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Cover Darina, die Süße

Darina, die Süße

Roman

von Maria Matios; Übersetzt von: Claudia Dathe

Erschienen 2012 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
232 Seiten
ISBN 978-3-7099-7605-0

Kurztext / Annotation

Ein kleines Dorf im Grenzland der Bukowina: Dort lebt Darina, scheinbar stumm und nicht ganz bei Verstand, allein im Bauernhaus ihrer Eltern. Einzig Zwytschok, dessen Herkunft niemand kennt, kümmert sich liebevoll um die Außenseiterin. Doch wie alle anderen im Dorf weiß auch er nicht, welche dramatische Geschichte sich in Darinas Vergangenheit verbirgt - eine Geschichte, die tief in die Kriegs- und Nachkriegswirren Osteuropas führt. Mit unverfälschter Hingabe führt Maria Matios, eine der prominentesten Autorinnen der Ukraine, in die faszinierende Welt der Bukowina. Darina, die Süße, ihr erstes Buch in deutscher Übersetzung, zeigt die archaische Gewalt von Matios' Sprache, die in der Gegenwartsliteratur ihresgleichen sucht. Der Bestsellerautor Andrej Kurkow gibt in seinem Nachwort Geleit zu Maria Matios' außergewöhnlichem Werk.

Maria Matios, geboren 1959 in Rostoky in der Bukowina, lebt und arbeitet in Kiew. Sie zählt zu den bedeutendsten Gegenwartsautorinnen der Ukraine. Ihre Werke wurden in viele slawische Sprachen, aber auch ins Japanische und Chinesische übersetzt. Der Roman Darina, die Süße wurde mit dem wichtigsten ukrainischen Literaturpreis, dem Schewtschenko-Preis, sowie als Buch des Jahres 2007 in der Ukraine ausgezeichnet. Bei den Parlamentswahlen 2012 kandidierte Maria Matios für die Partei UDAR (Ukrainische Demokratische Allianz für Reformen) von Vitalij Klitschko. Im Rahmen ihrer politischen Tätigkeit macht sie auf fehlende demokratische Strukturen und Rechtsunsicherheit aufmerksam. Wegen ihres Einsatzes für Demokratie und Meinungsfreiheit sieht sich Maria Matios immer wieder staatlicher Willkür ausgesetzt.

Textauszug

I.

"Maria, die Georginen, von wem habt Ihr die? Die sind so schön voll, und wie die leuchten!", rief Wasjuta ihrer Nachbarin über den Zaun hinweg zu. "Was hab ich meine gehegt und gepflegt, aber sie sind trotzdem eingegangen. Haben sich eingerollt wie Schnecken, fertig, aus. Wer weiß, wer die unter die Finger gekriegt hat. Oder ob sich Warwara nachts an ihnen zu schaffen gemacht hat? Ob sie eine Hexe ist, Maria, was? Möchte nur wissen, was mit den Blumen los ist. Sie sind hin, was soll man machen, Unkraut, weiter nichts. Wenn sie hoch und voll sind, hab ich sie gern, aber nicht so mickrig", sagte sie und warf ein Bündel Astern auf den Gartenweg.

"Also , ja, die sind wirklich schön! Alle kommen und wollen wissen, von wem ich die habe ... die werden mir noch die Ernte verderben, toi, toi, toi", antwortete Maria mit gespieltem Ärger über ihr Beet gebückt. "Ich hab sie von Darina, der Süßen. Und auch die Lilien und die Rose da. Im Frühling hat sie mir die gebracht."

"Bevor sie's wieder so schlimm erwischt hat?"

"I wo, später. Sie hat die ausgegrabenen Knollen durchs Dorf getragen wie ein Kind, das arme Ding. Hat sie in die Decke gewickelt, mit der sie sonst schläft, hat sie an die Brust gedrückt und gewärmt, und als sie damit ankam, hat sie die Dinger ausgewickelt wie ein Kind, wirklich. Das tut einem in der Seele weh, Wasjuta, das kann ich Euch sagen, da hab ich gleich aufgehört, zu zanken mit meinem Slawko, der ist ja wenigstens nicht behindert ... hätte ihn doch der Schlag getroffen in meinem Bauch, wie der mir die Tage verhunzt mit seinem Selbstgebrannten. Wär er doch verbrannt damals, Herrgott nochmal ... Dass ich Eiterpickel auf der Zunge kriege, was für dummes Zeug ich da rede!"

... Im Asternbeet, drei Schritt von Maria und Wasylyna entfernt, saß Darina, die Süße, flocht und löste ihren Zopf, der schon lange dünn und ergraut war, lauschte dem arglosen Gespräch und lächelte nur leise.

Sie hatten weder Grips im Kopf noch Gott im Bauch, ihre Nachbarn, wenn sie dachten, sie sei dumm. Denn Darina war nicht dumm, süß war sie.

Was war schon dabei, dass sie die Dahlienknollen in eine Decke gewickelt hatte? Es war gerade Schnee gefallen, und der Frost hatte noch nicht nachgelassen. Darina verteilte die Blumen im Dorf, denn sie hatte mehr Knollen ausgegraben, als Erdäpfel in ihrem Keller lagen. Und dann trug sie sie zu den Häusern, vor denen nie Blumen blühten. Hätte sie die Knollen etwa nackt durch die Kälte tragen sollen? Wasjuta trug ihren Enkel schließlich auch nicht bloß in Unterhosen zum Kindergarten, sondern wickelte ihn erst in eine Decke, nahm ihn dann auf und schuckelte ihn durchs Dorf. Was war eine Blume anderes als ein Kind?

Darina saß auf der warmen, fast noch sommerlichen Erde, streichelte die leuchtenden Kränze der Astern, zauste ihre duftenden Strahlen, sprach mit ihnen, erzählte, was ihr in den Sinn kam, lachte - was war daran dumm?

Warum war sie dumm, wenn sie alles verstand, wenn sie wusste, was wie hieß, welcher Tag heute war, wie viele Apfelbäume bei Maria im Garten standen, wie viele Leute von Weihnachten auf Weihnachten geboren worden und wie viele gestorben waren? Im Gemeinderat mussten sie für so viel Verstand erst in einem Buch nachschauen, aber Darina hatte das alles im Kopf. Mit den Hühnern konnte sie besser reden als mit Menschen. Die Bäume verstanden sie, die Hunde ließen sie in Ruhe, die Menschen nicht. Die Menschen konnten sie nicht für sich sein lassen.

Aber mit den Menschen wollte Darina nicht reden. Sie würden ihr womöglich etwas Süßes geben.

Was sollte man darüber nachdenken, da war ja nichts. Die Leute im Dorf machten manchmal Sachen, dass sich sogar Darina an den Kopf griff, und trotzdem wurden sie von niemandem für dumm gehalten. Aber von ihr, die mit Bäumen und Blumen sprach, in den Tag hinein lebte und niemandem schadete,

Langtext

Ein kleines Dorf im Grenzland der Bukowina: Dort lebt Darina, scheinbar stumm und nicht ganz bei Verstand, allein im Bauernhaus ihrer Eltern. Einzig Zwytschok, dessen Herkunft niemand kennt, kümmert sich liebevoll um die Außenseiterin. Doch wie alle anderen im Dorf weiß auch er nicht, welche dramatische Geschichte sich in Darinas Vergangenheit verbirgt - eine Geschichte, die tief in die Kriegs- und Nachkriegswirren Osteuropas führt.
Mit unverfälschter Hingabe führt Maria Matios, eine der prominentesten Autorinnen der Ukraine, in die faszinierende Welt der Bukowina. Darina, die Süße, ihr erstes Buch in deutscher Übersetzung, zeigt die archaische Gewalt von Matios' Sprache, die in der Gegenwartsliteratur ihresgleichen sucht. Der Bestsellerautor Andrej Kurkow gibt in seinem Nachwort Geleit zu Maria Matios' außergewöhnlichem Werk.

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