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Cover Der Begleiter

Der Begleiter

Eine Welt hinter dem Alltag

Erschienen 2014 bei moondark Verlag
Sprache: Deutsch
240 Seiten; 18.8 cm x 12.3 cm
ISBN 978-3-9503632-0-3

Hauptbeschreibung

Ein Journalist kommt im Rahmen seiner Tätigkeit in eine Kleinstadt. Er findet heraus, dass es hier einen Hund geben soll, der niemandem gehört und der auch nur ab und zu in der Stadt auftaucht. Wenn er das tut, dann sucht er sich einen ganz bestimmten Menschen aus und wohnt eine Zeit lang bei ihm. In dieser Zeit verändert sich das Leben des Betreffenden auf stille, aber entscheidende Art und Weise. Der journalist bekommt eine Liste von all jenen Menschen, wo der Hund schon gewohnt hat und hört sich die Geschichten der Menschen an - und macht sich auch auf die Suche nach diesem mysteriösen vierbeinigen Begleiter.

Inhaltsverzeichnis

InhaltEine gewöhnliche Kleinstadt?. 7
Mr. Nightclub. 12
Vielleicht eine Story. 18
Hank Woodward. 38
Louise Elwood. 62
Weitere Vorbereitungen. 88
Die Thompsons. 92
Weitere Recherchen. 103
Phil Henderson. 126
Zwischenstand. 153
Mary Peck. 157
Jessica Wheels. 180
Abschied von Cranton. 215
Doch keine Story. 228
Zehn Wochen später. 231

Textauszug

Eine gewöhnliche Kleinstadt?

Von allen Orten auf der Erde, die ich in meinem nicht son-
derlich bewegten Leben kennengelernt habe, ist wohl der
Supermarkt in Cranton einer jener Plätze, die ich als besonders
uninspirierend bezeichnen würde. Und dennoch beginnen
jene Ereignisse, die nur die wachen und aufmerksamen Men-
schen in der kleinen Stadt neben dem Cadaira Nationalpark
überhaupt bemerkt haben, genau hier – zumindest für mich.

[.]

Mr. Nightclub

[.]

„Eine verrückte Geschichte!“, begann er zu erzählen, noch
bevor ich ihm die erste Frage gestellt hatte. „Ich bin sicher, dass
Sie mir nicht alles glauben werden – aber tatsächlich hat sich
alles so abgespielt!“
Ich lächelte freundlich und dachte: Ja, ich bin auch sicher,
dass ich dir nicht alles glauben werde!
Frank Spinoza erzählte, dass er sich vorgenommen hatte, eine
direkte Route durch den Nationalpark zu gehen, ungeachtet
von Steilwänden, Flüssen oder sonstigen Hindernissen. Am vierten Tag seiner Tour – er war bereits weitab jeglicher Zivili-
sation – war er einen Felsen hochgeklettert und mit dem Ruck-
sack in einer Felsspalte hängengeblieben. Er hatte sich in der
Wand verankert, den Rucksack abgenommen und wollte wei-
terklettern, als sein Gepäck nicht nur die gesamte Felswand he-
rabfiel, sondern auch sofort vom darunter fließenden Gewässer
weggetragen wurde. „Da wurde mir schon ziemlich anders –
ich hatte nur das, was ich am Leib hatte: meine Kleidung, ein
Messer, ein paar Happen zu essen!“
Spinoza grinste mit einer Überlegenheit und einem Selbst-
vertrauen, die ich in diesem Moment nur vorbehaltlos bewun-
dern konnte. Kein Anzeichen von Stress, Angst oder auch
Dankbarkeit dafür, dieses Abenteuer unbeschadet überstan-
den zu haben.
Nachdem er den ersten Schrecken übertaucht hatte, musste
er versuchen sich zu orientieren, um so schnell wie möglich
wieder zurückzukommen. „Aber das Wetter machte mir einen
Strich durch die Rechnung!“ Regenfälle und schlechte Sicht
ließen ihn offenbar noch weiter in die Wildnis irren, ihn
schließlich für ein paar Tage an einem Fluss kampieren, ein
provisorisches Lager aufschlagen, von selbstgefangenen Fi-
schen leben und die Situation überdenken. Er hatte vor, dem
Flussverlauf zu folgen in der Hoffnung, dass dieser irgendwann
an eine Siedlung führen würde. Nach mehreren Tagen machte
es das Gelände unmöglich, dem Gewässer weiter zu folgen,
und so ging er in den Wald, immer bemüht, durch Sonnen-
und Sternenstand gegen Westen zu reisen.
Spinoza beugte sich vor und griff zu seinem Glas Orangen-
saft. „Als ich gestern mitten im Wald stand, war ich schon
etwas verzweifelt, das gebe ich offen zu.“ Er nickte und sein
Blick verriet, dass er sich deutlich an diese Situation erinnerte.
„Und dann stand da dieser Hund.“ Er lehnte sich wieder zu-
rück und schwieg.
Ich sah ihn etwas verwirrt an. „Ein … Hund?“

[.]

Vielleicht eine Story

[.]

Ich stellte meinen Wagen an jener Stelle ab, die mutige Bür-
ger wahrscheinlich mit „Downtown“ bezeichnet hätten. Ich
wollte noch einige Lebensmittel kaufen und betrat den klei-
nen, typisch amerikanischen Supermarkt. Neben Obst und ei-
nigen Nüssen suchte ich nach einer Landkarte, um mich
orientieren zu können.
Als ich in der Warteschlange zur Kassa stand, hörte ich hin-
ter mir einen älteren Mann in sein Mobiltelefon sprechen. „Ja,
Erica, ich hab auch … Ja, das auch. Nein, ich komme gleich nach
Hause, keine Sorge! Nein, ich … Du weißt, dass ich tagsüber
nicht trinke!“ Als er seufzend auflegte, drehte ich mich um und
lächelte.
Der Mann – er war so um die 50 und hatte eine dünne Me-
tallbrille – sah mich an und lächelte verunsichert. „Meine Frau
… Sie glaubt immer, dass ich nach dem Einkauf noch auf ein Bier gehe!“
Seine Stimme verriet, dass er allein den Gedanken
für einen Frevel hielt. Dann aber beugte er sich schnell vor und
hielt eine Hand an seinen Kopf, als ob er mir ein großes Ge-
heimnis erzählen müsste. „Na ja …“, er grinste, „so ganz unrecht
hat sie da nicht!“ Er richtete sich wieder auf und sah schmun-
zelnd zu mir.
Ich lächelte, drehte mich um und merkte, dass mich die Kas-
sierin wartend ansah. Ich legte meine Waren auf das Förder-
band und fragte: „Haben Sie auch eine Landkarte von der
Umgebung hier?“ Sie nickte und deutete auf einen Ständer,
auf dem Postkarten, Landkarten der Umgebung und auch
Stadtpläne ausgestellt waren. Ich nahm einen Umgebungsplan
und legte ihn dazu.
Als ich zahlte, fragte ich sie: „Sagen Sie, haben Sie von der
Rettung dieses Typen aus Portland gehört?“
Sie hielt inne und sah mich an. „Der reiche Typ, der sich im
Wald verlaufen hat? Klar! Das war nur ein paar Häuser neben
uns! Da ist er rausgekommen!“
Ich lächelte und stellte mir vor, dass wohl an vielen Stellen
in Cranton „gleich neben uns“ sein würde, so klein wie die
Stadt war. Ich nickte, packte meine Sachen ein und wollte
schon weitergehen, als ich mich nochmals umdrehte. „Und
stimmt es, dass ihn ein Hund gerettet hat?“
Ich weiß nicht genau, ob es an meinem Tonfall gelegen hatte,
aber plötzlich hörten alle Gespräche auf und die Menschen
sahen mich an. Ich war unangenehm berührt, sah unsicher
herum, um mich dann wieder an die Kassierin zu wenden.
Sie drehte den Kopf etwas, sah mich eindringlich an. „Ach
so? Woher wissen Sie denn das?“
Das „Sie“ war betont, und ich machte das, womit ich immer
gute Erfahrungen gemacht hatte: Ich sagte die Wahrheit. „Ich
habe mit ihm gesprochen, er meinte, ein Hund hätte ihn aus
dem Wald geführt.“ Jetzt war mir die Aufmerksamkeit aller
Mitarbeiter und Kunden gewiss.
Die Kassierin beobachtete mich aufmerksam. „Und … Sie
sind?“
Ich lächelte und stellte mich vor. „Ich komme aus Portland,
Oregon und arbeite für die Portland Tribune, ich würde gerne
wissen, ob das stimmt. Und falls ja, würde ich gerne ein Foto
des tierischen Retters machen und ihn etwas kennenlernen.
Wem gehört denn der Hund, und wo finde ich ihn denn?“
Wieder wusste ich nicht genau, was an meinen Worten so
ungewöhnlich gewesen war, aber ich kam mir vor, als ob ich
gerade vorgeschlagen hätte, den Präsidenten der Vereinigten
Staaten nur mit meiner Badehose bekleidet im Weißen Haus
besuchen zu wollen. Eine Mischung aus Befremdung und Ver-
ständnislosigkeit schlug mir entgegen und ich fühlte mich ei-
genartig deplatziert.
Schließlich tippte der ältere Mann hinter mir auf meine
Schulter. Als ich mich umdrehte, sah er mich freundlich an
und meinte: „Sie sind nicht von hier, Sie verstehen das nicht.“
Als ich ihn fragend ansah, fuhr er fort. „Diesen Hund, den Sie
meinen, den können Sie nicht einfach so finden. Der gehört
niemandem. Also, momentan zumindest. Sie können ihn nicht
suchen, denn …“, er blickte mich fest an, „denn er kommt zu
Ihnen, wenn er es für richtig hält.“

[.]

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