Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Wie Ihr wollt

Wie Ihr wollt

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015

Erschienen 2015 bei Berlin Verlag
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-8270-7721-9

Kurztext / Annotation

August 1571: Elizabeth I. herrscht in England, und Mary Grey, ihre Cousine, ist wütend. Sie ist 26, kleinwüchsig, hat einen Thronanspruch und hat leider ohne Erlaubnis geheiratet. Zu lange steht sie unter königlichem Hausarrest - sie will frei sein, einen eigenen Haushalt führen. Nichts von alldem wird ihr gewährt. Doch anstatt es weiter still hinzunehmen, begehrt sie auf. "Mahlkes Werk ist eine subtile, knochentrockene und äußerst witzig zu lesende Form der Rebellion, ein zeitgemäßes Buch über die Selbstermächtigung einer unterdrückten Frau." Die Zeit

Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, wuchs in Lübeck auf, studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Preisträgerin des 17. Open Mike 2009 sowie des ersten Debütpreises des HarbourFront-Literaturfestivals 2010 für ihren Roman "Silberfischchen". 2012 Ernst-Willner-Preis bei den "Tagen der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt für einen Auszug aus ihrem zweiten Roman "Rechnung offen", der im Frühjahr 2013 im Berlin Verlag erschien, von Kritik und Lesern gefeiert und 2014 mit dem Karl-Arnold-Preis der Akademie der Künste und Wissenschaften von NRW ausgezeichnet wurde. Ihr neuer Roman "Wie ihr wollt" wurde für die Shortlist des deutschen Buchpreises 2015 nominiert. Sie lebt in Berlin.

Textauszug

29. September 1571, Bishopsgate

Ellen ist sehr bemüht, mit schlechtem Gewissen wegen der Kirche gestern. So leicht kommt sie mir nicht davon: Krämpfe, ein stechender Schmerz hinter dem rechten Auge, ich kann nicht mal aufstehen. Sie brüht Kamillenblüten auf, will mir einen Umschlag machen für die Stirn. Soll sie es versuchen, viel Vergnügen.

Hätte Robert den Brief nicht schicken dürfen.

Ellen schmollt, ist runter in die Küche mit ihren Schüsseln, Kräutern, kamillegetränkten Tüchern, nassen Ärmeln und zerkratzten Handgelenken.

Hab mir durchgelesen, was ich gestern schrieb.

Motten zum Licht, heißt es. Die braunsilbrigen Flügeldreiecke auf dem Wandteppich - an manchen Stellen sitzen sie so dicht, als wären sie aufgestickt - sagen etwas anderes. Ganz selten fällt mal eine aus der Kerzenflamme auf den Tisch. Motten denken nicht: ich nicht. Motten denken nicht: Ich hab zugesehen, beobachtet, die Unzähligen vor mir. Ich habe Erkenntnisse gewonnen, ich werde nicht fehlen. Nicht zu eitel sein oder in falsche Sicherheit gewiegt, nicht voreilig, ich weiß, wie es richtig geht. Die Zeichen, bei den anderen habe ich sie rechtzeitig erkannt, ich kann sie lesen, wie keiner vor mir, entziffere jedes Kompliment, jede Geste, Ernennung, Höflichkeit. Alles ist gut, denken sie, kurz bevor es geschieht, und verstehen nicht, dass Alles-ist-gut-Denken das entscheidende Zeichen war.

Weich ist Gnade, gewiss, und warm. Erst im Magen, eine Perle, die sanft schimmert und wächst, faustgroß wird, sich weiter ausdehnt, anschwillt zu einem Ball. Der aufbricht und Wärme in alle Glieder strömen lässt. Die Blicke der anderen Höflinge sind plötzlich Streicheleinheiten, im Nacken, auf dem Rücken, der Erhebung sogar. Freude beginnt zu vibrieren, im ganzen Raum, alle schwingen gleich, als wären sie ein Ganzes im Gleichklang. Und das ist absurd. Denn das Gegenteil ist geschehen. Du wurdest ausgezeichnet, hervorgehoben, bist nicht gleich den anderen Höflingen. Bist angelächelt, berührt, mit ein wenig Stoff, einem Rat, einem Schmuckstück, einer Unterschrift, der Frage, ob sich dein Durchfall gebessert hat, bedacht worden. Bist etwas Besonderes. Nicht ein Teil von vielen, sondern besser als die anderen Teile.

Und wie muss es sich erst anfühlen, warme Perlen in die Mägen anderer Menschen einpflanzen zu können. Zentralgestirn zu sein. Glück zu gewähren oder nicht, wie es einem beliebt, nützlich erscheint. Jeden Tag zu sehen, wie alle danach lechzen und deine Füße waschen und lechzen und den Toilettenstuhl leeren und lechzen und stotternd Bericht erstatten über ihre Aufträge und lechzen. Um Unterstützung in rechtlichen Angelegenheiten bitten, deine Unterschrift, dein in Wachs gedrücktes Siegel. Und lechzen.

Neuigkeiten:

Die Alte hat nach einem Arzt schicken lassen. Einwandfrei sei das Fleisch gewesen, dafür legt die Küche diverse Körperteile ins Feuer. Alle anderen, die am gestrigen Dinner teilgenommen hätten, seien schließlich wohlauf.

30. September 1571, Bishopsgate

Müde. Noch keine Reaktion auf den Brief an Robert. Ist noch zu früh. Hab wach gelegen letzte Nacht. Über IHRE Falten habe ich geschrieben. Wenn er ihn liest. Und IHR zeigt. Sie werden mich holen kommen. Mich rechts und links am Arm nehmen, die Füße, mit denen ich nach ihnen trete, winzig, die Zehen sehr weich ohne Schuhe, sie werden mich hochheben und lachen und auf geht es in den Tower. Ins Fleet, in eines der gewöhnlichen Gefängnisse, kann SIE mich nicht stecken. Falten sind auch kein Hochverrat. Aber im Tower vergessen, das geht.

Nach dem Frühstück Gresham. Ob mir jemand eingefallen sei, der mich aufnehmen usw. Hab ihm den Katechismus gegeben, er möge ihn seiner Frau ins Maul schieben. Da ist er gegangen.

SIE ist bei Cecil in Theobalds. Danach geht es zurück nach London; Ende der Sommerreise. Das

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, aufgewachsen in Lübeck, Studium der Rechtswissenschaften an der FU Berlin. Mitarbeit an Projekten des Lehrstuhls für Kriminologie. 2005 Teilnehmerin der Werkstatt für Nachwuchsautoren unter der Leitung von Herta Müller, 2008 Autorenwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung und 2009 Auswahl für die Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. 2009 Preisträgerin des 17. Open Mike. 2012 Ernst-Willner-Preisträgerin bei den "Tagen der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt. Sie lebt in Berlin.

Drucken

Kundenbewertungen

9,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!