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Cover Es wird Zeit

Es wird Zeit

Roman

von Ildikó von Kürthy; Illustriert von: Peter Pichler

Erschienen 2019 bei Wunderlich
Sprache: Deutsch
384 Seiten; Zahlr. 4-farb. Ill.; 195 mm x 135 mm
ISBN 978-3-8052-0043-1

Besprechung

Als Unterhaltungsliteratur ist ein solcher Roman ein Glücksfall. Und das Feuilleton hat keinen Grund, die Augen zu verdrehen Ursula März Die Zeit 20190926

Langtext

"Was soll jetzt noch kommen?" Judith ist fast fünfzig, und auf diese Frage fällt ihr leider keine zufriedenstellende Antwort ein. Die Kinder sind groß, ihr Mann ist in die Jahre gekommen und das Leben auch. Von der Liebe und dem Bindegewebe mal ganz zu schweigen. Dann stirbt ihre Mutter, und Judith kehrt nach zwanzig Jahren in die alte Heimat zurück, wo sie ein gut gehütetes Geheimnis, ein leeres Grab und einen Haufen Hoffnungen, Träume und Albträume zurückgelassen hat. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Eine lebenslange Lüge stellt sich als Wahrheit heraus. Eine wiedergefundene Freundin hofft, den nächsten Sommer noch zu erleben, und will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist. Eine Jugendliebe funkelt vielversprechend, eine Urne macht Umwege, und Judith stellt fest, dass es besser ist, sich zu früh zu freuen, als überhaupt nicht.
"Es wird Zeit" ist eine Geschichte von Schuld und Freundschaft, vom Älterwerden und vom Jungbleiben, es geht um die Heimat, die Liebe und den Tod und darum, dass am Ende nichts verlorengehen kann.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Kürthy, Ildikó von
Ildikó von Kürthy ist Rheinländerin, Mutter von zwei Söhnen, Journalistin und Kolumnistin bei der Brigitte. Sie lebt mit ihrem Mann und den Kindern in Hamburg, und besonders an Karneval hat sie schlimme Sehnsucht nach ihrer alten Heimat. Ildikó von Kürthys Romane wurden mehr als sechs Millionen Mal gekauft und in 21 Sprachen übersetzt. Sie ist eine der meistgelesenen deutschen Schriftstellerinnen, ihr erster Roman «Mondscheintarif» wurde fürs Kino verfilmt, und auch ihre Sachbücher, «Unter dem Herzen», «Neuland» und «Hilde» waren allesamt Bestseller.

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Kundenbewertungen

Es traf mich mitten ins Herz 18. November 2019
Zum Buch: Kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag stellt sich Judith die Frage, was soll jetzt noch kommen? Die Kinder sind Groß, sie brauchen sie nicht mehr, ihre Ehe dümpelt dahin, die weiß nicht wirklcih was mit sich anzufangen. Dann stirbt ihre Mutter und Judith reist zurück in ihre alte Heimat und dort beginnt die Bewältigung ihrer Vergangenheit, denn es ist lange nicht alles so wie es scheint ... Meine Meinung: Ich habe sehr lange gebraucht um das Buch zu lesen, denn es erreichte mich in einer sehr schweren, schwierigen Zeit. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb, berührte mich das Buch sehr, es traf mich mitten ins Herz. Kannte ich die Autorin bisher nur von "Mondscheintarif" welches ich vor Jahren las, sprach mich das Cover und auch die Kurzbeschreibung sehr an. Als ich dann das Buch auch noch von Verlag zur Verfügung gestellt bekam, war die Zeit da es zu lesen. Der Schreibstil ist nicht einfach, das Buch hatte durchaus Längen, aber es konnte mich trotzdem sofort total berühren. Ich konnte mich direkt in Judith hineinversetzen, ich fühlte so mit ihr. Es flossen auch ein paar Tränen, was ich aber eher auf meine private Situation zurückführen möchte. Dennoch ein total berührendes und trotzdem unterhaltendes Buch.
Emotionale Achterbahnfahrt 17. November 2019
4,5 Sterne Kurz zum Inhalt: Das Leben der fast 50jährigen Judith Rogge ist zum Stillstand gekommen. Die Kinder sind außer Haus, der Ehemann lebt neben ihr her und sie stellt sich die Frage: Was soll jetzt noch kommen? Doch dann stirbt ihre Mutter und sie reist nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder in ihre alte Heimat... Dort läuft ihr ihre ehemals beste Freundin Anne über den Weg, mit der sie aus - für sie geglaubten - guten Gründen seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Doch es stellt sich heraus, dass Anne an Bauchspeicheldrüsenkrebs leidet, und sofort ist die alte Freundschaft wieder da. Auch zu Erdal und Karsten, mit denen sie damals zu viert in einer WG gelebt hat. Judith begleitet Anne bei ihren Arztbesuchen, steht ihr bei, und lästert mit ihr über den Tod ab, wie es nur beste Freundinnen dürfen. Auch Judiths Jugendliebe lodert kurzzeitig wieder auf. Doch dann stellt sich heraus, dass das große Geheimnis - Judiths Lebenslüge - doch die Wahrheit ist. Aber irgendwie auch nicht so ganz. Von nun an wird nichts mehr so sein, wie es mal war... Meine Meinung: Ildikó von Kürthy hat mit "Es wird Zeit" einen Roman geschaffen, der nicht nur für Frauen in den mittleren Jahren geschaffen ist. Mit großer Emotionalität und viel Humor hat sie einen Roman kreiert, der zum Lachen, Weinen und Nachdenken anregt: Jede Frau kommt mal an die Stelle, an der sie sich fragt: war es das? Habe ich mir so mein Leben vorgestellt? Der Roman ist in ich-Form aus Sicht von Judith geschrieben, so bekommt man noch tiefere Eindrücke in ihre Gedanken und Gefühle. Auch wenn Judiths Leben anfangs sehr deprimierend erscheint, und man ihr Verhalten und ihre Handlungen oftmals nicht nachvollziehen kann, macht sie doch durch das Begleiten ihrer Freundin Anne durch diese schwere Krankheit, das Wiederfinden von alten Freundschaften und vor allem das Aufdecken der Lebenslüge, die gar keine ist, eine große Wandlung durch: Judith weiß am Ende, was sie will. Sie ist stark geworden, selbstbewusst, und lernt das Leben zu lieben. Auch wenn das Schicksal Überraschungen zu bieten hat, mit denen man so nicht gerechnet hat... Dadurch, dass die Autorin viel Witz in die Geschichte gepackt hat, ist sie nicht nur traurig. Sentimentale und humorvolle Momente wechseln sich ab, und es ist eine Geschichte aus dem Leben gegriffen. Das schöne ist die positive Botschaft am Ende. Auch wenn ich noch ein bisschen Zeit habe, bis ich 50 werde, hat mich die Geschichte gepackt und gerührt und ich habe mit Judith mitgelitten, mitgetrauert und mich am Ende mit ihr gefreut. Die Geschichte wird durch färbige Illustrationen, die zur jeweiligen Szene passen, aufgelockert, was mir sehr gut gefallen hat und ich in dieser Form von einem Erwachsenenroman noch nicht kannte. Die Erzählung ist gespickt mit vielen wunderschönen authentischen Zitaten, direkt aus dem Leben gegriffen: "Welche Note würde ich meinem Leben geben? Eine Drei mit der Tendenz zur Drei minus. Für eine Matheklausur mag das vor fünfunddreißig Jahren ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis gewesen sein, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich wegen Mathe zweimal fast sitzengeblieben wäre. Aber für ein ganzes Leben?" "Es ist und bleibt jammerschade, dass man manchmal nur dann den erwünschten Eindruck macht, wenn man sein wahres Selbst komplett verleugnet. Eine Erfahrung, die Frauen in Führungsetagen, männerdominierten Konferenzen und gemischtgeschlechtlichen Liebesbeziehungen immer wieder machen." "Wir wissen doch beide ganz genau, was wir an unseren Männern haben. Kein Herzrasen, aber einen soliden niedrigen Ruhepuls. Damit können wir alle zusammen neunzig werden." "Jetzt ist blöderweise keiner mehr übrig. Das Haus ist leer. Mein Leben auch. Und ich stehe da, mit einem Herzen zu verschenken, dass keiner mehr braucht und keiner mehr haben will." "Tumor ist, wenn man trotzdem lacht", hatte Anne gesagt. "Ich hatte mich daran gewöhnt, dass Annes Gemütslage sich manchmal innerhalb von Sekunden veränderten: Glück, Angst, Lachen, Weinen, Zorn, Spott, schwarzer Humor, dunkelster Kummer. In Annes Seele herrschte Aprilwetter, und ich stand immer bereit, ihr bei Bedarf einen Regenschirm aufzuspannen, um sie so gut wie möglich zu schützen." Fazit: Eine emotionale Achterbahnfahrt - eine traurige Geschichte aufgelockert mit viel Humor; die Wahrheit über das Leben, die Liebe, Freundschaft und den Tod. 4,5 Sterne von mir für diese gefühlvolle Lebensgeschichte einer Frau um die Fünfzig.
Beste Freundinnen...für mehr als die Hälfte des Lebens 05. Oktober 2019
Das schöne an den Ildiko-Büchern ist, dass sie mit einem erwachsen wurden. Vor 20 Jahren (oh weh, ist das tatsächlich schon so lange her?) habe ich in "Mondscheintarif" mit gewartet, dass ER endlich anruft. Inzwischen haben sich die Problemlagen deutlich geändert, so auch in dem neuen Buch. Die Mutter verstorben, so dass eine Reise in das Elternhaus ansteht. Und damit ein Zurückkehren zu all den Erinnerungen, die man erfolgreich verdrängt hatte. Judith trifft ihre ehemals beste Freundin wieder, die todkrank ist, ihre Jugendliebe, die auf einmal wieder Interesse an ihr hat. Und dann ist da auch noch ihre Ehe, die das Funkeln und Herzflattern schon lange verloren hat bzw. noch nie so wie in Hollywood-Filmen geboten hat. Während Anne (die kranke Freundin) tapfer versucht, das Leben zu genießen, hadert Judith. Mit allem, statt einfach glücklich zu sein. Manchmal möchte man sie einfach schütteln und ihr die Meinung sagen, zum Glück hat sie Freunde, die das übernehmen. Ein Buch zum Lachen und Weinen, berührend und doch auch mit den "früheren" leichten Ildiko-Elementen. Das Leben in den 50ern, wenn die Kinder aus dem Haus sind, der Körper nicht mehr jugendlich ist, die Eltern und auch schon Freunde krank werden und sterben und einem die eigene Endlichkeit immer mehr bewusst wird und Instagram-Bilder die scheinbar perfekte Welt als Widerspruch zum eigenen Leben widerspiegeln. Gute Unterhaltung mit nachdenklichen, ernsten und witzigen Elementen. Mit Ildiko gehe ich dann gerne auch mit 70 ins betreute Wohnen.

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