ KURKOW erlebte die Zeit des Kiewer 'Euro-Majdan' hautnah mit. Er kennt die Hoffnungen der Osteuropäer in die EU - und ihre bittere Enttäuschung. Wer also kann DEN GROßEN EUROPÄISCHEN ROMAN UNSERER ZEIT schreiben, wenn nicht er? AUS EINEM ZUTIEFST MENSCHLICHEN BLICKWINKEL zeichnet Andrej Kurkow die Schicksale dreier Paare - ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, ihr Festhalten am großen gemeinschaftlichen Freiheitsversprechen. Welche Rolle spielt die EUROPÄISCHE IDEE für die Identität der Menschen und Nationen? Waren wir uns im Eindruck zweier Weltkriege näher, als heute unter dem gemeinsamen Dach der EU? Ein mutiger und aufrüttelnder Roman.

Romane wie 'Picknick auf dem Eis' (1999) oder 'Der Milchmann in der Nacht' (2009) machten den 1961 in St. Petersburg geborenen und heute in Kiew lebenden ANDREJ KURKOW zum Bestseller-Autor. Mit den Protesten auf dem Kiewer Euro-Majdan 2013 und dem Krieg in der Ostukraine änderte sich sein Leben schlagartig. In dieser Zeit formte sich die bittere Erkenntnis vom wahren Gesicht der 'Europäischen Solidarität', die in seinem 'Ukrainischen Tagebuch' (Haymon 2014) bereits Niederschlag fand. Wer, wenn nicht er, kann den großen europäischen Roman unserer Zeit schreiben?

Textauszug

2. Kapitel. Das Gehöft Pienagalys. Bei Anyksciai

Großvater Jonas kam mit zwei Eimern, die mit samtweichem frischem Schnee gefüllt waren, ins Haus und blieb auf dem Gummiabtreter stehen.

Das Licht der Flurlampe spiegelte sich in den Pfützen, die sich um die locker an der Wand aufgereihten Halbschuhe und Stiefel gebildet hatten. Aus einem Paar brauner Männerschuhe ragten die froststeifen Schnürsenkel in die Höhe.

Der alte Jonas stellte die Eimer ab. Er nahm den Besen zur Hand, der neben der Tür lag, fegte sich den Schnee von den Stiefeln und zog seine übergroßen grauen Filzpantoffeln an. Mit ihnen konnte er über den Boden schlurfen, ohne die Füße zu heben. Er nahm die Schnee-Eimer, glitt durch den Flur bis zur ersten Tür auf der linken Seite, einer Holztür, die schon viele Mal in verschiedenen Farben überstrichen worden war, weswegen alle Besucher, die in das gemütliche Häuschen auf dem Gehöft kamen, glaubten, die Tür müsste unweigerlich in eine andere, in eine Parallelwelt führen. Beim genaueren Hinsehen gaben die Farbkratzer an den verschiedenen Stellen die rote, weiße und sogar blaue Vergangenheit der Tür preis. Das letzte Mal hatte sie der alte Jonas in einem edlen matten Grün gestrichen. Alles andere im Flur war nach den Vorstellungen seiner Enkelin Renata renoviert worden, die in einer eigenen Haushälfte lebte, auf der rechten Seite des Flurs hinter einer ganz normalen, aber ebenso soliden, nicht gestrichenen Holztür. Von dorther drang Lachen, junge Stimmen waren zu hören.

Großvater Jonas kehrte mit einem Schrubber in den Flur zurück. Er wischte den Boden auf. Als er an der Anzahl der Schuhe sah, dass sich an Renatas ovalem Wohnzimmertisch sechs Personen, sie eingeschlossen, versammelt hatten, musste er lächeln. Drei Paare. Sie würden also Zukunftspläne schmieden. Was sie wohl feierten? Bis Neujahr waren es schließlich noch zehn Tage. So lange hätten sie ja noch warten können.

"Wir brauchen einen Hut! Geh und frag deinen Großvater nach einem Hut!" Vitas sah Renata kess und gleichzeitig fordernd an.

"Er trägt keine Hüte! Na gut!"

Renata klopfte an die grüne Tür.

"Kann ich reinkommen, Großvater?", rief sie und drückte die Klinke herunter. Sie schaute ins Zimmer. Großvater Jonas saß in seinem Sessel am Fenster. Über seinem Kopf brannte die Stehlampe. Auf der Nase saß eine Brille mit einer merkwürdigen, fast bernsteinfarbenen Hornfassung. Er hielt ein Buch in der Hand. "Kann ich mir einen Topf von dir nehmen?"

"Gerne. Was willst du denn kochen?"

"Die Zukunft", spottete Renata und ging in seine kleine Küche, in der Pfannen, Töpfe, Gefäße und Geräte für die Zubereitung von Speisen an langen, nach oben gebogenen Nägeln bis unter die Decke aufgereiht hingen. Sie waren ein Blickfang gegen das kleine und leicht gedrungene Fenster, das so ganz anders aussah als die anderen Fenster im Haus.

Das Fenster erinnerte ein wenig an eine mittelalterliche Schießscharte, als hätte derjenige, der das Haus entwarf, in der Küche die letzte Bastion gesehen. Oder zeugte die Fensterform von der Abneigung des Hausherrn, sich beim Essen zusehen zu lassen?

Renata hakte den großen Topf vom Nagel und nahm ihn mit.

Großvater Jonas legte sein Buch auf die breite Sessellehne, stand auf und warf ebenfalls einen Blick in die Küche, in der unterm Fenster auf dem Holzboden der Schnee in den Eimern taute. Der Alte betrachtete den Schnee, der in der häuslichen Wärme dunkel geworden war und sich zu Wasser verwandelte, aus dem später Tee gekocht würde. Während Großvater sich umblickte, versuchte er, den Geschmack des Frühstücks auf seiner Zunge "abzulesen". Aber sie blieb stumm wie ein zum Schweigen verpflichteter Soldat der feindlichen Armee, der in Gefangenschaft geraten war. Die Zunge gab nicht den kleinsten Hinweis auf einen Geschmack. Sie taugte nichts und war in Geschmacksfragen unzuverlässig. Das lag natürlich am Alter. Da Jonas von der Zu

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