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Cover Grundlsee

Grundlsee

Roman

Erschienen 2013 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
120 Seiten
ISBN 978-3-7099-7608-1

Kurztext / Annotation

Von den glücklichen und weniger glücklichen Tagen einer Familie: Jedes Jahr verbringen John, Bella und Lili wohlbehütet einen schönen Sommer mit ihren Eltern am Grundlsee. An der Tagesordnung stehen die üblichen Quengeleien und liebevollen Querelen. Noch weiß keiner von ihnen, welche Herausforderungen das Leben für sie bereithält - doch holen sie diese schneller und heftiger ein, als sie ahnen können. Gustav Ernst erzählt eine berührende Familiengeschichte über drei Generationen hinweg. Mit bestechend feinem Sensorium für das Zwischenmenschliche macht er die Bestimmungslinien und Unwägbarkeiten einer Familie sichtbar, wie sie auch die unsere sein könnte. Und zeigt, was passiert, wenn eintritt, womit jeder rechnen muss: mit dem Fortschreiten der Zeit, ihrer Gelassenheit, ihrer Unerbittlichkeit - unschlagbar lakonisch und authentisch wie das Leben selbst.

Gustav Ernst, geboren 1944 in Wien, lebt als Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor ebendort. Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik. Seit 1997 Herausgeber der Literaturzeitschrift kolik (gem. mit Karin Fleischanderl). U.a. erschienen die Romane Die Frau des Kanzlers (2002) und Grado. Süße Nacht (2004). Bei Haymon: Beste Beziehungen. Roman (2011).

Textauszug


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In der Früh, ich möchte noch schlafen, kommen die Kinder zu uns ins Bett. Ich möchte noch schlafen, sage ich. John legt sich auf meine Brust. Er ist sieben. Papa, bitte kitzeln, sagt er. Hast du nicht gehört, sagt meine Frau, Papa will noch schlafen. Kitzeln kann er mich ja trotzdem, sagt John. Aufpassen, sagt meine Frau, Lili schläft noch. Die ist sicher tot, sagt John.

Bella ist fünf. Oder vier? Sie ergreift Lilis Hand. Lass sie, sagt meine Frau, sie schläft. Lili schlägt die Augen auf. Sie schläft nicht, sagt Bella. Sie stinkt, sagt John. Meine Frau sagt: Sie muss gewickelt werden. Machst du das?, sagt sie zu mir. Papa muss mich kitzeln, sagt John. Mich auch, sagt Bella und legt sich auf John. Ich kitzle beide. Sie lachen und schlagen um sich. Aufpassen auf Lili, sagt meine Frau. Jetzt passt doch auf Lili auf, sagt sie. John klammert sich an mich. Bella klammert sich an John. Ihr seid mir zu schwer, sage ich, ich krieg keine Luft. Nein, sagt John, wir sind ganz leicht. Ja, sagt Bella, wir fliegen. Und Papa fliegt mit, sagt John. Und Mama auch, sagt Bella. Und Lili bleibt da, sagt John. Nein, sagt Bella, Lili fliegt mit. Lili kommt in mein Körbchen, Lili kommt mit.

John steckt seinen Kopf unter meine Achsel. Bellas Körper klatscht auf meine Brust. Jetzt bin ich bei Papa, sagt sie. Ihr Gesicht ist ganz nah. Sie schaut mir in die Augen und grinst. Ich betrachte ihr Muttermal unter dem rechten Auge: ein winziger Punkt auf einer makellosen Haut. Hier ist es schön warm, sagt John. Hier auch, sagt Bella und drückt ihren Kopf unter mein Kinn. Warum hast du so viele Haare auf der Brust?, sagt sie. Mama, sagt sie, warum hat Papa so viele Haare auf der Brust? Du hast ja auch keine.

Papa, zu mir drehen, sagt John. Nein, sagt Bella, Papa dreht sich zu mir. Sie nimmt meinen Kopf und dreht ihn zu sich. Unfair, sagt John, ich war zuerst, nimmt meinen Kopf und dreht ihn zu sich. Zu dir hat er eh die ganze Zeit geschaut, sagt Bella, nimmt meinen Kopf und dreht ihn zu sich. Ist nicht wahr, sagt John, nimmt meinen Kopf und will ihn zu sich drehen, aber Bella lässt ihn nicht los. Au, sage ich, ihr reißt mir ja den Kopf ab. Lasst doch den Papa in Ruh, sagt meine Frau.

Lili schreit. Was schreit sie denn so, sagt John. Sie muss gewickelt werden, sagt meine Frau. Deswegen muss sie nicht so schreien, sagt er. Du hast auch so geschrien, sagt meine Frau. Ich hab nicht so geschrien, sagt John. Du hast auch so geschrien, sagt Bella. Nein, sagt John, ich hab nicht so geschrien. Oh doch, sagt Bella. Du warst ja gar nicht dabei, sagt John, du warst ja noch gar nicht auf der Welt. Trotzdem hast du auch so geschrien, sagt Bella. Papa, sagt John, sag ihr, dass ich nicht so geschrien hab. Außerdem ist sie hungrig, sagt meine Frau.

Meine Frau dreht sich zu mir. Sie sagt: Wir haben wirklich Glück mit dem Wetter. Ja, sage ich. Über Lili und Bella hinweg küssen wir uns. Nicht mich anhauchen, sagt meine Frau. Ich hauche nicht, sage ich, ich küsse. Sie sagt: Aber zwischendurch hauchst du. Ich sage: Zwischendurch muss ich hauchen. Aber bitte nicht vorm Zähneputzen, sagt meine Frau. Bella drängt sich mit ihrem Kopf zwischen uns und küsst uns abwechselnd. Aufpassen auf Lili, sagt meine Frau. Lili will auch küssen, sagt Bella und küsst sie.

Meine Frau sagt: Heut machen wir einen Ausflug. Nein, sagt Bella, keinen Ausflug. Doch, sagt meine Frau. Wieso einen Ausflug?, sagt John. Weil es schön ist draußen, sagt meine Frau. Dann fahren wir an den Sommersbergersee, sagt Bella. Nicht immer Sommersbergersee, sagt meine Frau. Warum nicht immer Sommersbergersee, sagt Bella, wenn es so schön ist? Heut nicht, sagt meine Frau. Bitte, Mama, sagt Bella. Nein, sagt meine Frau. John sagt: Ich will auch an den Sommersee. Der heißt Sommersbergersee, sagt meine Frau. Dann will ich auch an den Sommersbergersee, sagt John. Bitte, Mama, sagt Bella. Aber warum denn schon wieder?, sagt meine Frau. Bella sagt: Weil es dort so eine

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Gustav Ernst, geboren 1944 in Wien, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor ebendort. Studium der Philosophie, Geschichte und Germanistik. 2013 wurde Gustav Ernst mit dem Preis der Stadt Wien für Literatur ausgezeichnet.

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