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Cover Rote Lackn

Rote Lackn

Roman

Erschienen 2014 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
144 Seiten
ISBN 978-3-7099-7758-3

Kurztext / Annotation

Die 'Rote Lackn', ein See am oberen Ende eines Gebirgstales, wird zum Ausgangspunkt einer Spurensuche: Die Ich-Erzählerin, die mit dem Tal und seinen Bewohnern seit ihrer Kindheit verbunden ist, folgt verschlungenen Lebensläufen und ineinander verwobenen Schicksalen, holt kleines Glück und großes Leid ans Licht, schildert Begegnungen und hinterfrägt ihre eigene Erinnerung. Es sind vor allem Frauen, denen die Autorin ihre Aufmerksamkeit schenkt: die Bäuerin, die sich zu Tode schindet; die Sennerin, die im 'Narrenturm' endet; unten in der Stadt die 'alte Dame aus dem Französischkurs', deren Sohn ein bekannter Professor in Deutschland ist und in der Heimat eine berührende Liebesgeschichte erlebt; die Sportlerin aus der DDR, die über die Todesgrenze hierher geschmuggelt wird; und Marie, deren Geschichte dort endet, wo die Erzählung ihren Ausgang genommen hat ...

Brita Steinwendtner, geboren 1942 in Wels, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie in Wien und Paris. Freie Mitarbeiterin des ORF und anderer Rundfunkanstalten. Bis 2012 Leiterin der Rauriser Literaturtage. Lebt als Autorin, Regisseurin und Feuilletonistin in Salzburg. Bei Haymon erschienen: 'Rote Lackn'. Roman (1999), 'Im Bernstein'. Roman (2005), 'Jeder Ort hat seinen Traum'. Dichterlandschaften (2007), 'Du Engel Du Teufel'. Emmy Haesele und Alfred Kubin - eine Liebesgeschichte (2009), 'Mittagsvorsatz. Noon Resolution'. Gedichte. Poems (2011).

Textauszug

Nichts ist so still wie die Stille am Hof zu Mittag. Die Sonne steht hoch, unter ihrer Hitze ist gut schlafen. Die frische Mahd vom Morgen wird dürr und leicht und verströmt im Sterben ihren Duft. Der Mostkrug unter dem Birnbaum leer, ein Heuschreck schützt sich in seinem Schatten. Der Hund döst auf dem kalten Stein, im Stall das Dunkel und das vereinzelte Schnaufen der Rinder zwischen Wiederkäuen und Rast. Kein Ruf nach den Kindern, kein Klappern von Geschirr, die Sensen sind gedengelt. Das Wasser des Brunnens fließt leiser, der Strahl zersprüht in den Farben des Regenbogens.

Zwischen Schlaf und Wachen liege ich in der Mansarde, sehe das Spiel der Sonnenringe auf den rotkarierten Vorhängen. Die Rosse schrecken mich auf: Wenn sie vom Grasweg auf die steinige Straße kommen, hört man sie von weitem. Der Leiterwagen ächzt, das Kummet klirrt. Der dicke Schatthof-Nachbar-Franzl, schwarz das Haar, dunkel die Haut, sitzt auf dem Bock, hebt mich zu sich, beim Brunnen bleibt er stehen. Schön sind die zwei mächtigen, leeren Fässer auf dem Wagen, außen rauh und grau schattiert, innen glatt und rehbraun glänzend.

So, kein Wasser, sagt der alte Luger-Bauer, als er endlich kommt. Franzls Stimme ist dünn und hoch, seinen Rücken macht er krumm, fast rutscht er aus auf einem Hühnerdreck. Neun Wochen kein Regen, kein einziger Tropfen, die Quelle ist still, die Zisterne leer, die Rote Lackn fast trocken. Nur die zwei Fässer voll, der Vater tät' schön bitten...

So, sagt der hager-große Luger, dem das steife Bein nichts von seinem Stolz zerschlagen hat, kein Wasser also bei euch. Und bevor er zurückgeht ins Haus, wirft er dem Buben ein paar Worte hin. Der wird immer kleiner, als müßte er sich bücken danach.

Der Schatthof-Nachbar-Franzl, dessen Großeltern erst, wie ich später erfahre, aus dem Süden, aus dem Windischen, in dieses nördliche Tal von Blonden gezogen sind, füllt die Fässer mit frischem Brunnenwasser, schaut mich nicht mehr an, steigt auf den Wagen, schlägt die Zügel auf die schweißnassen Rücken der schweren Norikerpferde.

Der Weg zum Schatthof steigt vom Luger, der selbst schon hoch über dem Dorf liegt, noch einmal an. Er zieht sich durch die Waldschlucht, hinauf zum Farnriedl, dann erst kommen die steilen, zum Teil sumpfigen Wiesen des Hofes. Der Neuschnee macht sie sanfter. Ich stapfe in den Spuren meiner Mutter, den kleinen Nachkriegs-Hamster-rucksack unter dem Wetterfleck. Wir haben keine Schatten. Um diese Zeit kommt keine Sonne über den Berg, nur ein blausilberner Schimmer liegt über den Kristallen. Manchmal blitzt einer auf im Widerschein von etwas anderem. Wie geborgtes Licht über dem Gehöft. Das Wohnhaus in die Mulde geduckt, Stall und Tenne ein Stück entfernt im Geraden. Zu Mariä Lichtmeß erst ein heller Streifen über den Dachgiebel hin, dann über den Holunderbusch im Vorgarten und wieder ein paar Tage später am Stubenfenster vorbei.

Die Worte gehen seltener um diese Zeit von einem zum andern, die Hände sind müder, die Milchkannen schwerer, die Gedanken haben sich eingenistet in den Schattenfugen. Die Zeiger der Zeit drehen woanders ihre Kreise. Drüben, auf der Sonnseite vielleicht, oder droben, wo der Habicht pfeift, langgezogen, doppelt hörbar in der Kälte.

Da bleibt was frei für das Brotbacken. Da gibt es einen Laib für uns. Am Schatthof haben sie nicht viel, aber sie geben gern. Das ganze Haus im Duft von Sauerteig. Eine junge Frau mit ihrem Buben ist zu Besuch. 's Marieli wird sie von ihrer Mutter genannt, der Sennerin Franziska, einer Verwandten des Schatthofbauern. Schön un

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Brita Steinwendtner, geboren 1942 in Wels, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie in Wien und Paris. Freie Mitarbeiterin des ORF und anderer Rundfunkanstalten. Leiterin der Rauriser Literaturtage. Brita Steinwendtner lebt als Autorin, Regisseurin und Feuilletonistin in Salzburg.

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