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Cover Im Bernstein

Im Bernstein

Roman

Erschienen 2013 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
274 Seiten
ISBN 978-3-7099-7755-2

Kurztext / Annotation

Die Journalistin Isa Becker ist in die Landschaft ihrer Kindheit zurückgekehrt, hat eine Ideenagentur gegründet und eine neue Liebe gefunden: Greg. Für ein Feuilleton-Projekt fliegt sie nach St. Louis/Missouri, um über Mark Twain zu arbeiten. Als sie dessen Schriften gegen den Krieg entdeckt, löst dies eine intensive Beschäftigung mit den Briefen ihres Vaters aus, der Nationalsozialist war und im Osten gefallen ist.
Begleitet von Selbstzweifeln, dringt sie immer tiefer in seine Geschichte ein, legt sie Schicht um Schicht seines kurzen Lebens frei und kommt dem Geheimnis näher, das ihre Mutter in einen frühen Tod trieb. Die Frage nach den Ursachen für seine Begeisterung, die Isa bis zu den Gräberfeldern Russlands führt, mündet in der Auseinandersetzung mit dem Irakkrieg.
'Kein Krieg ist zu Ende. Er setzt sich fest und zeugt sich fort', heißt es im Buch. Die Autorin nähert sich diesem Phänomen in einem zwischen den Genres wechselnden Text und lässt authentische Dokumente und Fiktion, Zeit- und Liebesgeschichte ineinanderfließen. Der Roman führt an die Ufer des Mississippi, der Donau und der Wolga und lenkt den Blick abseits der historischen Ereignisse auf drei vielfach aufeinander bezogene Frauenschicksale. Brita Steinwendtner erzählt von Irrwegen und Hoffnungen im Rad der Geschichte.

Brita Steinwendtner, geboren 1942 in Wels, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie in Wien und Paris. Freie Mitarbeiterin des ORF und anderer Rundfunkanstalten. Bis 2012 Leiterin der Rauriser Literaturtage. Lebt als Autorin, Regisseurin und Feuilletonistin in Salzburg. Bei Haymon erschienen: 'Rote Lackn'. Roman (1999), 'Im Bernstein'. Roman (2005), 'Jeder Ort hat seinen Traum'. Dichterlandschaften (2007), 'Du Engel Du Teufel'. Emmy Haesele und Alfred Kubin - eine Liebesgeschichte (2009), 'Mittagsvorsatz. Noon Resolution' Gedichte. Poems (2011).

Textauszug

Isa hieß eigentlich Isolde.

Auch wenn es heiß war, liebte sie lange Ärmel.

Sie ging durch ihr Leben und war noch nicht angekommen.

Augusthell wurde sie geboren, aber was für ein Tag ist heute.

Und einmal, als sie einen neuen Anfang suchte, wieder einmal einen Anfang, faßte sie einen Entschluß, den andere und sie selbst zwar als lächerlich und unsinnig empfanden, den sie aber schließlich als Konsequenz verteidigte, an den sie sich mit der Zeit gewöhnte und den sie gegen alle berechtigten Einwände als eine Art von Befreiung deutete: Sie nahm den Vornamen Isa an und verbot allen Freunden, sie Isolde zu nennen.

Isolde, klebriges Nolimetangere im Hirn, hingeschleuderter Samen im Sommer. Klette an den Knochen. Isa scheute sich jedoch auch jetzt noch, die Entscheidung ihrer Eltern gänzlich zu mißachten, das Glück der ersten Gewißheit, die Ungeduld des Erwartens und das zärtliche Fragespiel um Geschlecht und Namen. So hatte sie nach einem Wort gesucht, das dem ursprünglichen nahe war.

Isolde ist doch ein schöner Name, sagte Gunther, der Bruder. Sie war eine irische Königstochter, sie war sechzehn und trieb es mit Tristan, aber sie kann nichts dafür, daß ein Diktator sie mißbrauchte. Der Name ist doch unschuldig wie jeder andere.

Glaub ich nicht, Gunther. Der Mißbrauch dringt ins Mark der Worte.

Du machst alles so halb-halb, Soldi. Wenn du schon mußt, dann nenn dich gleich Adelheid oder Yvonne oder Beverly.

Nein, sagte Isa, nicht ganz anders. Nur ein kleines Zeichen setzen. Ich bin noch nicht fertig.

Womit?

Mit den gebrochenen Flügeln.

Isa suchte also, wie so viele, einen Neubeginn.

Es war nicht ihr erster.

Der Vater war im Krieg gefallen. Die Mutter starb, als sie vierzehn war. So wuchsen Isa und Gunther bei den Großeltern auf. Nach der Hauptschule begann Isa zunächst eine Schneiderlehre - daß du dich durchbringen kannst, wenn wieder Krieg ist, hatte die Mutter gesagt -, wechselte schließlich in die Oberstufe eines Gymnasiums und studierte später in Wien Biologie. Sie wollte sich auf Insekten spezialisieren. Nach drei Semestern brach sie ab und begann ein Studium der Geschichte und Philosophie, das sie ebenfalls nicht beendete. Anschließend ging sie für ein Jahr als Au-pair-Mädchen nach Paris, dann nach Los Angeles.

Als sie mit fünfundzwanzig nach Wien zurückkehrte, nahm Isa eine Stelle bei einer Tageszeitung an. Sie machte, da sie flexibel und schreibbegabt war, schnell Karriere. Nach einigen Jahren schickte man sie als Korrespondentin nach Frankreich und ernannte sie, als sie zurückkehrte, zur stellvertretenden Leiterin der Kulturredaktion mit Schwerpunkt Ausland. Als sie dreiunddreißig war, heiratete sie den aufstrebenden Rechtsanwalt Laurenz Becker.

Nach acht Jahren wurden sie geschieden.

Dann kamen die Jahre der Libertinage. Dann kam der Überdruß.

Schließlich verließ sie Wien und kehrte nach Oberösterreich zurück, wo sie geboren und aufgewachsen war, und gründete in Linz ihr eigenes Büro.

So schnell ließe sich ein Leben erzählen.

So läßt es sich nicht erzählen. In einem Labyrinth entscheiden nicht die Schritte zwischen den Hecken, sondern die Besessenheit, den Ausgang zu finden. Und die Zeit trägt einmal die Farbe des Bernsteins und einmal Nachtschwarz.

"Idea-Agency Isa E. Becker" stand auf dem Messingschild neben dem Eingang. Die Agentur lag im vierten Stock eines Linzer Bürgerhauses aus dem 17. Jahrhundert an der Ecke Hauptplatz-Klostergasse. Die Fenster gingen nach Sonnenaufgang und nach Süden, es war hell. Der Parkettboden trug die Schritte vieler Generationen. Die hohen Räume bargen den Atem derer,

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Brita Steinwendtner, geboren 1942 in Wels, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie in Wien und Paris. Freie Mitarbeiterin des ORF und anderer Rundfunkanstalten. Leiterin der Rauriser Literaturtage. Brita Steinwendtner lebt als Autorin, Regisseurin und Feuilletonistin in Salzburg.

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