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Cover Melodien

Melodien

Roman

Erschienen 2014 bei DuMont Buchverlag
Sprache: Deutsch
862 Seiten
ISBN 978-3-8321-8825-2

Kurztext / Annotation

Mit Melodien Plasma Verstand und Kürzungen Eros Die kleinen Gärten des Maestro Puccini Einsamkeit und Sex und Mitleid Die letzten schönen Tage NIcht ganz schlechte Menschen Substanz Deutschlandreisen Aussortiert Der große Bagarozy

Textauszug

XIII

Am nächsten Morgen, dem letzten Augusttag, brachte Pietro einen Jüngling von ungefähr siebzehn Jahren vorbei, mit kantigem, gebräuntem Gesicht, struppig dunkelblonden Haaren und derben, an Arbeit gewöhnten Händen. Die Farben seines Gewandes waren ausgewaschen, die Strumpfhose von Flicken übersät, das ehemals weiße Hemd bräunlich getönt, an den Füßen trug er Holzpantoffeln. Erstaunlicherweise besaß sein Ledergürtel eine silberne Schnalle, in die ein Wappen eingearbeitet war - zwei Adler und zwei Löwen um einen Schild aus Karos.

Der Mönch zog Castiglio beiseite.

"Das wird Euer Gehilfe sein. Ein im Geiste simpler Bursche, bei Bauern aufgewachsen, mit dem habt Ihr bestimmt keine Schwierigkeiten. Pico läßt ihm jedes Jahr zum Geburtstag etwas Geld zukommen ... Ihr versteht, was ich meine?"

"Er ist ..."

"Genau. Einer seiner Hurensöhne. Aber darauf kann er sich wenig einbilden, hier laufen Scharen seiner Sorte herum."

Der Mönch klopfte Castiglio beim Gehen auf die Schulter, was in der Gestik dieses steifen Menschen gravierende Bedeutung besaß; Signal zu einem neuen Stadium der Vertraulichkeit.

Der Bursche lehnte unbeholfen an der Tür, ein Bündel im Arm, den Blick schräg auf die Bodenplatten geheftet. Der Oberkörper schaukelte langsam hin und her.

Ein Fürstenfehlschuß! Der Magier knurrte beleidigt. Man hatte ihm einen verwilderten Bankert geschickt! Und einen Trottel dazu! Na schön.

Castiglio pflanzte sich vor ihm auf.

"He! Steh grade! Wie heißt du?"

"Andrea, Herr."

"Das ist alles?"

"Ich versteh' nicht ..."

"Du weißt, wer dein Vater ist?"

"Ich weiß es schon, nur ..." Der Bursche wirkte sehr verlegen, er rieb sich die Nase, und seine Augen hingen an der Tür, als zerrte jemand auf der Straße mit einem Strick an ihnen. Der Magier setzte ein bemühtes Lächeln auf und beendete die peinliche Situation.

"Ich bin Castiglio. Nichts weiter." Er reichte ihm die Hand, die der Bursche hastig ergriff, ohne den mißglückten Fraternisierungsversuch zu begreifen.

Sein Gesicht war nicht sehr schön. Die gebrochene Nase saß breit und verpickelt über der ausgeprägten Kieferpartie, und die dicken Lippen waren ganz verkrustet, weil er dauernd darauf herumbiß.

"Du trägst einen teuren Gürtel, Andrea."

"Ja, da ist das Wappen von Mirandola drauf. Der Fürst hat mir den geschenkt."

"Siehst du ihn oft, deinen ... Fürsten?"

"Nein, fast nie. Aber die Gürtel schenkt er, damit ... damit ..."

"Ihr euch ein bißchen vom Volk unterscheidet? Du und deine Geschwisterbande?"

"Ja."

"Sehr nett von ihm."

"Ja! Er ist gut, der Fürst."

"Setz dich! Kannst eine Birne haben, wenn du willst."

Andrea, dessen linkisch-schüchternes Auftreten seinem kräftigen Körper etwas Plumpes verlieh, nahm Platz in einem der hohen Lehnstühle. Mit leicht verändertem Habitus hätte er einen Athleten darstellen können.

"Du wirst dein Lager hier in diesem Raum aufschlagen und fürs Feuer sorgen. Kannst du kochen?"

"Ich? Nein."

"Dann wird kalt gegessen. Du erledigst die Einkäufe. Das Geld hierfür holst du jede Woche vom Haushofmeister Carafa, der weiß Bescheid. Ich will immer frisches Brot haben, hörst du? Gemüse, Milch, Obst. Nur roten Wein. Vom Fleisch bevorzugt Wild. Keinen Fisch!"

"Es gibt hier wenig Fisch, Herr, nur aus der Secchia , der ist teuer, und die im Wassergraben gedeihen nicht."

"Um so praktischer. Traust du dir zu, Lämmer zu schlachten?"

"Schon."

"Werden wir des öfteren tun müssen. Verstehst du mit einer Waffe umzugehen? Mit einem Schwert?"

"Gewiß, ich besitz' aber keins."

"Du wirst eins erstehen. Ich will nicht, daß du einschläfst ohne Schwert neben dir. Bist du bereit, das Haus gegen Eindringlinge zu verteidigen?"

Dem Burschen fiel die Kinnlade he

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Helmut Krausser, geb. 1964 in Esslingen war u.a. Spieler, Nachtwächter, Zeitungswerber, Opernstatist, Sänger in einer Rock`n`Roll-Band und Journalist. (Halb-)freiwillig verbrachte er ein Jahr als Berber. Nebenbei studierte er provinzialrömische Archäologie. Er schrieb Erzählungen, Theaterstücke und ein Opernlibretto. Sein Roman 'Fette Welt' wurde von Jan Schütte mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle verfilmt.

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