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Cover Die Villen der Frau Hürsch

Die Villen der Frau Hürsch

Roman

Erschienen 2013 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-7099-7631-9

Kurztext / Annotation

Ein altmodisch gekleideter Mann auf einer verwilderten Rasenfläche. Mit raschen Schritten folgt er einem unsichtbaren Ball und versucht ihn mit einem imaginären Schläger zu treffen.
Daniel Käfer schaut staunend zu und ahnt noch nicht, dass auch er bald in ein Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit geraten wird.
Käfers erfolgreiches Berufsleben als Chefredakteur ist seit wenigen Wochen Vergangenheit. Jetzt will er im Ferienparadies seiner Kindheit, dem steirischen Salzkammergut, die Bilder von damals wieder leuchten lassen und über seine Zukunft nachdenken.
Er findet sich in einer nur vordergründig harmonischen Welt der Gegensätze wieder: uralte Strukturen der Salzwirtschaft und die bemühte Eleganz jener Freizeitarchitektur, die vor über hundert Jahren den Wandel zum Kurort gebracht hatte.
Daniel Käfers Spurensuche im Ausseerland lässt bald auch seine persönliche Vergangenheit in einem anderen Licht erscheinen. Wie war es wirklich um die sorgfältig gepflegte Tradition der gut bürgerlichen Familie bestellt? Vor allem das Schicksal jener verleugneten, verdrängten Mizzi Käfer, der 'Ausseerin', passt nicht ins wohl geordnete Bild. Ihr sehr bescheidenes Leben als Dienstbotin, zuletzt in der Villa der Frau Hürsch, und ihr rätselhafter Tod geben den Blick frei in eine Welt der Ausbeutung und des Elends. Aber auch märchenhafte Schicksalsfügungen waren möglich ...
Komareks erster Roman aus dem Salzkammergut erzählt spannend und facettenreich. Und er bietet die ebenso hintergründige wie pointierte Sicht auf eine der interessantesten Kulturlandschaften Österreichs.

Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee, lebt als freier Schriftsteller in Wien, schreibt u.a. Reisereportagen, Essays und Erzählungen sowie Arbeiten für Hörfunk und TV (ORF, BR, HR). Zahlreiche Bücher, darunter mehrere Landschaftsbände, u.a. über das Salzkammergut, das Ausseerland, das Weinviertel, das Ötztal, die Lagune von Venedig. Kinderbücher und vier inzwischen verfilmte Kriminalromane um Inspektor Simon Polt. Zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Glauser-Preis für den besten Krimi 1998 und Romy für das beste Drehbuch 2002 (gemeinsam mit Julian Pölsler) für 'Polt muß weinen'. Bei Haymon zuletzt erschienen: Die Daniel-Käfer-Romane 'Die Villen der Frau Hürsch'. Roman (2004), 'Die Schattenuhr'. Roman (2005), 'Narrenwinter'. Roman (2006), 'Spätlese'. Texte aus vier Jahrzehnten (2007), 'Doppelblick'. Roman (2008), 'Polt.' Kriminalroman (2009, ausgezeichnet mit dem Goldenen Buch für über 25.000 verkaufte Exemplare), 'Zwölf mal Polt' (2011), 'Polt - Die Klassiker in einem Band' (2012), der Band 'Semmering' in seiner neuen Reihe 'Österreich von innen' (2012) sowie bei Haymon Taschenbuch neu aufgelegt 'Blumen für Polt' (2013).

Textauszug

1

Einer von diesen unwirklich schönen Sommertagen. Andachtsblau der Himmel, lustblau der See. Dazwischen helles Kalkgebirge, Wiesengrün und Waldgrün.

Der kleine Daniel Käfer zitterte, weil er vom Schwimmen und Tauchen nie genug bekommen konnte. Jetzt aber spürte er warmes Holz unter sich und Sonnenhitze auf dem Rücken. Er hob den Kopf, schaute zum anderen Ufer hinüber und sah gleißende Lichter auf dem Wasser tanzen.

Der große Daniel Käfer schloss die Augen und ließ die alten Bilder leuchten. Ferienzeit im Salzkammergut. Privatquartier beim Schulrat Köberl, am Ortsrand von Bad Aussee. Das Zimmer mit den schrägen Wänden und dem fast immer offenen Fenster. Über den Gemüsegarten hinweg ging der Blick zu einer Blumenwiese, auf der Obstbäume standen. Die Eltern wohnten im Erdgeschoß, im komfortableren Gästezimmer, wo es fließendes Wasser gab. So konnte er ungestört in den Romanheften lesen, die ihm sein hiesiger Freund, der Toni, zusteckte. Noch viel lieber saß er einfach da und schaute in die Nacht hinaus. Nur eine entfernte Straßenleuchte brannte einen gelben Fleck in die Dunkelheit. Die Luft roch nach Gras und Wald. Das leise Plätschern und Rauschen des nahen Baches störte die Stille nicht. Nie wieder hatte sich Daniel Käfer so sehr in der Welt und in sich geborgen gefühlt.

Gut drei Jahrzehnte waren seit damals vergangen. Diesmal war die Nacht hell und laut und die Fenster blieben besser geschlossen. Frankfurt ist eine aufdringliche Stadt, dachte Käfer, zu viel Geld, zu viel Kriminalität und zu viele schlechte Bücher zur Messezeit. Unwillig öffnete er die Augen. Und dann noch dieses gnadenlos stilsichere Designerhotel. Kühle Ästhetik, funktionell, originell und von anmaßender Schlichtheit. Was zum Teufel hatte er hier zu suchen? Er blickte auf seine abgetragene Cordhose und sah auch den Rotweinfleck am Hemd. Er hatte erst gar nicht versucht, ihn auszuwaschen. Wozu auch? Immerhin stammte der Fleck von einem Barbaresco Asili, Riserva 1996, aus dem Piemont - und er markierte einen denkwürdigen Wendepunkt im Berufsleben des Daniel Käfer.

Kaum zwei Stunden war es her, als sein Freund und Vorgesetzter, Bernd Rösler, vorsichtig den Korken gezogen hatte und dunklen Wein in eine Dekantierkaraffe gleiten ließ.

"Guten Flug gehabt, Daniel? Mehr als Business Class ist auch für leitende Mitarbeiter des Hauses nicht drin. Sparsamkeit ist angesagt."

Käfer roch an der Flasche und las das Etikett.

"Von wegen. Unter hundert Euro ist so einer kaum zu haben. Und dann noch der Sondergastraum nur für uns beide? Ich muss schon sagen!"

Rösler hob das inzwischen gefüllte Glas.

"Ehre, wem Ehre gebührt. Stoßen wir darauf an, Daniel. Und auf dein neues Leben." Käfer hob sein Glas, schwieg und neigte fragend den Kopf.

Rösler lächelte unsicher. "Du ahnst was, wie? Also dann: Wir können uns den IQ nicht mehr leisten."

"Das hast du wirklich schön gesagt."

"Deine Ironie habe ich erwartet, sie steht dir zu und sei dir gegönnt. Aber du weißt doch so gut wie ich, dass die schöngeistigen Verlags-Flaggschiffe eines nach dem anderen gegen den Eisberg der Rentabilitätsrechnung gesteuert werden. Das trifft jetzt auch dein Blatt, den IQ . Der Redaktionssitz in München ist sauteuer. Das überqualifizierte Personal ist purer Luxus. Und für die Honorare, die du an deine zugegebenermaßen brillanten Gastautoren zahlst, fehlen nicht nur mir die Worte."

"War früher kein Thema, das alles, nicht wahr?"

"Früher, früher! Das war noch unsere Zeit, Daniel. Wir elitären Wichte sitzen heute als Säulenheilige hoch oben und sind extrem absturzgefährdet. Wenn ich nicht mein relativ weich gepolstertes Nest im Vorstand hätte ... Quote oder Auflage adeln jeden S

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Alfred Komarek, geboren 1945 in Bad Aussee. Autor zahlreicher Bücher, in denen er sich als literarischer Wegbegleiter durch österreichische und europäische Kulturlandschaften erweist, aber auch als Essayist und Erzähler. Gestaltung von Features und Feuilletons, Drehbüchern und Dokumentationen fürs Fernsehen. Seine Krimis der Polt-Serie schafften alle den Sprung in die Bestseller-Listen und wurden für das Fernsehen verfilmt, ebenso seine Roman-Tetralogie, die im Salzkammergut spielt. 2011 wurde Alfred Komarek mit dem "Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln" ausgezeichnet.
Der Autor lebt als freier Schriftsteller in Wien, Bad Aussee und Niederösterreich.

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