Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover DER FÜNFTE ERZENGEL

DER FÜNFTE ERZENGEL

15 erschreckende Geschichten, von Horror bis Phantastik

Erschienen 2017 bei Luzifer Verlag
Sprache: Deutsch
388 Seiten
ISBN 978-3-95835-237-7

Kurztext / Annotation

Andreas Gruber serviert ein deftiges 15-Gänge-Menü phantastischen Schreckens und menschlicher Abgründe. Treten Sie ein in Friedhöfe, Nervenheilanstalten, verlassene Herrenhäuser und düstere Altbauten, in denen der Wahnsinn nistet. Seien Sie gefasst auf ein unheimliches Brüderpaar, einen geheimnisvollen Fahrstuhl, eine heimtückische Seuche, eine tödliche Buchpräsentation, einen verhängnisvollen Urlaub in das Herzen Marokkos und den finalen Horror biblischen Ausmaßes.

BEI ANDREAS GRUBER IST ALLES MÖGLICH!

'Nach der Lektüre bin ich einfach nur froh, nicht Andreas Grubers Bruder zu sein. Oder seine Frau. Warum? Lassen Sie sich überraschen.' [Boris Koch]

Andreas Gruber, geboren 1968 in Wien, studierte an der dortigen Wirtschaftsuniversität und lebt als freier Autor mit seiner Familie und fünf Katzen in Grillenberg in Niederösterreich. Mittlerweile erschienen seine Kurzgeschichten in über hundert Anthologien, liegen als Hörspiel vor oder wurden als Theaterstück adaptiert. Seine Romane erschienen als Übersetzung in Frankreich, Italien, Türkei, Brasilien, Japan und Korea. Dreifacher Gewinner des Vincent Preises und dreifacher Gewinner des Deutschen Phantastik Preises. Arbeitsstipendium Literatur 2006, 2008, 2009, 2010, 2012, 2013 und 2014, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur. Gruber spielt leidenschaftlich gern Schlagzeug und wartet bis heute auf einen Anruf der Rolling Stones.

Textauszug

Wahrscheinlich ein kaputter Gasherd

Ich kann mich noch an meinen zweiten Schreibworkshop erinnern, den ich 1996 als junger und - wie ich hoffte - talentierter Schreibanfänger mit anderen Autoren bei einem Deutschprofessor in Berndorf absolviert habe.

Ich wollte schon damals Schriftsteller werden und habe mich im Rahmen dieses Workshops intensiv mit den Biografien klassischer Autoren auseinandergesetzt und dabei etwas Interessantes herausgefunden: Die Selbstmordrate unter Schriftstellern ist enorm hoch.

Das hat mich aber nicht abgeschreckt, selbst schreiben zu wollen. Denn ich überlegte mir: Liegt es an diesem Beruf, dass viele den Freitod wählen? Oder liegt es vielmehr daran, dass sensible und suizidgefährdete Menschen diesen Beruf wählen?

Ich habe versucht, diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, und herausgekommen ist dabei eine Geschichte, die den Auftakt dieser Sammlung bilden soll.

Viel Spaß damit.

Guten Abend! Kommen Sie herein, die Wohnungstür ist offen. Behalten Sie die Schuhe ruhig an. Folgen Sie mir ins Arbeitszimmer, aber erschrecken Sie bloß nicht vor den Gedichten, Notizen und Gedankensplittern, die hier überall kleben. Diese Zettel sind mein Lebenswerk - dreißig Jahre Schriftstellerei sozusagen -, als Fragmente an den Wänden verewigt.

Ja, dort steht der Schreibtisch. Wie Sie sehen, arbeite ich gerade an einem Roman, meinem ersten. Dieses Manuskript wird mir den Durchbruch bringen. Es wird ein Meisterwerk, was Dramatik, Handlung und Charakterzeichnung betrifft. Der Titel? Tja, es ist die Geschichte eines Autisten, Titel habe ich noch keinen - um die Wahrheit zu sagen, habe ich nicht einmal ein richtiges Konzept für die Geschichte. Aber Ideen spuken genug in meinem Kopf herum, ich brauche sie nur noch zu Papier bringen - nichts leichter als das.

Etwas vorlesen? Ja gern, aber bis auf den ersten Satz ist der Papierblock noch leer, und selbst dabei handelt es sich um ein Bruchstück, an dem ich bereits seit mehreren Wochen arbeite. Ich weiß, was Sie jetzt denken, aber ein Künstler kann seine kreative Phase nicht erzwingen. Kreativität kommt, wenn die Zeit reif dafür ist, bis dahin muss man eben abwarten und sich in Geduld üben ... aber bitte, kommen Sie getrost einen Schritt näher und lesen Sie selbst. Nein, wo denken Sie hin! Ich möchte mich da noch nicht festlegen, ob das Buch tatsächlich mit diesem Satz beginnen wird: Als der autistische Maler heute Morgen aus dem Fenster blickte, schien ihm, als wolle ihm das Leben etwas mitteilen ... Ich sagte ja, der Anfang ist bloß ein Fragment, er ist noch nicht ausgegoren, dient lediglich als Gedankenstütze für das fabelhafte Kapitel, das noch folgen wird.

Aber selbstverständlich, öffnen Sie ruhig ein Fenster. Allerdings finde ich nicht, dass es hier muffig riecht. Wie ich mich hier konzentrieren kann? Ich verstehe nicht ... ja, Sie haben natürlich recht. Auf meinem Schreibtisch sieht es aus, als würde ich bereits seit Monaten an fünf Erzählungen gleichzeitig arbeiten, und in der Tat sind schon mehrere Monate vergangen, seit ich mich an das Pult gesetzt habe, um mein Buch zu schreiben ... oder war es bereits im letzten Sommer, als ich nach meiner Lesung ...? Ja richtig, es war im Juli letzten Jahres, bei meiner Dichterlesung im Wiener Literaturhaus, bei der ich einige Gedichte aus meinem Lyrikband vortrug. Die anwesenden Kritiker lobten meine Arbeit, die sie als experimentelle Selbstverarbeitung bezeichneten, mit intertextuellen Bezügen und spielerisch literarischen Ausdrucksmitteln. Einige wenige, die etwas von ihrem Fach verstehen! Jedenfalls gab ich nach jener Lesung bekannt, dass ich mit der Arbeit an einem neuen Projekt beginnen würde.

Stimmt, seit damals ist über ein Jahr vergangen, ein mehr als deprimierender Winter und ein ereignisloser Frühling, um genau zu sein. Aber unterschätzen Sie nicht die belebende Kraft einer schöpferischen Pause. An diesem Morgen habe ich mir all

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

4,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!