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Cover Nicht über unsere Köpfe

Nicht über unsere Köpfe

Wie ein neues Wahlsystem die Demokratie retten kann

Erschienen 2018 bei oekom verlag
Sprache: Deutsch
196 Seiten
ISBN 978-3-96238-454-8

Kurztext / Annotation

Parteienstreit, Politikverdrossenheit, sinkende Wahlbeteiligung - ist die Demokratie am Ende? Keineswegs, sagt Erich Visotschnig, sie arbeitet nur mit den falschen Mitteln. ... In "Nicht über unsere Köpfe. Wie ein neues Wahlsystem die Demokratie retten kann" zeigt er die Schwächen des Mehrheitsprinzips auf und stellt mit seinem Konzept des Systemischen Konsensierens eine Alternative vor, die es Beteiligten ermöglicht, sich effektiver in Entscheidungsprozesse einzubringen. Dadurch entsteht eine neue demokratische Kultur, in der nicht länger Großkonzerne und kapitalstarke Interessengruppen, sondern Bürger das Sagen haben. ... Dieses Prinzip bewährt sich seit Jahren im privaten, wirtschaftlichen und politischen Bereich. Das Buch stellt gelungene Praxisbeispiele vor und erklärt, wie Systemisches Konsensieren eine erneuerte Demokratie ermöglicht.

Erich Visotschnig ist promovierter Mathematiker und Physiker. Er hat sich intensiv mit machtfreien Strukturen auseinandergesetzt und das Prinzip des Systemischen Konsensierens mitkonzipiert.

Textauszug

Kapitel 2
Das SK-Prinzip

Die Bewertung und ihre Auswirkungen

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eine Gruppe hat ein komplexes Problem zu lösen, welches all ihrer Mitglieder betrifft. Es liegen folgende Lösungsvorschläge vor:

Vorschlag 1.
Vorschlag 2.
Vorschlag 3. Würde ich Sie nun um Ihren Rat fragen, für welchen Vorschlag sich die Gruppe wohl entscheiden sollte, würden Sie wahrscheinlich an meinem Geisteszustand zweifeln. Wer kann aufgrund so vager Informationen schon einen Rat geben? Um eine seriöse Empfehlung geben zu können, bräuchten Sie genauere Informationen über das anstehende Problem. Sie müssten einiges über den Inhalt der Vorschläge wissen. Sie müssten vor allem wissen, worin sich die Vorschläge unterscheiden. Nun, ich werde Ihnen keine derartigen Informationen geben. Ich werde Ihnen nur eine einzige Information zu jedem Vorschlag geben. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Sie sehr schnell ganz genau wissen, zu welchem Vorschlag Sie der Gruppe raten sollten. Sie brauchen dafür nur zügig weiterzulesen:

Vorschlag 1: Erzeugt große Unzufriedenheit unter den Betroffenen.
Vorschlag 2: Erzeugt keine Unzufriedenheit unter den Betroffenen.
Vorschlag 3: Erzeugt mittlere Unzufriedenheit unter den Betroffenen. Zugegeben, das Beispiel ist plakativ konstruiert. Aber nehmen wir einmal an, es sei wirklich so. Falls Sie dann der Gruppe nicht zu Vorschlag 2 raten wollen, würden mich Ihre Argumente interessieren. Ich glaube, Vorschlag 2 löst das Problem der Gruppe am besten. Wäre das nicht der Fall, würde er Widerstand erzeugen. Er wäre daher mit höherer Unzufriedenheit bewertet worden. Wie Sie sehen, ist für eine gute Gruppenentscheidung nicht die Zustimmung ausschlaggebend, die sie in der Gruppe findet. Das Ausmaß der Unzufriedenheit, welche die Entscheidung auslöst, ist viel bedeutender. Ich habe im letzten Satz absichtlich das "Ausmaß der Unzufriedenheit" geschrieben. Denn offensichtlich wird es nicht in allen Fällen gelingen, die Unzufriedenheit durch einen Vorschlag wie beim Beispiel oben völlig auszuschalten. Wenn dies nicht möglich ist, sollte die Gruppe versuchen, sich diesem Zustand so weit wie möglich zu nähern. Mit anderen Worten: Sie sollte die Unzufriedenheit messen, die jeder Vorschlag in der Gruppe erzeugen würde. Wie das geht, wissen wir bereits. Jedes Gruppenmitglied bewertet jeden Vorschlag mit W-Stimmen. Es drückt damit seine Unzufriedenheit mit dem Vorschlag aus. Damit kann die Gruppe jenen herausfiltern, für den die Unzufriedenheit am geringsten ist. Selbstreinigungseffekt und Strategisches Konsensieren
Konsensieren verändert das Verhalten der Menschen. Erinnern Sie sich an unseren "Sesselreigen"? Und wie die Systembedingungen das Verhalten der Menschen geprägt haben? Trotzdem können manche Menschen nicht so schnell heraus aus ihrer Haut: Wir haben Machtmenschen erlebt, die auch beim Konsensieren ihre Wunschlösung durchboxen wollten. Einigen davon ist es wie meinen beiden Kindern Rainer und Volker ergangen. Sie hatten bei unserer ersten Konsensierung eine Art Machtkampf ausgefochten. Wir waren im Campingurlaub, und es ging um das banale Problem: Was essen wir heute zu Mittag? Alle Familienmitglieder hatten ein Gericht vorgeschlagen. Die Mutter wollte Gemüselaibchen, der Vater (ich) wünschte sich Linsen mit Speck, mein Sohn Rainer liebte Pizza (wie wahrscheinlich die meisten Kinder in diesem Alter), und der jüngere Sohn Volker schließlich war für Spaghetti carbonara. Die vorgeschlagenen Gemüselaibchen wurden von beiden Kindern regelrecht gehasst und erhielten von ihnen 10 W-Stimmen. Die Kinder bewerteten aber "strategisch": Sie nahmen die eigene Wunschlösung mit null W-Stimmen an, lehnten s

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