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Rezensionen

Dominik Barta
20 Rezensionen



Gut zu lesen, aber zu viel Klischee 10. März 2020
Ein vielversprechender Anfang, detailgenaue Schilderungen von den Verhältnissen im Dorf. Mehr durch ihr Verhalten sprechen die Menschen als durch Worte. Die Krankheit der Mutter - oder könnte es der Beginn einer Genesung sein mit weniger Druck, einfach zurückzukehren zum Alten? - ist eine kaum zu akzeptierende Verändererung für Mann, Kinder und Umgebung. Nur einer flüstert ihr zu - fahr einfach weg.
Doch danach wird Vieles an Problematik hineingestopft, das ich mehr und mehr als Klischees empfunden habe. Ich denk, dass es nicht so einfach ist mit den menschlichen Beziehungen, auch nicht und schon gar nicht auf dem Land.
Maria Dörfler
Vom Land wie es heute ist 10. März 2020
Dieser Roman räumt auf mit der ländlichen Idylle, die wir alle noch in unseren Köpfen gespeichert haben.
Aktueller geht es kaum!
Unbedingt lesen!
Keine Idylle! 10. März 2020
Dass das Leben am Land nicht immer eine Idylle ist , beschreibt Dominik Barta auf eindrucksvolle Weise. Es ist das Leben einer Bauernfamilie, das durch die seltsame Krankheit der Mutter erschüttert wird. Die erwachsenen Kinder zeigen sich schockiert, und als der zwölfjährige Enkel sich mit einem jungen Asylanten anfreundet, gerät die nach außen heile Welt ins wanken. Es sind alte Strukturen, die aufgezeigt werden und erst als sich die Mutter erschießt und nach dem Syrer geradezu eine Treibjagd veranstaltet wird, schreitet der Bauer ein. Alles, außer dem Asylanten, hat es am Land schon immer gegeben. Dominik Barta kennt das Land wirklich.
Ein Heimatroman der besonderen Art 09. März 2020
Dominik Barta schildert das Leben einer Familie in dem kleinen oberösterreichischen Ort Pielitz. Wenn man jedoch eine ländliche Idylle erwartet, wird man enttäuscht: auf knapp 164 Seiten erzählt von Sprachlosigkeit und Ausweglosigkeit, von zerbrechenden Ehen, prügelnden Männern, betrügenden Frauen und Männern, rechtspopulistischer Hetze, aufgestochenen Reifen, von Angst und Entfremdung, aber glücklicherweise gibt es auch ein paar Hoffnungsschimmer in Form von Freundschaft und Mut. So viele Themen für so wenige Seiten!

Der Autor zeichnet ein beklemmendes Bild einer Gesellschaft, in der starre Strukturen das Leben des einzelnen bestimmen und wo soziale Kontrolle allgegenwärtig ist, so dass Ausbruch oder Flucht fast unmöglich scheint. Eine sehr spannende Geschichte, auch wenn die Charakterisierungen der einzelnen Personen manchmal zweidimensional bleiben. Der minimalistische, aber klare und präzise Schreibstil macht die düstere Atmosphäre der unaufhaltsamen Auflösung greifbar.

Ein kleines Buch, das ich schnell gelesen habe, das aber lange nachwirkt. Eine aufwühlende Geschichte toll erzählt – wirklich empfehlenswert!
Städterin an Land: wirklich??? 09. März 2020
Sprachlosigkeit lässt sich nur als Schilderung körperlicher Vorgänge in Sprache übersetzen. Auch im Falle von Lieblosigkeit kann das Fehlende nicht direkt geschildert werden – es ist ja nicht da. Das Abwesende bedarf der Bilder wie Metaphern oder Symbole, die auf es verweisen. Wenn also eine ältere Bäuerin nicht mehr spricht und wiederkehrenden Anfällen von Übelkeit und Erbrechen ausgesetzt ist, so ist – zumindest auch – eine psychosomatische Diagnose möglich, und eine andere findet sich bis zum Ende des Romans nicht: Theresa findet ihr Leben zum K...en.
Eine Ehe, die wirtschaftlich funktioniert; eine Tochter, die auf das Funktionieren der Großmutter für ihren eigenen Sohn setzt. Er, der Enkel, der aus all diesem Funktionieren in das Abenteuer ausbüchst und sich mit einem jugendlichen Asylanten anfreundet, schafft den einzigen Lichtblick in der dumpfen Atmosphäre des Dorfes, in dem neonazistische Villenbesitzer den Ton angeben.
Ist all das nicht etwas allzu stereotyp? Ich stelle diese Frage als Stadtmensch, nicht auf der Basis längerfristiger Erfahrung mit dem titelgebenden „Land“, sondern aufgrund der Beobachtung, dass meine Lust zu und Freude an der Lektüre doch ab der zweiten Hälfte des Romans spürbar nachließ.
soweit können die Zeit und das Tal gar nicht entfernt sein 09. März 2020
Vom Land. Eine Mutter mit ihren Kindern. Theresia wolle ihre Kinder ja lieben – doch irgendwie schaffe sie es einfach nicht.

So sparsam geht Dominik Barta mit Wörtern auf rund 164 Seiten um. Eine Essenz. Er erzählt uns über die vielfältigen psychischen Folgen von der Erziehungsphilosophie (1934) der Ärztin Johanna Haarers. Sie forderte die Mütter dazu auf, die Bedürfnisse ihrer Kleinkinder gezielt zu ignorieren. Sie sollten emotions- und bindungsarm werden. Übermäßige Zärtlichkeiten und Körperkontakte seien in jedem Fall zu vermeiden. Diese Erziehung wirkt bis heute nach. Auch in der Nachkriegszeit fanden sich Haarers Erziehungsratgeber noch in fast jedem Haushalt.

Wenn ganze Generationen systematisch dazu erzogen worden sind, keine Bindungen zu Anderen aufzubauen, wie kann eine Mutter es dann ihren Kindern oder Enkelkindern beibringen? ...

Prädikat: besonders wertvoll, mit pädagogischen Hintergrund, man ist beim Lesen sehr berührt
Sprachlos 09. März 2020
Die Tiefe des Textes verlässt uns leider in der Mitte, da der Autor alle Gegenwartsthemen wie Vorurteile gegen Migranten, Homosexualität, Kirche, Gefühlskälte, Kommunikationsschwierigkeiten erfassen will. Gerade am Beginn der Geschichte trifft Barta mit seiner Sprache das ländliche Millieu großartig. Weniger wäre mehr gewesen.
Keine Spur von Idylle 09. März 2020
Wie stellt man sich gerne das Leben am Land vor?
Alles das, was man an Nähe, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt und Naturverbundenheit in der Stadt vermisst, findet dort statt.
Doch Dominik Barta rückt dieses Wunschbild zurecht.
Harte Arbeit, Sprach- und Ausweglosigkeit bestimmen den Alltag, zugezogene Städter und im Dorfgasthof untergebrachte Migranten stehen der tradierten Dorfkultur fremd gegenüber.
Ewiggestrige sehen sich im Aufwind und würden am liebsten alle Muslime und ihre kirchlichen Betreuer davon jagen.
Da bliebe von der Idylle rein gar nichts übrig, gäbe es nicht den 12 jährigen Daniel und seinen Opa, die sich mit dem jungen Muslim Toti anfreunden und ihm eine sinnvolle Tätigkeit durch die Mithilfe am Hof anbieten.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer.


Das Schweigen durchbrechen 08. März 2020
Geschichten vom Land stellt man sich gerne idyllisch vor, hier ist das Leben noch in Ordnung, jeder hat seinen Platz, die Arbeit ist hart, aber man weiß, wofür man lebt.
Und dann wird eines Tages die Mutter krank und nichts stimmt mehr.
Es ist ein Bruch, den Dominik Barta hier beschreibt, ein Bruch, der offenbar schon lange fällig war. Schweigen, Unterdrückung von Gefühlen und Menschen, geduldiges Hinnehmen sind jetzt nicht mehr möglich. Jede Gewissheit gerät ins Wanken, aber auch neue Wege sind plötzlich erkennbar, der alte Bauer findet Kontakt zum jungen Flüchtling, Vertrauen kann Grenzen überwinden.
Der Einstieg in die Geschichte war etwas mühsam, weil allzu detailgenau, aber dann habe ich das Buch in einem Zug durchgelesen – eine starke Erzählung.
Die warme Hand der (Groß)Mutter 08. März 2020
In diesem Dorf scheint alles am richtigen Platz zu sein: die Kirche, das Gasthaus, die Bank, das Heimatmuseum, die Bauernhöfe und Häuser, der Siloturm. Doch als die Bäurin Therese einfach nicht mehr kann, bricht in Familie und Dorfgesellschaft auf, was viel zu lange vertuscht und verdrängt wurde. Dominik Barta seziert in seinem Debütroman mit knappen, klaren Sätzen eingefahrene Familien- und Gesellschaftsstrukturen. Obwohl er dabei kaum ein aktuelles Thema auslässt, gelingt es dem Autor, seine Romanfiguren mit Tiefe und Emotion zu beschreiben. In einigen entscheidenden Szenen spürt man die warme Hand der (Groß)Mutter Therese über das eigene Gesicht streifen. Und da wünschen wir, sie hätte mehr Selbstbewusstsein und Lebensfreude für sich entwickeln und weitergeben können. Dieses Land, in das uns Barta führt, kennen wir alle. Es könnte so weit sein wie unsere Seele oder doch so engstirnig wie vieles in diesem Landstrich. Dass er letztlich neue Hoffnung für ein besseres Zusammenleben keimen lässt, macht diesen Roman besonders lesenswert.