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Cover Der Rücktritt

Der Rücktritt

Eine nationale Tragödie

Erschienen 2014 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
83 Seiten
ISBN 978-3-7099-7323-3

Kurztext / Annotation

Bereits in seinem Buch 'Tod Weidigs' schlug Jürg Amann einen für ihn ungewöhnlich heftigen politischen Ton an. Waren es dort aber noch politische Parabeln, die immer und überall gelten konnten, greift er mit seinem Stück 'Der Rücktritt', der gleichermaßen für das Theater im Kopf des Lesers wie für das Theater auf der Bühne geschrieben ist, direkt ins laufende Geschehen ein. 'Eine nationale Tragödie' nennt Amann sein Stück ironisch im Untertitel. Was ist geschehen? Nichts weiter, als dass ein traditionsreiches skandalöses System, die Verflechtung von Wirtschaft und Politik, endlich Schiffbruch erlitten hat. Eine Bundesrätin muss zurücktreten, weil sie als Justizministerin in Kollision mit der vermuteten Wirtschaftskriminalität ihres Mannes geraten ist. Und das ist selbst in der Schweiz, dem Land des Konsenses aller mit allem, nicht mehr tragbar.

Jürg Amann, geboren 1947 in Winterthur/Schweiz, lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in Zürich. Studium der Germanistik in Zürich und Berlin, Literaturkritiker und Dramaturg, seit 1976 freier Schriftsteller. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Ingeborg-Bachmann-Preis, Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. Bei Haymon: 'Zwei oder drei Dinge'. Novelle (1993), 'Über die Jahre'. Roman (1994), 'Und über die Liebe wäre wieder zu sprechen'. Gedichte (1994), 'Schöne Aussicht'. Prosastücke (1997), 'Kafka'. Wort-Bild-Essay (2000), 'Am Ufer des Flusses'. Erzählung (2001), 'Mutter töten'. Prosa (2003), 'Übermalungen. Überspitzungen'. Van-Gogh-Variationen (zus. mit Urs Amann, 2005), 'Zimmer zum Hof'. Erzählungen (2006), 'Nichtsangst'. Fragmente auf Tod und Leben (2008) und 'Die Reise zum Horizont'. Novelle (2010). Zuletzt erschienen: 'Wohin denn wir'. Roman (2012) und 'Lebenslang Vogelzug'. Gedichte (2014).

Textauszug

I

Salon in der bundesrätlichen Villa. Gedeckte Tafel. Die Bundesrätin und der Bundesratsgatte sitzen sich gegenüber. Dazwischen die Tochter. Alle löffeln lustlos in ihrer Suppe. Im Hintergrund, im Türrahmen, das Dienstmädchen. Niemand spricht. Nach einer Weile:

Die Bundesrätin:

(lässt den Löffel in den Teller sinken, lehnt sich zurück)


Die Suppe ist gründlich versalzen.

Anna:

(löffelt tapfer weiter)


Das finde ich nicht.
Gesalzen, aber nicht versalzen.

Die Bundesrätin:

Davon verstehst du nichts.

Anna:

Verstehe ich doch.

Die Bundesrätin:

(schlägt mit der Hand auf den Tisch)


Wenn ich dir sage, dass die Suppe versalzen ist, dann ist sie versalzen!

Anna:

(trotzig)


Dann ist der Koch eben verliebt.

Die Bundesrätin:

(schaut sie vielsagend an)


In mich jedenfalls nicht.

Anna:

Das sagt man doch so.

Die Bundesrätin:

So? Sagt man das so?

Anna:

Jawohl!

Die Bundesrätin:

Du musst es ja wissen.

Der Bundesratsgatte:

Elisabeth!

Anna:

Mutter!

Die Bundesrätin:

Es ist aber doch wahr.


Ihr seid natürlich wieder einmal ein Herz und eine Seele.


Euch schmeckt diese Suppe ja.


Schmeckt sie dem einen, schmeckt sie dem andern natürlich auch.

Anna:

Immer ist alles nicht recht, was Vater gemacht hat.

Die Bundesrätin:

Du sagst es.

Anna:

Tut er gar nichts,
tut er zuwenig.


Tut er dir etwas zuliebe,
hat er zuviel getan.


Oder das Falsche.

Die Bundesrätin:
/td

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Jürg Amann wurde 1947 in Winterthur geboren. Nach dem Studium der Germanistik arbeitete er als Literaturkritiker und Dramaturg am Schauspielhaus Zürich. Seit 1976 war Jürg Amann freier Schriftsteller. Er wurde u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann- und dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis ausgezeichnet. Jürg Amann ist am 5. Mai 2013 in Zürich verstorben.

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