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Cover Weitwinkel

Weitwinkel

Roman

von Simone Somekh; Übersetzt von: Anna Rottensteiner

Erschienen 2019 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
200 Seiten
ISBN 978-3-7099-3880-5

Kurztext / Annotation

EINE GESCHICHTE ÜBER DEN TRAUM VON FREIHEIT UND EINE AUßERGEWÖHNLICHE FREUNDSCHAFT.

COMING-OF-AGE ZWISCHEN SCHLÄFENLOCKEN UND JEANS
Ezra Kramer besucht eine KONSERVATIVE JÜDISCHE HIGH SCHOOL IN BOSTON, aber eigentlich träumt er von einer Karriere als FOTOGRAF in NEW YORK. Dafür müsste er aus seiner ULTRAORTHODOXEN GEMEINDE ausbrechen, die einen ganz anderen Weg für ihn vorsieht. Einen Freund und Seelenverwandten in seiner SEHNSUCHT NACH SELBSTBESTIMMUNG findet Ezra in Carmi, der nach dem Tod seiner Mutter bei den Kramers einzieht. Als Ezra auf der Schultoilette Fotos einer Mitschülerin schießt, fliegt der junge Mann von der Schule - die gesamte charedische Gemeinde ist in Aufruhr.

VOM SCHMERZ UND GLÜCK, AUF EIGENEN BEINEN ZU STEHEN
Der Skandal zwingt Ezra, sich zu entscheiden: WO MÖCHTE ER SEIN LEBEN VERBRINGEN? NACH WELCHEN REGELN WILL ER SPIELEN? Auf sich alleine gestellt, wagt Ezra den entscheidenden Schritt in eine AUFREGEND FREIE WELT: In New York versucht er, als Fotograf Fuß zu fassen. Durch das Objektiv seiner Kamera erlebt Ezra die WELT AUS EINER GANZ NEUEN PERSPEKTIVE. Doch sein GLAUBE und seine HERKUNFT lassen ihn nie ganz los. Und dann ist da auch noch Carmi, der plötzlich spurlos verschwunden ist. Was ist ihm zugestoßen?

EIN PREISGEKRÖNTER DEBÜTROMAN VON ERGREIFENDER INTENSITÄT
Mit dem PREMIO VIAREGGIO für das erste Werk bekam Simone Somekh 2018 für 'Weitwinkel' einen der prestigeträchtigsten Literaturpreise Italiens zugesprochen und darf in einer Reihe mit namhaften Vorgängern wie u. a. Roberto Saviano ('Gomorrha') genannt werden. Eindringlich zeichnet der junge Turiner Autor Simone Somekh Ezras AUFBRUCH IN DIE FREIHEIT, der auch bedeutet, familiäre Geborgenheit hinter sich zu lassen. Eine ebenso berührende wie lebensnahe COMING-OF-AGE-STORY über Selbstermächtigung, Glaube in der modernen Welt und Kunst als Rebellion.

'von einer wohltuenden Frische'
La Repubblica, Susanna Nirenstein

Als zugleich ITALIENISCHER UND JÜDISCHER SCHRIFTSTELLER verknüpft SIMONE SOMEKH zwei große kulturelle Traditionen Europas. 1994 in Turin geboren und aufgewachsen, lebte er auch in Israel und den USA. Zurzeit arbeitet er als Autor und Journalist in New York. Er schrieb bisher u.?a. für The Associated Press, Tablet Magazine, Vanity Fair Italy, Corriere della Sera und The Jerusalem Post. Bei Haymon erscheint mit 'Weitwinkel' Simone Somekhs Debütroman in deutscher Übersetzung.

Textauszug

EINS

Tante Suzie bot mir zu essen an

und ich lehnte ab. "Du rufst mich an und bittest um Hilfe, weigerst dich dann aber, von meinen Tellern zu essen?", sagte sie sichtlich verärgert. Tante Suzie sah mit ihrer rabenschwarzen Mähne sicher meiner Mutter ähnlich, bevor sich diese den Kopf bedeckte und lange züchtige Kleider trug. Eine Frau, die selten lächelte, aber im Gegensatz zum ersten Eindruck, den man von ihr gewann, voller Lebenslust war.

Von meinen Tellern hatte sie gesagt, nicht von meinen Speisen. Darum ging es nämlich: nicht um die Speisen, die auf den Tellern serviert wurden, sondern um die Teller selbst. Tante Suzie hätte mir nie Hummer angeboten oder Bauchspeck oder andere verbotene Speisen, doch allein die Tatsache, dass auf den Tellern auch nur einmal eine solche gelegen haben mochte, machte diese unrein und unbrauchbar.

"Ich habe keinen Hunger", log ich.

"Dann schau mir zu, während ich esse, denn ich bin hungrig, und zwar ziemlich."

Sie begann zu kauen, und ich sah ihr wie verlangt dabei zu. Der Mensch kann wirklich abstoßend sein, wenn er isst, dachte ich. Also wandte ich meinen Blick von ihrem Mund ab und betrachtete das Esszimmer. Es war klein, ein paar Bilder und Nippes schmückten den schlecht beleuchteten Raum.

Tante Suzie nahm ihre Befragung wieder auf: "Wann hältst du den Zeitpunkt für gekommen, mich über den Grund deines Anrufs aufzuklären, Ezra?"

"Jetzt", sagte ich. Ich zog ein weißes Kuvert aus meinem schwarzen Rucksack hervor, in dem ich Kopien der Fotografien aufbewahrte, wegen derer ich von der High School verwiesen worden war. Tante Suzie betrachtete die Fotos, unschlüssig, wie sie darauf reagieren sollte. Schließlich entschied sie sich für eine eigenartige Mischung aus verlegen, erschüttert und schelmisch, wobei sie in Wirklichkeit sicher nicht allzu überrascht war.

"Wer ist das?"

"Malka Portman", antwortete ich, "die Schwester eines Schulkollegen, Moshe Portman. Sie ist schön, nicht wahr? Ihr Bruder prahlt immer damit, wie schön sie ist, also kam mir die Idee, sie in die Jungenetage zu schmuggeln, und dort habe ich sie dann in die Toilettenräume gebracht. Das sind meine besten Fotos, bisher."

Tante Suzie sah ein Foto nach dem anderen an, und eines nach dem anderen drehte sie beim Weglegen so um, als hätte sie in jedem einzelnen die ganze Macht der Gesetzesübertretung wahrgenommen, und zwar nicht nur der Gesetze der Yeshiva High School.

"Mutter und Vater werden begeistert sein", meinte sie ironisch.

"Nun, sie haben sie nicht gesehen. Aber sowohl Malka als auch ich wurden von der Schule verwiesen, und ich bin sehr glücklich darüber. Denn nun muss ich nicht mehr darum kämpfen, mich in einer anderen High School einschreiben zu dürfen."

Natürlich hatte ich den Verweis nicht geplant. Niemand durfte die Fotos sehen, auch wenn ich im Innersten davon überzeugt war, dass sie mir eines Tages nützlich sein würden, sollte ich ernsthaft Fotograf werden wollen. Frauen zu fotografieren war in meiner Gemeinschaft ein Tabu. Oft kamen die Schüler bis zum Abschluss der High School, ohne einem Mädchen in die Augen geblickt zu haben. Ich hatte in die Augen von Malka Portman geschaut, und ich hatte sie fotografiert.

Die Fotos waren wunderbar, tausendmal besser als jene, die ich zu den Hochzeiten und den Bar-Mizwas machte, wo die Fotografierten von einer geologischen Schicht Make-up überzogen waren und die Lichter so gedimmt, dass sogar die Falten der ältesten Frauen verschwanden.

Ezra Kramer hatte seit jeher Eltern und Lehrern Sorgen bereitet. Jetzt wird er den Eltern aller Mädchen der Gemeinde Sorgen bereiten; und er wird, so dachte ich, jetzt auch den Rabbinern Sorgen bereiten. Erstmals wurde mir die Tragweite dessen, was ich getan hatte, bewusst. Ich war stolz auf die Fotografien, aber die Folgen dieser Schnappschüsse, die Frau Portman gefunden hatt

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