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Cover Naturkatastrophen in den Alpen

Naturkatastrophen in den Alpen

Erschienen 2013 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
176 Seiten
ISBN 978-3-7099-7472-8

Kurztext / Annotation

ÜBERFLUTUNGEN UND BERGSTÜRZE, LAWINEN- UND MURENABGÄNGE - seit Jahrhunderten leben die Bewohner des Alpenraums in stetiger Angst vor verheerenden Naturkatastrophen. Hans Haid, der große Experte für die Geschichte und Kultur des Alpenraumes, stellt gemeinsam mit seiner Tochter Barbara MEHR ALS 35 DER GRÖSSTEN NATURKATASTROPHEN VOM MITTELALTER BIS ZUM LAWINENUNGLÜCK VON GALTÜR 1999 dar. In ORIGINALEN ZEITDOKUMENTEN lässt er die Betroffenen selbst berichten und zeichnet so ein bedrückend lebendiges und authentisches Bild von den elementaren Naturereignissen, die das Leben im Alpenraum bedrohen. AUS DEM INHALT: Was ist eine Naturkatastrophe? Naturkatastrophen des Hochgebirges - Lawinen Bionnassay-Gletscher 1892 Bergemoletto 1755 Les Diablerets - Derborence 1714 und 1749 Giétroz 1818 Bisgletscher und Randa im Mattertal 1819 Schweiz 1951 - Wallis - Andermatt - Bosco Gurin - Die Rhätische Bahn - Vals - Zuoz - Zernez - St. Antönien Biel in Goms 1827 Andermatt 1839 Goldau 1806 Elm 1881 Plurs im Bergell 1618 Saas im Prättigau 1689 Großes Walsertal 1954 Galtür und Valzur 1999 Calancatal Rueras 1749 Rueras 1817 Selva 1808 Selva 1923 Außerfern - Elmen im Lechtal 1664 - Lechtal 1689 - Bach im Lechtal 1693 - Lähn im Außerfern 1456 - Lähn im Außerfern 1689 Moos und Neder im Ötztal 1817 Longarone 1963 Obertilliach 1631 Maria Luggau 1909 Heiligenblut am Großglockner 1951 Gasteiner Tal 1951 Salzburg 1669 Hallstätter See 1822 Traunsee 1680, 1854 und 1910 Grundlsee 1738 Grimming

Hans Haid, geboren 1938 in Längenfeld im Ötztal, lebt als Volkskundler, Alpenforscher, Publizist und Schriftsteller im Ötztal. Zahlreiche literarische Veröffentlichungen und Sachbücher über Geschichte und Kultur des alpinen Raums. Zuletzt erschienen: Sindt-Fluss. Eine Kulturgeschichte der Naturkatastrophen im Alpenraum (zus. mit Barbara Haid, Studienverlag 2009). Barbara Haid, geboren 1966, Übersetzerin und Autorin. Gemeinsam mit ihrem Vater Hans Haid hat sie mehrere Bücher zur Kulturgeschichte des Alpenraums verfasst.

Textauszug

Bergemoletto 1755

Am 19. März 1755 gingen in dem kleinen Ort Berge-moletto bei Stura di Demonte (Provinz Cuneo, Piemont) zwei Riesenlawinen ab und verschütteten 22 Personen.

Drei Frauen wurden in einem Stall unter einer Schneedecke von rund 20 Metern begraben. Am 25. April, also nach 36 Tagen, konnten die drei vollkommen abgemagerten Frauen gefunden und gerettet werden.

Charlie English berichtet in "Das Buch vom Schnee" über das Ereignis:

Die vielleicht grausigste Geschichte von Menschen, die eine Lawine überlebt hatten, datiert vom 19. März 1755, als das Dorf Bergemoletto in den italienischen Alpen von einer ganzen Serie von Schneeabgängen praktisch ausgelöscht und drei Frauen, Maria Anna Roccia Bruno, Mitte vierzig, ihre Schwägerin Anna Roccia, über zwanzig, und die elfjährige Margarete Roccia, unter den Schneemassen begraben wurden. Sie waren zusammen mit Maria Annas 16-jährigem Sohn Antonio im Stall bei den sechs Ziegen, dem Esel und den fünf oder sechs Hennen gewesen, als Maria Anna ein Stück weiter östlich die Schneemassen den Berg hinabrollen sah und eilig die Stalltür zuschlug. Sie hörten noch, wie über ihren Köpfen das Dach zusammenbrach, und als das gewaltige Donnern und Brüllen vorüber war, fanden sie sich in einem kleinen, kaum einen Meter breiten Hohlraum wieder. Der Stall lag unter gut 13 Metern Schnee begraben. Die meisten Tiere waren getötet worden und fingen schon bald an zu stinken, nur zwei Ziegen, von denen eine trächtig war, hatten überlebt. Eine Zeitlang ernährten sich die vier von der Milch der ersten Ziege, und als die starb, brachte die zweite ihr Junges zur Welt. Am sechsten Tag wurde Maria Annas Sohn Antonio krank. Er überlebte noch sechs Tage, dann starb er – der schrecklichste Moment des ganzen Martyriums – im Schoß seiner Mutter.

aus: English, Das Buch vom Schnee, S. 159–160

Walther Flaig schildert in seinem Lawinen-Buch eindrücklich, wie die drei Frauen 36 Tage unter der Lawine von Bergemoletto begraben überlebten:

Bergemoletto – 900 Stunden lebend begraben

1755. Aus diesem Jahre ist eine Lawinengeschichte überliefert (und durch den beglaubigten Bericht einer Überlebenden belegt), die als die seltsamste und glücklichste Rettung aus Lawinennot gelten darf, die jemals Menschen widerfuhr: Am 19. März 1755 wurde der kleine italienische Ort Bergemoletto bei Stura di Demonte (Provinz Cuneo, Piemont) von zwei Riesenlawinen verschüttet und 22 Personen begraben. Die Lawinenkegel waren so mächtig, daß man schließlich die Bergung als hoffnungslos aufgab. Ein gewisser Rochia, der die Lawine kommen sah und entfliehen konnte, begann nach 5 Tagen selbständig Stollen in den Schnee zu treiben, um sein völlig verschüttetes Haus und seine Frau, Schwester und 2 Kinder zu suchen, damit er sie wenigstens begraben könne.

Lassen wir jetzt der Urkunde (41) selber das Wort:

"Nachricht von dem, was zu Bergemoletto, durch Herabschießung eines großen Schnee-Berges, am 19. März 1755 sich zugetragen hat, und der wunderbaren Erhaltung einer unter dem Schnee begrabenen Familie, vom 19. März bis zum 25. April. Es liegen unfern von Demont, wenn man durch das obere Thal von Stura die Gebirge hinunter steigt, zur linken Hand, ungefähr anderthalb Stunden von dem Wege, welcher nach Demont führt, fast auf der Mitte des Berges, einige wenige Häuser, welche von den dortigen Einwohnern Bergemoletto genannt werden. Diese hatten das Unglück, am 19. März 1755, des Morgens, da sehr viel Schnee gefallen war, durch zwey große Schnee-Haufen, welche von den oberen Theilen des Gebirges herunter rolleten, gänzlich bedeckt und zu Grunde

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Barbara Haid MA, geboren 1966, ist freiberuflich in Wien als Übersetzerin tätig.

Hans Haid, geboren 1938 in Längenfeld im Ötztal, lebt als Volkskundler, Alpenforscher, Publizist und Schriftsteller auf dem 1700 m hoch gelegenen Hof Roale im Ventertal/Ötztal. Zahlreiche literarische Veröffentlichungen und Sachbücher über Brauchtum, Dialekt und Kultur im alpinen Raum. Gründer von IDI Internationales Institut für regionale Sprachen und Kulturen, der Vereinigung Arge Region Kultur sowie der internationalen Vereinigung pro vita alpina.

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