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Cover Ein feiner Typ

Ein feiner Typ

Roman

von Willy Vlautin; Übersetzt von: Nikolaus Hansen

Erschienen 2019 bei Berlin Verlag
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-8270-7988-6

Kurztext / Annotation

Ein herzzerreißender Roman über wahre Freundschaft und Loyalität. --- Eigentlich ist er zu alt und sein Rücken macht ihm zu schaffen, aber Mr Reese geht in seinem einfachen Leben in den Bergen von Nevada ganz auf. Deshalb will er seine Farm eigentlich Horace übergeben. Der ist wie ein Sohn für ihn und sein bester Mann auf der Ranch. Aber obwohl auch Horace die Tiere und die Arbeit mit ihnen eigentlich liebt - es drängt ihn in die Stadt. Der Hütejunge muss sich und der Welt unbedingt beweisen, dass er mehr ist als das "Halbblut", von dem die eigene Mutter nichts wissen wollte. Auch wenn er ahnt, dass es Mr Reese das Herz bricht, geht Horace nach Tucson, Arizona, um sich dort als Preisboxer ganz neu zu erfinden. Doch als Mr Reese zu lange nichts von dem Jungen hört, sorgt er sich und fährt los, um ihn zu suchen. --- "Überwältigend ... Willy Vlautin ist inzwischen einer der großen Autoren Amerikas." - Roddy Doyle

Willy Vlautin, geboren 1967 in Reno, Nevada, ist Sänger und Songschreiber der Folkrockband The Delines. Seine Romane "Motel Life", "Northline" und "Lean on Pete" wurden zu internationalen Erfolgen, "Motel Life" wurde mit Emile Hirsch, Dakota Fanning und Stephen Dorff in den Hauptrollen verfilmt. Willy Vlautin lebt in Portland, Oregon. Mitseiner Musik tourt er regelmäßig auch in Europa.

Textauszug

1

Horace Hopper schlug die Augen auf und sah zur Uhr: fünf in der Früh. Der erste Gedanke an diesem Morgen galt seiner Mutter, die er seit fast drei Jahren nicht gesehen hatte. Dann dachte er daran, wie er in gut einer Woche allein in einem Bus nach Tucson sitzen würde. Noch keine Minute wach und schon ein flaues Gefühl im Magen.

Er stand auf und zog eine Jeans und ein kariertes langärmeliges Westernshirt an. Er stieg in seine Stiefel und versuchte, wach zu werden. Er trank ein Glas Wasser und starrte auf die Fotos der Boxer, die er an die Wand des Trailers geklebt hatte.

Die Ausschnitte entstammten verschiedenen Ausgaben des Ring Magazine und die Kämpfer waren Mexikaner. Das größte Bild zeigte den Kampf zwischen Israel Vázquez und Rafael Márquez. Es war die dritte Runde ihres vierten Kampfes und Vázquez versetzte Márquez gerade einen brutalen linken Haken. Rechts neben dem Foto hing der Bruder von Rafael Márquez, der großartige Juan Manuel Márquez, und links der legendäre Julio César Chávez mit einem Sombrero auf dem Kopf. Darunter ein Bild von Érik Morales, Horaces Lieblingsboxer. Links von Morales war Juan Díaz und auf dieses Bild hatte Horace mit schwarzem Filzstift geschrieben "Der Meister". Neben dem "Meister" hing Antonio Margarito. Sein Gesicht war mit schwarzem Filzstift ausgekreuzt. "Der Betrüger".

Von einem Bord neben dem Bett nahm er ein abgewetztes und angefressenes Notizbuch und schlug es auf. Auf der ersten Seite stand mit Handschrift in blauer Farbe Verzeichnis der schlechten Träume . Er blätterte ein halbes Dutzend beschriebener Seiten durch, bis er zum Abschnitt Gestrandet in Tonopah kam. Darunter zweiunddreißig Striche. Er fügte einen weiteren hinzu, sodass es nun dreiunddreißig waren. Dann schlug er den hinteren Teil des Notizbuchs auf und notierte am unteren Rand einer fast vollgeschriebenen Seite das Datum und schrieb dazu, was er auch schon am Tag davor und am Tag davor geschrieben hatte: "Ich werde wer sein."

Er stellte einen Kessel auf den Propangaskocher, machte Instantkaffee, vier Rühreier und nahm alles mit nach draußen, wo er im Tiefblau der Morgendämmerung an einem Picknicktisch aß. Der weiß und orange gestrichene Prowler-Trailer, Jahrgang 1983, stand auf einem Hügel hundert Meter hinter den Hauptgebäuden mit freiem Blick auf die fünftausend Hektar der Little Reese Ranch. Vor dem Trailer ragte ein wellblechgedecktes Sonnendach ins Freie. Darunter standen ein Fahrrad, der Picknicktisch, ein Grill und ein Liegestuhl. Gleich daneben parkte ein kaputter Saturn-Viertürer mit plattem Reifen. Horace war nach dem Abschluss der Highschool aus dem Haupthaus hierhergezogen, weil Mr. Reese meinte, vielleicht wollte er sein eigenes Reich, wo er so lange aufbleiben konnte, wie er wollte, wo er so laut Musik spielen konnte, wie er wollte, und wohin er mitbringen konnte, wen er wollte. Eine Junggesellenhöhle.

Unter sich, am Fuß des Hügels, sah Horace weder Licht im Haupthaus noch dahinter im Lämmerstall, und nur aus der großen Scheune drang ein schwacher Lichtschimmer. Er beendete sein Frühstück, spülte das Geschirr, machte sich ein Lunchpaket, bestehend aus Bologneser Wurst und Käsescheiben, die er abwechselnd aufeinanderstapelte, und füllte zwei Flaschen Wasser. Er packte das Lunchpaket und ein Hemd und ein Paar Socken zum Wechseln sowie seinen CD -Spieler, Panteras The Great Southern Trendkill , Crowbars Sever the Wicked Hand und Slayers Show No Mercy , in den Rucksack. Er nahm Mantel und Schlafsack und stapfte den Hügel runter.

Horace war einundzwanzig Jahre alt, eins siebzig groß und wog siebenundfünfzig Kilo. Er war halb weiß, halb Paiute und hatte langes schwarzes Haar, das ihm bis über die Schultern fiel. Seine Augen waren dunkelbraun, er hatte eine lange schmale Nase und er musste sich trotz seines Alters nur selten rasieren. Unterm Hemd auf d

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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Kundenbewertungen

Der Weg des Boxers 20. Mai 2019
Willy Vlautins fünfter Roman hat wieder ein relativ bedächtiges Erzähltempo, wie es auch für Vlautins Musik häufig kennzeichnend ist. Er ist Songwriter und Sänger der Band Richmond Fontaine. Horace Hopper, ein junger Mann, Anfang 20, mit indianischen Wurzeln, lebt auf einer Farm in Nevada. Mr. und Mrs. Reese, Besitzer der Schaffarm, sehen in Horace einen Sohn, der vielleicht einmal die Farm übernehmen könnte. Doch Horace, der früh von seiner Mutter verlassen wurde und sich wurzellos fühlt, will sich selbst beweisen.Er geht nach Tucson, Arizona um dort Profiboxer zu werden. Der Traum vom Erfolg als Boxer ist aber schwer zu realisieren. Es gibt einige detaillierte Beschreibungen der Boxkämpfe, die beeindrucken und die Härte des Sports deutlich zeigen. Auch die Boxbranche, inklusive ihrer Schattenseite, wird realistisch gezeichnet. Die Charaktere der Protagonisten sind fein gemacht. Horace ist ein getriebener, wortkarg und melancholisch. Der schon ältere Mr. Reese ist ein Mensch, der die beschützen möchte, die er liebt, aber Horace kann er nicht vor sich selbst beschützen. Man spürt die ganze zeit die Einsamkeit der Figuren, die in einer Verlorenheit mündet. Der Roman wäre deprimierend, wenn Willy Vlautin nicht mitfühlend n und mit seinen Figuren mitleidend schreiben würde. Das ist sein Markenzeichen, dass für alle seine 5 Bücher gilt.
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