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Cover Grado im Regen

Grado im Regen

Ein Adria Krimi

Erschienen 2016 bei Emons Verlag
Sprache: Deutsch
240 Seiten
ISBN 978-3-86358-962-2

Kurztext / Annotation

language="ger">An einem regnerischen Junitag muss Angelina Maria mit ansehen, wie eine junge Frau im Meer ertrinkt. Aber niemand schenkt ihr Glauben. Als jedoch eine weitere Frau verschwindet, muss Kommissarin Degrassi erkennen, dass ein Mord stattgefunden hat - und die beschauliche Ruhe in Grado weicht einer bedrohlichen Atmosphäre der Angst. Dunkle Wolken an der Adriaküste: ein intensiver Psychothriller.

Andrea Nagele leitete über ein Jahrzehnt ein psychotherapeutisches Ambulatorium und ist mit Krimi-Literatur aufgewachsen. Neben dem Schreiben betreibt sie heute eine psychotherapeutische Praxis. Sie lebt mit ihrem Mann in Klagenfurt am Wörthersee und in Grado.

Textauszug

language="ger">Montag

1

Franziska beugte sich über die Brüstung. Das tiefgraue Meer unter ihr schäumte gegen die spitzen Steine, die Gischt warf schmutzig weiße Flocken auf den Fels. Das Toben des Sturmes vermischte sich mit dem monotonen Summen in ihren Ohren.

Kurz nach der Trennung von Tomaso hatte sie dieses Rauschen in ihrem Kopf zum ersten Mal wahrgenommen.

"Tinnitus. Eine Tinnitus-Attacke, ausgelöst durch Stress", hatte Dottor Beltrame gemeint, als sie ihn gestern in seiner Praxis aufgesucht hatte, und sie unter seinen buschigen Augenbrauen prüfend angesehen.

"Aber ich leide doch nicht unter Stress", hatte sie unsicher entgegnet.

"Signora Francesca, Trennungen können durchaus der Grund für Stress sein, für emotionalen Stress in diesem Fall. Außerdem", hatte er hinzugefügt, "sollten wir Blut abnehmen. Sie sehen ein wenig blass und spitz um die Nase aus."

Nun gut, dann litt sie eben unter Stress.

Warum wusste der Arzt von ihrem Zerwürfnis mit Tomaso?

Der überbesorgte Doktor hatte für Franziska einen Termin im Krankenhaus von Monfalcone ausgemacht.

Ein kühler Wind war aufgekommen und blies ihr die glatten, langen Haare ins Gesicht. Sie fröstelte und zog den rosa Pashmina enger um ihre schmalen Schultern. Der Wind peitschte Regentropfen gegen ihre Wangen.

Rasch ging sie zurück in die Wohnung und schloss die Terrassentür.

Im großen Raum war es stickig. Die Wohnung war von ihren Schwiegereltern vor vierzig Jahren im Stil der Siebzigerjahre eingerichtet worden, und Tomaso hatte seither nichts verändert. Das dunkle Holz und die hellbraunen Fasertapeten an den Wänden ließen das Zimmer düster aussehen.

Mit einem Streichholz ging sie von Kerze zu Kerze, bog die Dochte gerade und zündete sie an. Die warmen, flackernden Lichter malten Kreise an die Decke und tauchten das Zimmer in ein behagliches Licht.

Es war Zeit für einen Aperitif.

Franziska ging zum amerikanischen Kühlschrank und holte die Flasche Friulano und den Aperol heraus. Tomaso und sie hatten vor dem Abendessen gern einen Drink genommen.

Sie vermischte die zitronengelbe und die ziegelrote Flüssigkeit in einem bauchigen Weinglas mit sprudelndem Mineralwasser und lächelte wehmütig, als sie an den Kauf des Kühlschranks dachte. Zwei Jahre lang hatte sie sich so einen gewünscht, aber niemandem davon erzählt. Nach einem heftigen Streit war Tomaso mit ihr zu einem eleganten Möbelhaus in der Nähe von Udine gefahren. Zielstrebig hatte er einen der Edelstahlriesen angesteuert. "Den hier nehmen wir. Wie schnell kann er geliefert werden?"

"Woher wusstest du?"

" Bella mia , weil ich schon immer deine Gedanken lesen konnte." Er hatte sie fest in seine Arme genommen. "Bitte verzeih mir noch ein letztes Mal. Ich werde mich ändern. Das verspreche ich dir."

Sie konnte sich noch an ihr Erstaunen und die Freude erinnern, als wäre es gestern gewesen. Sie hatte ihm geglaubt, ihm verziehen und war, wie schon so oft davor, doch nur wieder von ihm enttäuscht worden.

Franziska strich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht und klemmte sie sich hinters Ohr. Sie wischte über ihre Augen, schnitt eine Scheibe von der Zitrone ab und steckte sie auf den Rand des Glases.

Ihr Magen begann heftig zu knurren, als sie an das in Burgunder geschmorte Kaninchen mit schwarzen Oliven und karamellisierten Schalotten dachte, das sie vor ein paar Wochen mit ihren Freunden Bibiana und Fabrizio in einer kleinen Trattoria im Karst gegessen hatte. Sie mochte die beiden, obwohl sie so taten, als wüssten sie nicht, was passiert war. Jeder in Grado hatte es mitbekommen.

Seufzend schmiegte sie sich in die weichen Kissen des Sofas. Der Regen prasselte gegen die Scheiben und lief in glitzernden, dünnen Streifen das Glas entlang. Weit draußen am Horizont konnte sie die Lichter der vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiffe sehen.

Franziska

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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