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Cover Telefónica

Telefónica

Erschienen 2019 bei Edition Atelier
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-99065-021-9

Kurztext / Annotation

Madrid im Dezember 1936: Die deutsche Journalistin Anita Adam ist eine emanzipierte Frau mit politischem Weitblick. Wie viele Europäer will sie die spanische Republik gegen den Putsch der Franco-Faschisten unterstützen. In der Zensurstelle der berühmten Telefónica vermittelt sie deshalb zwischen internationalen Journalisten und der militärischen Führung. Mit ihrem Versuch, das Zensursystem zu modernisieren, macht sie sich dort jedoch gefährliche Feinde. Einen Verbündeten findet sie in Agustín Sánchez, dem Kommandanten der Telefónica. Während sich die beiden allmählich näherkommen, fallen vor der Telefónica die Bomben von Hitlers Legion Condor auf die wehrlose Zivilbevölkerung, und die Front droht aufzubrechen.
Ilsa Barea-Kulcsar verarbeitet ihre Erfahrungen während des Spanischen Bürgerkrieges in einem eindrucksvollen und bewegenden Roman.

Ilsa Barea-Kulcsar (1902-1973 in Wien). Studium an der Staats- und Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs kam sie im November 1936 nach Madrid, wo sie in der Zensurstelle für die Auslandspresse tätig war. 1938 heiratete sie den spanischen Schriftsteller Arturo Barea und ging mit ihm ins Exil nach Frankreich. In Paris begann sie den Roman 'Telefónica', den sie 1939 in England fertigstellte. Dort arbeitete sie als Übersetzerin, u.a. für den Abhördienst der BBC. 1965 kehrte sie nach Wien zurück, schrieb für Zeitungen des ÖGB und fungierte als Bildungsfunktionärin der SPÖ.

Textauszug

Erster Teil

I.

"Ist es wahr, daß man nicht mehr getroffen werden kann, wenn man die Granate pfeifen hört?" fragte Johnson.

Er ging mit Simms und Warner durch die Calle de Alcalá mit dem Gefühl, ein unerforschtes Dschungel zu durchqueren. Es war der 16. Dezember 1936. Er war in Madrid und man erwartete in seiner Redaktion von ihm, eine Serie von Berichten über die Verteidigung und bevorstehende Eroberung der Stadt zu erhalten. Vor fünf Tagen war er noch in London gewesen; das schien ihm phantastisch.

"Ja, es ist wahr", antwortete ihm der kleine Warner, der sich selbst mit Vorliebe an dieses Stück Beruhigung klammerte. "Ich hoffe es wenigstens." Das Mausgesicht mit den lebhaften Augen war erfüllt von innerer Spannung, alle Muskeln spielten unter der Haut: Warner war schon drei Monate als Kriegsberichterstatter in Madrid.

Von irgendwoher kam ein dumpfer Krach.

"Das ist Richtung Plaza de Callao", sagte Simms, der seit fünf Jahren in Madrid lebte und jede Gasse kannte und liebte. "Klingt wie großes Kaliber ... Nein, das mit dem Pfeifen ist eine Legende. Man kann sich auf nichts verlassen. Man weiß nie, ob es einen erwischt oder nicht."

Sie gingen schweigend weiter.

"War das jetzt eine Granate?" fragte Johnson. Sein feines Intellektuellengesicht unter dem strohblonden Haar drückte nur Neugier aus, aber innerlich fragte er sich völlig ratlos: "In was für eine Welt bin ich geraten?"

Warner hatte es für eine Granate gehalten, aber er zog es vor, zu sagen: "Nein. Übrigens, wenn Sie eine Explosion in der Nähe hören, werfen Sie sich auf den Boden, Johnson."

"Das haben mir jetzt schon alle Leute gesagt. Ich glaube, ich werde auf diese Art meinen Anzug ruinieren", sagte Johnson. Was für eine Pose, das zu sagen, dachte er, und fügte laut hinzu: "Na, es ist mein erster Tag in Madrid."

Sie bogen in die Gran Vía ein.

"Dort ist die Telefónica", sagte der kleine Warner. "Sie wissen, die Telephonzentrale. Gehört den Amerikanern, jetzt ist sie von der Republik angefordert und unter die Kontrolle der Militärbehörden gestellt worden. Schauen Sie das Haus gut an, Johnson, dort werden Sie von jetzt an den Hauptteil Ihrer Zeit verbringen. Die Presse und die Zensur sind dort zu Hause. Es ist das höchste Haus von Madrid und die beste Zielscheibe für die Nationalisten."

Johnson betrachtete den großen weißen Block mit den konventionellen Türmchen auf dem Sims des Daches.

"Warum arbeitet die Presse dort, wenn das Haus so gefährdet ist?" fragte er und dachte an seine Freundin Anita, die seit heute in diesem Gebäude zu sitzen hatte, als Zensor - unangenehmer Beruf! -, als Zielscheibe.

"Wir können nur von dort aus mit dem Ausland telephonieren", erklärte Simms, der, schweigsam wie immer, mit langen, ruhigen Schritten an Johnsons Seite ging. "Deshalb hat man uns ein Arbeitszimmer eingerichtet. Das ist immerhin noch sicherer, als mit jeder einzelnen Nachricht durch diese Straße zu gehen. Es ist kein angenehmer Weg."

"Die Telefónica ist außerdem der Beobachtungsposten für den Generalstab", sagte Warner, der immer das Bestreben hatte, sich als gut informiert zu zeigen, gerade weil ihn die Kollegen wegen seiner Jugend nicht recht für voll nahmen. "Wenn man aufpaßt, was im Hause vorgeht, kann man allerlei erraten. Nur ist die Zensur dumm und die Anarchisten verrückt vor Spitzelfurcht."

Ein feines, langgezogenes Pfeifen: die drei spannten alle Nerven an, um auf die Explosion vorbereitet zu sein.

Es kam keine Explosion. Nur ein dumpfer Schlag. Eine leichte Staubwolke stob aus einem der gegenüberliegenden Dächer.

"Blindgänger", konstatie

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