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Cover Unsichtbare Frauen

Unsichtbare Frauen

Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert

von Caroline Criado-Perez; Übersetzt von: Stephanie Singh

Erschienen 2020 bei btb
Sprache: Deutsch
496 Seiten; 1 SW-Abb.; 207 mm x 135 mm
ISBN 978-3-442-71887-0

Besprechung

"Akribisch recherchiertes Pamphlet für eine weibliche Welt." Brigitte Woman

Langtext

Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren. Caroline Criado-Perez erklärt, wie dieses System funktioniert. Sie legt die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Erhebung wissenschaftlicher Daten offen. Die so entstandene Wissenslücke liegt der kontinuierlichen und systematischen Diskriminierung von Frauen zugrunde und erzeugt eine unsichtbare Verzerrung, die sich stark auf das Leben von Frauen auswirkt. Kraftvoll und provokant plädiert Criado-Perez für einen Wandel dieses Systems und lässt uns die Welt mit neuen Augen sehen.

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Criado-Perez, Caroline
Caroline Criado Perez, 1984 geboren, ist Autorin und Rundfunkjournalistin. Sie publiziert u.a. im New Statesman und im Guardian und hält regelmäßig Vorträge. Ihr erstes Buch »Do it Like a Woman« wurde von den Medien als »ein eindringlicher journalistischer Text« und zu einem der »Bücher des Jahres« des Guardian gekürt, »alle jungen Mädchen und Frauen sollten ein Exemplar besitzen«. Als eine der international bedeutendsten feministischen Aktivistinnen ihrer Zeit wurde Criado Perez mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Zu ihren bekanntesten Kampagnen-Erfolgen gehören die Mitfinanzierung der Website Women's Room, der Abdruck einer Frau auf britischen Banknoten, die Verpflichtung von Twitter, seinen Umgang mit dem Thema Missbrauch zu ändern, und die Aufstellung einer Statue der Frauenrechtlerin Millicent Fawcett auf dem Parliament Square. 2013 wurde Caroline Criado Perez zum Human Rights Campaigner of the Year ernannt. Seit 2015 ist sie Officer of the Order of the British Empire (OBE). Sie lebt in London.

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Kundenbewertungen

Sachlicher Zugang zu einem emotionalen Thema 16. März 2020
Die Journalistin und Autorin Caroline Criado-Perez beschreibt sachlich und mit Humor, wie durch typische Vorurteile und Vereinheitlichung der Sprache die Mehrheit der Erdbevölkerung ignoriert wird, nämlich die Frauen. Frauen stellen die Mehrheit der Einwohnerschaft der meisten Länder und werden dennoch nicht wahrgenommen. Warum? Diesem Phänomen geht sie in sechs Themenbereichen nach. Diese sind: Alltagsleben Arbeitsplatz Design Medizin öffentliches Leben Katastrophen Anhand von zahlreichen Bespielen erklärt sie, dass so manche Fehlplanung einfach dadurch passiert, weil die Auftraggeber (meist männlich dominierte Regierungen) die betroffenen Frauen nicht fragen. So wurden nach Naturkatastrophen wie nach dem Tsunami oder dem Hurrikan Katrina schnell Häuser errichtet, doch, weil Männer selten kochen und die Frauen nicht gefragt wurden, hat man diese Häuser ohne Küchen errichtet. Arbeits- und Schutzbekleidung wird ohne Anpassung an die weibliche Anatomie hergestellt. Man produziert sie einfach nur ein paar Nummer kleiner. Frauen sind aber keine kleinen Männer! Dass bei unpassender Schutzkleidung für Polizistinnen oder Soldatinnen die Schutzfunktion verloren geht, bedenkt hier niemand. Allerdings, welchen Aufstand würde es geben, wenn Hosen produziert würden, die Männer an ihren intimen Stellen zwicken und zwacken würden? Auch manche gesellschaftspolitischen Traditionen gehen zu Lasten der Frauen: Weil sich die (muslimischen) Frauen eher in den Häusern aufgehalten haben, sind in Sri Lanka während des Tsunami viermal mehr Frauen gestorben als Männer. Sie konnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen, weil sie einerseits die Warnung nicht hörten (keine Radio) und zweitens weil es ihnen häufig verbieten ist, ohne männliche Begleitung in die Öffentlichkeit zu treten. Auch auf medizinischer Ebene geraten Frauen ins Hintertreffen. So gibt es erst seit Kurzem Lehrstühle für ?Gender Medicine?, in denen die unterschiedlichen Wirkungsweisen der Medikamente aauf Frauen untersucht werden. Frauen haben ein weitaus höheres Risiko an einem Herzinfarkt zu sterben als Männer. Einfach deswegen, weil die Symptome anders sind und deshalb nicht als Herzinfarkt erkannt werden. Für Studien an Frauen werden nicht so leicht Forschungsgelder locker gemacht als für Studien an Männern, obwohl der Markt riesig wäre. Meine Meinung: Die Autorin schreibt sachlich und streut auch immer wieder ein paar humorvolle Kommentare ein. Das Buch ist leicht zu lesen und nicht von (unnötiger) Fachsprache überladen. Die Autorin verzichtet auf den vorwurfsvollen Ton mancher Feministinnen. Manche Dinge sind eben leider seit langem Tradition, die nur langsam aufgebrochen werden kann. Manches ist unbewusst und ohne böse Absicht. Allerdings ließen sich doch einige Dinge leicht ändern: So könnten in Schulbüchern die Stereotypen verändert werden. Statt ausschließlich männliche Wissenschaftler wie Einstein & Co. zu nennen, wäre es an der Zeit weibliche Wissenschaftlerinnen wie Renée Schröder etc. vor den Vorhang zu bitten. Das Buch ist penibel recherchiert. Manches, was bis lang nur ein ?dumpfes Gefühl? war, hat die Autorin durch Hard Facts und Zahlen untermauert. Sehr gut gefällt mir, dass die Autorin nicht jammert, dass die Gleichberechtigung noch nicht in allen Bereichen des Lebens angekommen ist. Stattdessen macht sie ganz konkrete Vorschläge, wie es besser gemacht werden kann. Man braucht ?nur? die Frauen fragen, ihren Antworten zuhören und entsprechend handeln. Ich bin von ganzem Herzen überzeugt, dass sich z.B. der Wohnbau nicht verteuert, wenn man die Küche als zentralen Raum plant, anstatt sie an das Ende der Wohnung verbannt. Man kann es nicht oft genug sagen und schreiben: Nutzt die weibliche Perspektive, nutzt die Ideen der größeren Hälfte der Bevölkerung! Fazit: Die sachliche Darstellung ohne Polemik, dazu zahlreiche Beispiele, die gut zum besseren Verständnis beitragen, lassen mich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung geben.
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