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Cover Speranza

Speranza

Eine Liebe im Schatten des Unglücks von Longarone. Roman

Erschienen 2013 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
240 Seiten
ISBN 978-3-7099-7338-7

Kurztext / Annotation

Am 9. Oktober 1963 machte eine 140 Meter hohe Flutwelle das oberitalienische Städtchen Longarone dem Erdboden gleich. Sie riss Familien, Zukunftspläne und Träume mit sich - auch jene der blutjungen Clara und ihres Mannes Riccardo. Einfühlsam, bewegend und authentisch erzählt Jeannine Meighörner die wahre Geschichte eines Paares, das die Zuversicht auch im Angesicht der Katastrophe nicht verliert und sich eine neue Existenz aufbaut - voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft, aber ohne den Schatten des Unglücks jemals ganz abwerfen zu können.

Jeannine Meighörner, geboren 1963 in Germersheim/Rhein, lebt als Autorin in Innsbruck. Promotionsstudium der Germanistik, Medienwissenschaften, Geschichte und Amerikanistik in Heidelberg, Denver/Colorado und Konstanz. Erfahrungsstationen als Hörfunkjournalistin und Pressesprecherin in der Industrie. Zahlreiche Veröffentlichungen, unter anderem: ''Was ich als Frau dafür halte'. Sophie von La Roche. Deutschlands erste Bestsellerautorin' (2006) und 'Starkmut. Das Leben der Anna Hofer' (Roman, 2009). Bei HAYMONtb: 'Die Wolkenbraut. Das Leben der Philippine Welser.' Ein historischer Roman (2013).

Textauszug

II.

Longarone, Pirago, 10. Oktober 1963

Bob Mosher aus Austin, Texas, glaubte im Morgenlicht eine Blüte zu sehen. Eine sehr große Blüte. Am Blütenkelch rosé und an den Rändern in ein wächsernes Weiß übergehend.

Mit Pflanzen kannte Bob sich aus, seine Mutter hatte die größte Gärtnerei der Südstaaten betrieben und er hatte neben der Highschool dort seinen ersten Flugschein verdient.

Diese Blüte musste eine Magnolie sein, sie erblühten an Ästen, noch bevor das erste grüne Blatt ihre porzellanartige Schönheit störte, Magnolien waren auch die Lieblingsblumen seiner Mutter gewesen, als sie noch lebte.

Diese Magnolie schmückte eine Eiche. Den einzigen Baum, der im ganzen Umkreis noch stand. Eine einsame Blüte auf einem einsamen Baum.

Doch Magnolien blühen nicht im Oktober und schon gar nicht auf Eichen, das wusste Bob natürlich.

So hoffte er, dass dieses Blüten-Ding kein Stoffballen war, der seine Augen täuschte oder etwa eine Dekor-Attrappe. Italiener hatten ja viel Sinn für Ästhetik und Kunst. War es ein Kunstwerk, das sich in dieser Baumkrone verfangen hatte?

Die Magnolie winkte. Das bedeutete Hoffnung in diesem schmutzigen Brei aus Schlamm, Wasserlachen, Geröll, geborstenen Baumstämmen, Möbel- und Gebäudetrümmern.

"Es sieht aus, als hätte ein riesiges Monster schlecht gegessen und die ganze Gegend zugekotzt", hatte Bob seinem Co-Pilot, Gerry Hilt, und seinen Beobachtern, Richard Riss und Glen Kettering, über Bordfunk gesagt. Zufällig alle drei Jungs aus Iowa. Gerry Hilt hatte der Blick aus dem Cockpit immer nur "Fucking shit" entlockt.

Kettering hingegen hatte Bobs Metapher aufgegriffen und "Menschenfresser-Monsterkotze" und "Bingo!" hinzugefügt.

Nein, dies war kein Ort zum Scherzen, nur der Versuch normal zu bleiben inmitten dieses Wahnsinns. Sie alle hatten die verdrehten und zerbrochenen Körper gesehen, tatsächlich wie von einem Zyklopen ausgespien.

Bob hatte vermieden, in Tiefflug zu gehen, so eine "Menschenfresser-Monsterkotze" ließ sich nicht aus dem Gedächtnis abwaschen. Das wusste er besser als diese milchbärtigen Bauernlümmel aus dem Corn-Belt. Er hatte schon in die Fratze des Krieges geblickt.

Doch jetzt zog Bob Mosher die Nase seines Sikorsky H-34 nach unten. Wollte näher an diese Eiche heran.

Die Magnolie hatte rötliche Haare und ein junges, aber totenblasses Gesicht. Erst später würde Bob begreifen, dass auch die Überlebenden so aussahen wie die Toten, denn das wilde Wasser, das sich über ihnen ausgetobt hatte, war extrem lehmhaltig gewesen.

Die Magnolien-Frau saß in einer Astgabel in gut zehn Metern Höhe, wie Bob schätzte. Wie war sie dort hinaufgekommen? Noch dazu in diesem Blütenkleid, dem man trotz der Verschmutzung die Raffinesse der Verarbeitung noch ansah? Sie klammerte sich mit beiden Händen fest. Selbst ihre nackten Füße hatte sie im Astwerk verkeilt.

Bob beschloss, die Frau sofort zu retten. Dabei war seine Mission nur als Aufklärungsflug gedacht. Er sollte der Bergungsleitstelle in Verona Meldung machen, dort war seine Einheit, die amerikanische Nato-Einheit für Südeuropa, stationiert.

Doch die junge Frau war das erste lebende Wesen, das er und seine Jungs heute sahen. Natürlich außer den Alpini, die mit langen Stöcken und ein paar Hunden diese Trümmerlandschaft durchkämmten.

"Diese Fußgänger bekommen dieses Mädel dort nie herunter", sagte er. "Auch wenn so hübsche lange Federn wie bei Robin Hood an ihren Filzhüten stecken."

Kettering sagte: "Bingo!"

Die Magnolien-Frau war sicher mit ihren Kräften völlig am Ende. Sie könnte aus dieser Höhe auf die scharfkantigen Trümmer stürzen, die sich um den Baumstamm herum aufgetürmt hatten, wie Eisschollen.

Das wäre ihr sicherer Tod. Doch diese Magnolien-Frau sollte leben!

Bob hatte heute schon zu viele Tote gesehen. Meist lagen sie in großen Haufen beieinander. Waren dies Familien oder Freundesc

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Jeannine Meighörner, geboren 1963 in Germersheim/Rhein, lebt als Autorin in Innsbruck. Promotionsstudium der Germanistik, Medienwissenschaften, Geschichte und Amerikanistik in Heidelberg, Denver/Colorado und Konstanz. Erfahrungsstationen als Hörfunkjournalistin und Pressesprecherin in der Industrie. Zahlreiche Veröffentlichungen.

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