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Rezensionen

Whitney Scharer
15 Rezensionen



Fotografie und Liebe in Paris 14. Dezember 2019
Dieses Buch erzählt von der Fotografin Lee Miller und von der wichtiges Zeit der Fotografie, auch über die Kriegsfotografen.
Lee Miller war eine reale Figur, sie war mit dem US-amerikanischen Künstler Man Ray bekannt, arbeitet mit ihm und hatte eine Beziehung mit ihm. Diese Szenen, besonders in der ersten Hälfte des Romans zwischen Lee und Man Ray sind gut gemacht und man versteht, was diese Größen zur Fotografie trieb. Es wird aber schon früh klar, das Whitney Scharer einen Künstlerroman im Unterhaltungsgenre ansiedelt. Man sollte sich als Leser seine Erwartungen darauf abstimmen. Gut möglich, dass die Autorin der historischen Figur nicht gerecht wird. Der Bezug zu Man Ray ist überbetont und die relativ wenigen Kriegsszenen finde ich zum Teil wenig überzeugend.
Für das was er ist, halte ich den Roman jedoch für in Ordnung.
Es geht um die Optik 12. Dezember 2019
Dieses Buch zog mich zunächst durch das sehr schöne Cover in den Bann. Es wirkte antiquiert und retro und doch so modern. Wunderbar wie sich im Buchcover schon ein entscheidender Aspekt des Romans von Whitney Scharer wiederspiegelt: die Optik. Auch der Titel hält dem ästhetischen Thema stand: „Zeit des Lichts“. Es geht nämlich um das bewegte Leben der Fotografin Lee Miller.
Ein Roman der mit einem Prolog im Jahr 1966 startet aus der Retroperspektive aus der Sicht von Lee Miller erzählt und somit das Ziel vorzeichnet wo der Roman als Weg hinführt. Mag für den ein oder anderen zunächst Langweilig erscheinen, ist es aber ganz und gar nicht. Der Roman ist mit diesem vorgezeichneten alten Ego von Lee Miller eine Voraussage. Aber wie wird sie zu dem was sie am Ende ihrer Lebzeit war?
Natürlich eine fiktionale Annäherung, aber eine interessante! Die eigentliche Geschichte wird dann chronologisch erzählt und der Leser startet im Jahr 1929 in Paris mit einer jungen lebenshungrigen Lee Miller, die bereit ist die Welt zu entdecken, aber für damalige Verhältnisse als Frau sehr unfrei war.
Mir gefällt der Roman sprachlich sehr gut, eine fein erzählte Geschichte. Eine Frau die sich durchgeboxt hat und ihren eigenen Weg ging.

Fazit: Eine Hommage an eine moderne Frau in unmodernen Zeiten!
Die Zeit des Lichts - verdient auch das Rampenlicht 28. November 2019
Zuerst der Hinweis, dass es sich bei dem Roman um eine historische Fiktion, nicht um eine Biographie handelt. Im Nachwort der Autorin berichtet sie, dass es ein fiktives Werk ist, und obwohl sie die Fakten teilweise den diversen ausgezeichneten Biographien und historischen Texten entnommen hat, sind die Figuren Produkte ihrer Phantasie (aus dem Nachwort entnommen).
Ich mag den Schreibstil der Autorin sehr, er ist klar, einfach und doch fesselnd und anschaulich. Gar nicht kalt, nüchtern oder distanziert.
Ich kannte vorher weder Lee Miller noch Man Ray, das Buch hat mich jetzt aber richtig neugierig gemacht, mich sowohl mit den Werken der Beiden als auch mit ihrem weiteren Leben zu beschäftigen. Der Roman beinhaltet im Wesentlichen nur den kurzen Abschnitt ihres Zusammenseins und gibt kleine Einblicke (aber wirklich nur kleine) in die Zeit Lees als Kriegsreporterin.
Die Künstlerszene im Paris der 30er Jahre wird detailliert beschrieben, das liest sich schon sehr abgefahren. Vorausgestellt wurde noch ein Prolog, in dem Lee im Jahr 1966 dann 59 Jahre alt ist und der macht bereits klar, dass ihr Leben nicht einfach verlaufen ist.
Eindrucksvoll fand ich aber auch die Beschreibung der Zeit, als Lee gerade aus den USA nach Frankreich kam und niemanden kannte, ihre Einsamkeit war zum Greifen nah. Dann folgt die Zeit als Assistentin Mans, bis die beiden dann eine Liebesbeziehung eingehen und die Zeit, in der sie zusammen waren.
Auch die Einblicke in die Fotokunst der damaligen Zeit waren richtig spannend, genauso wie in das schon damals schwierige Auskommen eines Künstlers, der im Wesentlichen nur mit einem Mäzen über die Runden kommen konnte und die noch viel schwierigeren Bedingungen für Frauen.

Mich hat der Roman fasziniert, das Format „historische Fiktion“ spricht mich viel mehr an als eine trockene Biographie, wobei diese als Ergänzung, einfach um noch mehr erfahren zu können, im Anschluss schon auch noch interessant wäre.

Fazit: wen man keinen Wert auf „korrekte“ und vollständige biographische Darstellung legt, sondern lebendige Einblicke in einen Lebensabschnitt des Künstlerpaares Miller-Man, dann kann ich dieses Buch unbedingt weiterempfehlen.
Wunderschönes Cover, enttäuschender Inhalt. 24. November 2019
Selten hatte ich mich so sehr in einem Buch getäuscht. Schade! Ich liebe historische Romane, bin insbesondere von starken Frauencharakteren fasziniert und hatte daher angenommen, mit einem Werk, in dem die Autorin Whitney Scharer uns ins Paris der Dreißigerjahre entführt und das Leben der berühmten Lee Miller portraitiert, könnte ich nichts falsch machen.

Das Cover ist wirklich passend gewählt worden. Es spiegelt den Stil der damaligen Zeit wider, strahlt schlichte Eleganz aus und rückt das Thema Fotografie, auf welches tatsächlich sehr detailliert eingegangen wird, da es eine Hauptkomponente des Romans bildet, in den Fokus.

Die Amerikanerin Lee Miller, die mir bis dato noch gänzlich unbekannt gewesen war, hatte ein aufregendes Leben geführt. Als Kind nach einem sexuellen Übergriff traumatisiert, wuchs sie zu einer Schönheit heran und arbeitete sehr erfolgreich als Model für die Vogue, ehe sie beschloss, nach Paris zu ziehen, wo ihr der Fotograf Man Ray begegnete. Lee wird seine Muse, Man Ray wird Lees Liebhaber und Lehrmeister in Sachen Fototechnik. Die Arbeit hinter der Kamera erscheint ihr erfüllender als das Posieren davor und wenige Jahre später wird sie mit ihren Kriegsreportagen Weltruhm erlangen: sie lässt sich in Hitlers Badewanne ablichten, berichtet von der Befreiung der Konzentrationslager.

Mit dem nüchternen, gänzlich emotionslosen und dauerhaft distanzierten Schreibstil bin ich leider überhaupt nicht warmgeworden. Die Autorin schreibt im Präsens; Lees Gedanken und Gefühle werden eingeleitet mit Formulierungen wie 'Lee fühlt XYZ' oder 'Lee denkt, dass XYZ'… Anfangs dachte ich noch, ich würde mich im Laufe der Lektüre daran gewöhnen, aber ich habe auch nach bald 400 Seiten keinerlei Zugang zur Hauptfigur gewinnen, geschweige denn Sympathie oder Mitgefühl für sie entwickeln können.

Die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit folgen – bis auf den ersten Rückblick - keinem logischen Muster. Wirklich interessant erschienen mir nur wenige Sequenzen, jene Momentaufnahmen aus Kriegszeiten; abgesehen davon empfand ich das Werk als langatmig und langweilig. Von Lees so bedeutender Arbeit als Kriegsreporterin ist beinahe gar nichts zu lesen, bis auf ein paar scheinbar flüchtig eingeworfene Seiten, auf ein Minimum reduziert. Schwerpunkt des Romans ist stattdessen Lees Beziehung zu Man Ray. Nun, damit hätte ich mich arrangieren können…mit einer unsympathischen, egoistischen und selbstbezogenen Hauptfigur allerdings nicht. Ich verstehe, dass Lees lieblose Kindheit sie geprägt haben muss, dennoch triefte das Werk quasi vor Schwermut, Depression und Verbitterung – mir war, als säße ich während des Lesens unter einer düsteren Wolke, alles fühlte sich negativ an. Letztlich springt Lee mit anderen Menschen so um, wie sie selbst nicht behandelt werden möchte – andauernd fühlt sie sich auf ihre Schönheit reduziert, als Fotografin bzw. Künstlerin nicht genügend geschätzt, von ihrem Partner eingeengt…aber sie hat keinerlei Hemmungen, andere Menschen für ihre Bedürfnisse auszunutzen. Mir kam sie hart, eitel und uneinsichtig vor. Das Paris der Dreißigerjahre wird auf Opium-Parties und sexuelle Freizügigkeit reduziert, ein sehr einseitiges Portrait.

Fazit: Meine 2 Sterne setzen sich aus dem schönen Cover und der Grundidee zur Story zusammen, deren Umsetzung leider gar nicht mein Fall war.
Lee Miller in Paris 20. November 2019
Die junge Amerikanerin Lee Miller kommt Ende der Zwanziger nach Paris, dem Zentrum der Kunst, Literatur und ein Hotspot für Amerikaner, die in das Lebensgefühl dieser Jahre eintauchen wollen.

Lee hat ein gewisses Ansehen als Model erworben, aber sie möchte nicht länger vor der Kamera posieren, sie möchte selbst fotografieren und gestalten. Als sie dem schon arrivierten Man Ray begegnet und er sie nach einiger Zeit als Assistentin engagiert, scheint sie ihrem Ziel schon sehr nahe. Die Zusammenarbeit beginnt sie zu inspirieren, sie wagt immer häufiger fotografische Experimente und bald wird sie die Geliebte und Muse Man Rays.

Doch je sicherer sie sich ihrer Kunst und ihrer Persönlichkeit wird, umso mehr fühlt sie sich von ihm eingeengt und vereinnahmt. Sie fühlt, dass er sie nie als gleichberechtigte Künstlerin anerkennen wird.

Dieser Roman fängt sehr farbig das Lebensgefühl jener Zeit ein. Die Autorin hat sich für ihr Debüt eine interessante Frauenfigur als Protagonistin gewählt, deren Lebensweg sehr abenteuerlich und von vielen Brüchen durchzogen ist. Allerdings beschränkt sie sich nur auf einen kurzen Zeitraum. Von Lee Miller, der Kriegsberichterstatterin erfährt der Leser nur in kurzen eingeschobenen „Vorblicken“.Anfangs hatte ich mehr einen biografischen Roman erwartet und war deshalb fast enttäuscht, dass so vieles vom Leben dieser Frau im Dunkeln blieb, allerdings nahm mich der Schreibstil der Autorin bald richtig gefangen. Whitney Scharer kann hinreißend erzählen und lässt die Pariser Jahre richtig lebendig werden. Sie lässt die Leser eintauchen in die Welt der Boheme, Cocteau, Picasso, Kiki, die Dadaisten und Surrealisten, sie alle tauchen in Man Rays und Lee Millers Umfeld auf.

Ganz besonders gelungen fand ich den Prolog des Buches, er zeigt eine alternde, alkoholkranke Lee, die auf einer Farm in England lebt und die die Erinnerungen und Arbeiten aus ihrer Pariser Zeit im hintersten Winkel ihres Gedächtnisse und auf dem Dachboden verborgen hat. Doch dann wird sie durch einen Auftrag für einen Artikel wieder daran erinnert….

Ein schöner Roman, der Lust macht mehr über die faszinierende Lee Miller zu erfahren.
Biografischer Roman einer beeindruckenden Frau 19. November 2019
von Tara
„Die Zeit des Lichts“ ist der Debütroman von der Autorin Whitney Scharer, in dem sie gekonnt Fakten und Fiktion vermischt und daraus ein einzigartiges Leseerlebnis macht.

Lee Miller war Modell in New York bis sie den Entschluss fasst, dass sie lieber ein Bild machen möchte als eines zu sein. Mit nur 22 Jahren reist sie unerschrocken und ohne Plan nach Paris, wo sie ihren späteren Mann den Porträtfotografen Man Ray kennenlernt. Zunächst ist sie seine Assistentin, doch schon bald bahnt sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden an, die aufgrund von Mans Eifersucht nicht ganz einfach ist.

Die Autorin entführt ihre Leser in eine andere Zeit. Der Zeitgeist der 1930-er Jahre und das Pariser-Flair dieser Zeit kommen beim Lesen sehr lebendig und authentisch durch. Alkohol- und Drogen waren gesellschaftsfähig. Lee ist eine starke aber auch chaotische Persönlichkeit, deren Kindheit alles andere als leicht war und deutliche Spuren hinterlassen hat. Durch entsprechende Rückblicke gewinnt der Roman an Spannung, schockiert und fesselt.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen und bildgewaltig. Das Leben der Protagonistin, das was sie erreicht hat, ist beeindruckend. Mit viel Talent und Durchsetzungsvermögen hat sie sich in einer Welt, die von Männern dominiert wurde behauptet.

Mich hat dieser biografische Roman mitgenommen in eine andere Zeit, mir eine Persönlichkeit nahe gebracht, von der ich bisher nur den Namen kannte und bestens unterhalten.

Malen mit Licht 03. November 2019
Man Ray war mir bereits als Fotograf durchaus ein Begriff. Wie traurig, dass es Lee Miller, die neben dem Fotografieren auch schrieb, bisher nicht war. Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA geboren, zieht es sie bald ins Paris der Goldenen Zwanziger. Obwohl sie bereits erfolgreich als Fotomodel für die Vogue gearbeitet hat, möchte sie lieber selbst Kunst erschaffen. Sie sucht daher die Nähe zur Kunstszene. Schließlich gelingt es ihr, als Assistentin des bereits bekannten Fotografen Man Ray angenommen zu werden. Doch schon bald beginnt sich beider Berufs- und Liebesleben zu vermischen.

Die beiden verbindet eine lange amour fou mit allen Höhen und Tiefen. Dies ist der Aufhänger der Geschichte: Lee wird, längst verheiratet mit einem anderen, gebeten, über ihre frühere Zeit mit Man Ray zu schreiben.

Trotz ihres offensichtlichen Talents stand Lee für Man immer in seinem Schatten. Leider tappt auch das Buch ein wenig in dieselbe Falle, indem es sich so stark auf die wirklich fesselnde Liebesgeschichte zwischern Man und Lee fokussiert. Ihre spätere Zeit als Kriegsreporterin, ihre Flucht in den Alkohol, werden bloß angerissen, was ich schade fand.

Trotzdem gelingt es der Autorin, interessante Protagonisten zu schildern, allen voran Lee selbst, die sich stets durch die Augen anderer wahrzunehmen scheint. Historische Fakten hat sie dabei so aufgefüllt, wie es durchaus gewesen sein könnte und eine Biografie geschrieben, die den Spannungsbogen bis zum Schluss hält.
Atmosphärisch dicht 28. Oktober 2019
von Nele
Für mich als Hobby-Fotografin war der Debut-Roman "Zeit des Lichts" von Whitney Scharer erst einmal so eine Art Pflichtprogramm.

Dies wandelte sich nach den ersten Seiten in denen die alte Lee Miller wunderbar beschrieben wurde, eine Lee Miller, die depressiv und alkoholkrank ist. Durch diesen Anfang wurde meine Neugier auf das gesamte Leben von Miller geweckt. Was hat sich in ihrem Leben zugetragen, das aus einer schillernden Persönlichkeit, ein zurück gezogener Mensch wurde.

Mit 22 Jahren verlässt Lee, die dort ein bekanntes Model ist, New York und geht nach Paris um Fotografin zu werden. Fotografie war eine reine Männerdomäne und eher durch Zufall trifft sie auf den Künstler und Fotografen Man Ray. Sie wird seine Assistentin und verliebt sich in ihn, lernt aber auch unendlich viel von ihm. Sie leben eine zerstörerische Beziehung. Whitney Scharer beleuchtet durch die Augen eine Lee das Leben der Boheme in den 30-iger Jahren, eine Zeit in denen Frauen es nicht so leicht hatten anerkannt zu werden.
Beeindruckend, wenn auch nur sehr kurz, werden die Fotos von Lee Miller zur KZ-Befreiung beschrieben. welche sie in ihrer Zeit als Kriegskorrespondetin der Vogue machte. Die Fotos sind im Internet zu finden und legen Zeugnis über die wohl dunkelste Zeit in der Geschichte ab.

Die Autorin präsentierte mir als Leser unterschiedliche Lee Millers und schafft es dadurch die große Zerrissenheit dieser aussergewöhnlichen Frau wunderbar zu transportieren.Unterstützt wurde dies durch einen angenehmen, bildlichen und sehr dichten Schreibstil der Autorin.

Dieses Buch ist eine Hommage an die Autorin, ebenso an die Entwicklung der Fotografie.
Ich kann "Zeit des Lichts" nur empfehlen.

Lee Miller und Man Ray - Licht und Schatten 28. Oktober 2019
von Miro76
Lee Miller, angesehenes Model aus New York zieht in den späten 20er Jahren nach Paris um Fotografin zu werden. Sie will auf die andere Seite der Linse, denn sie will selbst etwas erschaffen.

Sie ist jung, talentiert und wunderschön. Ihre Entschlossenheit bringt ihr einen Job als Assistentin bei Man Ray ein, der schon damals ein berühmter Porträtfotograf war. Die beiden arbeiten Hand in Hand und in der Dunkelheit der Entwicklerkammer finden sie zueinander. Ihre Liebe ist unbändig und ihre Kunst inspiriert. Die beiden scheinen alle Grenzen zu sprengen.

Doch Man will Lee ganz. Sie soll ihm gehören. Auch ihre Kunst.

Aber Lee Miller war schon immer eine Kämpfernatur, die sich nicht vereinnahmen lässt. Ihre Liebe endet in einem Desaster und aus Lee wird eine ernstgenommen Kriegsreporterin. Doch die Leichtigkeit des Seins bleibt an den Kriegsschauplätzen zurück. Sie wird nie wieder zu ihrer Lebendigkeit und lebensfrohen Einstellung zurückfinden.

Witney Scharrer hat mit "Die Zeit des Lichts" einen Roman der historischen Fiktion verfasst. Ihre Lee Miller ist ihrem Geist entsprungen, auch wenn die Eckdaten Biografien und anderen historischen Texten entnommen wurden.

Aber ihre Lee Miller ist eine großartige Protagonistin. Sie hat Esprit und Kampfgeist, lässt sich nicht unterkriegen und behauptet sich als Frau, in einer Zeit, in der viele Frauen ihr Licht unter den Scheffel ihres Mannes stellen mussten. Es war keine leichte Zeit für Frauen, als Künstlerinnen ernst genommen zu werden. Viel eher wurden sie als Model und Muse gesehen. So wäre es auch Lee ergangen, wäre sie etwas weniger kämpferisch veranlagt gewesen. Genau diese Fähigkeiten zeichnen sie schließlich als Kriegsreporterin aus.

Leider tappt die Autorin hier in das nächste Klischee, denn um als Fotografin ernst genommen zu werden, legt Lee ihre Weiblichkeit ab und zieht eine Uniform an. Sie verliert alles, was an ihr weich und freundlich war und wird zur abgebrühten Schauplatzfotografin. Sie hält durch, wo andere bereits in den Straßengraben kotzen.

Dennoch hat mich die Geschichte dieser unterschätzten Fotografin sehr berührt und ich habe gerne von ihrem Leben und Schaffen gelesen. Ich habe sie gerne begleitet bei ihren ersten Schritten Richtung Frauenrechte und Selbständigkeit. Ihre Zeit im Künstlermilieu der Pariser 30er Jahre ist inspirierend und man kann sich gut vorstellen, im Kaffeehaus am Nebentisch zu sitzen.

Ich habe die Lektüre genossen und finde "Die Zeit des Lichts" ist ein gelungenes Debüt!
Künstlerleben in Paris um 1930 27. Oktober 2019
"Das Licht ist unser Werkzeug", sagte er. "Der Film ist nur die Oberfläche, um das Licht einzufangen und zu fixieren, aber bevor er nicht entwickelt ist, wird jedes zusätzliche Licht zum Feind."

Dieser Roman befasst sich mit der Lebensgeschichte der Fotografin Lee Miller. Wir begegnen der alten, alkoholkranken Frau am Ende ihres Lebens und blicken gemeinsam auf ihre ereignisreiche Vergangenheit zurück:

Elizabeth „Lee“ Miller kommt als junge Frau nach Paris, um ihr Model-Dasein gegen dass einer Fotografin einzutauschen. Es ist die Zeit in der Models noch Mannequin heißen, Charleston getanzt, Absinth getrunken wird und das künstlerische Leben in Paris seinen Höhepunkt erreicht. Sie lernt auf einer Party Man Ray, den charismatischen Fotografen und Maler kennen, wird seine Assistentin und später seine Geliebte. Dass sie dem viele Jahre älteren Fotografen ergeben, ja beinahe hörig ist, liegt daran, dass sie als Siebenjährige von einem Freund der Familie missbraucht wurde. Sie tut alles, um Man Ray zu gefallen. Sie arbeitet fast rund um die Uhr, bringt seine Buchhaltung in Ordnung und kümmert sich um neue Aufträge. Relativ spät erkennt Lee, welche einseitige Beziehung sie mit Man Ray führt. Er ist extrem Besitz ergreifend. Während sich Lee weiterentwickelt, kreativ auch etwas anderes als Fotoshootings betreibt, scheint Man Ray künstlerisch auf der Stelle zu treten. Lee lernt Jean Cocteau kennen, dreht einen Film mit ihm und alle sind sich einig, dass Lee eine tolle Schauspielerin ist.
Als er dann ihre Entdeckung der Solarisation und die Fotos dazu als sein Werk zu einem Wettbewerb einsendet, ist Schluss mit lustig und Lee verlässt ist.

Meine Meinung:

Der Autorin ist ein tolle Romanbiografie gelungen. Fakten und Fiktion werden gekonnt miteinander verknüpft.

Die Fotografin Lee Miller ist mir als „Frau in Hitlers Badewanne“ ein Begriff.
Sie ist Kriegsberichterstatterin und dokumentiert die Gräuel der Nazis, die die in den Konzentrationslagern verübt haben.
Dieser Teil ihres Lebens kommt für meinen Geschmack viel zu wenig heraus. Das Leben an der Seite von Man Ray in Paris füllt den größten Teil der Seiten. Nur wenige Male, wenn ein bestimmtes Keyword genannt wird, gibt es einen Flashback, der Lee Miller für 1-2 Seiten wieder in den „Kriegsmodus“ versetzt. Über diese Ereignisse hätte ich gerne mehr gelesen. Doch das kann ich durch die Literaturhinweise am Ende des Roman nachholen.

Manchmal wirkt der Schreibstil opulent, dann wieder karg und distanziert. Die Jahre in Paris gleichen dem Tanz auf einem Vulkan. In der Mitte steht eine Frau, die sich in der Männerwelt der Fotografen und Künstler jener Zeit behauptet. Der Preis dafür ist allerdings sehr hoch.

Fazit:

Ein bemerkenswerter historischer Roman, der die Zeit der 1930er in Paris farbenprächtig erzählt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.