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Das Gute im Menschen
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 9. Juni 2026

Eine Ausnahmesituation – ein Bombenfund- zwingt die Bewohner einer Siedlung aus ihren symbolischen Schneckenhäusern, lässt sie Grenzen überwinden und neue Einsichten gewinnen. Vieles wendet sich jetzt zum Guten, weil die Leute miteinander sprechen und aufeinander achten.
Die Autorin schaut von oben wie auf ein Schachbrett, auf dem sie sehr behutsam mit ihren Figuren umgeht. Manchmal wird es spannend, gelegentlich etwas idealisiert und romantisch, aber auch humorvoll beschrieben, auf jeden Fall ist es ein überaus freundliches Buch.



Rezension zu:
Drei mögliche Lebenswege
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 3. April 2026

Ein Kind, drei verschiedene Namen, dementsprechend drei Lebensentwürfe: auf den ersten Blick vielleicht eine interessante Konstruktion, auf die Dauer überzeugt hat sie mich nicht.
In Siebenjahresschritten wird bruchstückhaft der Lebensweg von Bear/Julian/Gordon gleichzeitig erzählt, was mir den Überblick ziemlich erschwert hat. Es ist eher ein Konglomerat von Szenen einer Familie, deren Vater nach außen ein angesehener Arzt, gegen die Mutter aber ein kontrollsüchtiger Gewalttäter ist. Das Buch ist streckenweise recht spannend, vor allem aber beklemmend zu lesen, die Namen des Kindes dienen in erster Linie als Hilfsgerüst, psychologisch fundiert wird die Geschichte dadurch nicht, sie bleibt eine theoretische Konstruktion.

Rezension zu:
Erfolgreich zugewandert
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 3. März 2026

Zur Zeit der Monarchie, „als Böhmen noch bei Österreich war“ (wie es Heinz Conrads besungen hat), da war die Haupt- und Residenzstadt Wien ein begehrtes Ziel für Leute, die es zu etwas bringen wollten. Im 19.und 20. Jahrhundert sind gerade aus den böhmischen Ländern viele Zuwanderer gekommen, die später erfolgreich waren, die Wien und Österreich geprägt haben, und deren Firmen man bis heute kennt:
Von der Konditorei Aida bis zum Bauunternehmen Wienerberger, von Meinl oder Mautner-Markhof bis zur Ottakringer Brauerei, von Kastner & Öhler bis Swarowsky – lauter namhafte österreichische Betriebe mit tschechischen Wurzeln. Auch Josef Hlávka, der Baumeister der Wiener Oper, oder Ludwig Hatschek, der das Eternit erfunden hat, stammen aus Tschechien.
Jana Geršlová ist Professorin für Volkswirtschaft an der Europäischen Forschungsuniversität Ostrava und hat sich mit rund 30 Firmengeschichten eingehend auseinandergesetzt. In einigen Fällen ist es gleichzeitig auch die Familiengeschichte, die mit dem Unternehmen eng verknüpft ist und die in dem vorliegenden Band umfassend beschrieben wird. Die Unternehmen der Familie Mautner-Markhof aus dem Bezirk Königgrätz/Hradec Králové zum Beispiel waren 7 Generationen lang in Familienhand, im Schweizerhaus im Prater wird das Bier seit mehr als 100 Jahren von der Familie Kolarik, früher Kolařik, ausgeschenkt, die Geschichte der Glashersteller Riedel beginnt in den Glashütten Nordböhmens im Isergebirge/ Jizerské hory….
Familiensinn, Geschäftstüchtigkeit, fachliches Können und Erfindergeist sind oft die Garanten für den Geschäftserfolg, politisch und wirtschaftlich schwierige Zeiten sorgen aber immer wieder für Umbrüche, auch die dunklen Kapitel werden nicht ausgespart.
Jana Geršlová hat keine trockene Wirtschaftsgeschichte verfasst, sondern erzählt in spannenden Kapiteln von den engen Verbindungen zwischen Österreich und den Böhmischen Ländern, also Böhmen, Mähren und dem Teil Schlesiens, der heute zu Tschechien gehört. Ein interessantes Buch, das man gründlich lesen, fast studieren sollte, denn auch die zahlreichen Fußnoten bieten noch eine Fülle von weiterführenden Informationen und Einblicke in die Geschichte zweier Nachbarländer.

Rezension zu:
Der lange Schatten des Krieges
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 29. Januar 2026

Alle waren im Krieg, nur Adrian nicht, sein Vater hat ihn durch einen Schlag aufs Bein der Einberufung entzogen.
Der Krieg ist trotzdem immer präsent, das ist bis zum letzten Kapitel spürbar, und er betrifft jeden, die Hinterbliebenen, die Versehrten, die Vertriebenen, Täter und Opfer, und auch Adrian, der gar nicht dabei war.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg lässt ihn sein Leben lang nicht los.
Das Buch erzählt österreichische Geschichte, vom Ende der Monarchie („wir hätten das Meer nicht verlieren dürfen“) fast bis zur Gegenwart, sehr genau und kritisch betrachtet, vielschichtig und mit feiner Ironie geschrieben.
Ein Buch, das man langsam lesen sollte, Geschichtskenntnisse sind dabei von Vorteil. Beeindrucken finde ich die langen Sätze, die gelegentlich mittendrin einen Haken schlagen und anders weitergehen als man vermutet.
Als Adrian gegen Schluss in den englischen Downs Ruhe und etwas Glück findet, ist es ihm zu gönnen, für mich flacht die Geschichte dann eher ab.
Trotzdem bleibt es ein spannendes und außergewöhnliches Buch.

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Das große Ich bin Ich
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 8. November 2025

Eine spannende Idee: eine Frau steigt unerwartet und eher zufällig aus ihrem bisherigen Leben aus und verschwindet, ohne Abschied, ohne Vorplanung. Als Schauspielerin hat sie gelernt, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, so kann sie unerkannt untertauchen. „Jeanne war so flüssig, sie konnte jede Form annehmen“, heißt es von ihr. Und genau das ist ihr Problem; sie hat Rollen gespielt und Erwartungen erfüllt, aber sich selber dabei aus den Augen verloren. Und damit ist sie nicht allein, es ist ein Roman über Rollenbilder, Emanzipation und Selbstfindung, Unterdrückung und Gewalt in Beziehungen, und wie Frauen sich daraus befreien. Eine sehr vielschichtige Erzählung, aber streckenweise recht mühsam zu lesen, weil interessante Denkansätze oft in einem blumigen Wortschwall untergehen.

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Na ja
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 13. September 2025

Charlie ist unzufrieden mit sich und der Welt, bis einer kommt, mit dem sie reden kann und der sie versteht.
Eine recht einfühlsame Schilderung der Pubertät, die Entwicklung ist aber ziemlich vorhersehbar und über weite Strecken langweilig. Da nützen auch die Weisheiten nichts, die manchmal hart an der Grenze zum Kitsch daherkommen.

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Familiengeschichten am Abgrund
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 3. August 2025

Die Botanik des Wahnsinns – ein Dschungel, in dem sich jederzeit ein Abgrund auftun kann und man versinkt in Sucht, Depression und Selbstmord. Es ist eine beklemmende Familiengeschichte, geprägt von Sprachlosigkeit und Tragik, trotzdem spannend zu lesen, mit viel Zärtlichkeit und Witz geschrieben. Der Wahnsinn zieht sich durch die Generationen, manchmal weiß man nicht, ist jetzt von der Mutter die Rede, oder ist das die Mutter von der Mutter? Das Schreiben hilft dem Sohn, Ordnung in das Chaos zu bringen und selbst nicht aus der Spur zu kommen. Ein interessantes Buch, aber ich würde es niemandem empfehlen, der zu Depressionen neigt.

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Drama, Drama, Drama
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 21. Mai 2025

Ein starker erster Satz, und sofort ist klar, da hat es eine Tragödie gegeben! Was passiert ist, erfährt man erst nach und nach, und auch nicht chronologisch. Es ist ein Roman mit überraschenden Wendungen, stellenweise recht spannend geschrieben, aber man kann es mit der Dramatik auch übertreiben. Hohe Erwartungen, tiefe Enttäuschungen, eine große Liebe, noch eine große Liebe, schwere Schicksalsschläge, verdrängte Geheimnisse, nichts wird ausgelassen, und das ist dann irgendwann zu viel. Ein Glück, dass der Alltag dabei nicht stört, denn wenn die großen Gefühle ausbrechen, erledigt sich die Arbeit auf der Farm offenbar von alleine.

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Atemlos auf den Berg
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 25. März 2025

Marie ist auf der Flucht und sucht Schutz auf der Alm bei ihrer Cousine, die dort ein einsames, eigenwilliges Leben führt. Es ist eine wilde Geschichte, geschrieben in einer kraftvollen Sprache, die einen mitreißt, vom rasanten Aufstieg über Stock und Stein bis zum allmählichen Eintauchen in die Welt am Berg, wo auch Spinnweben und Motten respektiert werden, wo es keine Rolle mehr spielt, wie man ausschaut und dass die Decken nach Ziege stinken. Erst dann erfährt man von der schwierigen Beziehung der beiden Frauen zueinander, von früheren Verletzungen und familiären Verstrickungen. Erst am Berg, nach harter Arbeit, kommen beide wieder miteinander ins Gespräch.
Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen und bin nur zweimal im Text wirklich gestolpert, auf Seite 9 und irgendwo gegen Schluß: "Schockschwerenot" ist ein Ausdruck, der höchstens noch in Entenhausen oder in Fantasy-Spielen verwendet wird. Aber ein bisschen was von Fantasy hat ja diese Geschichte mit ihrem offenen Ende auch.

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Musik für Polina und alle anderen auch
von HEYN Leserunde, Renate Pfeiffer, 27. Januar 2025

Ein wunderbares Buch! Der Verlagstext verweist vor allem auf die Geschichte von Hannes und Polina, eine Liebesgeschichte, ja sicher. Noch viel berührender finde ich aber die intuitive Musikalität, die das Leben von Hannes bestimmt. Er trägt Musik in sich, so wie er Polina in seinem Herzen trägt. Auch wenn er ein paar Jahre lang nicht Klavier spielt oder komponiert, die Liebe zur Musik ist da, genauso wie die Liebe zum Klavier. Als "Claviertransporteur" und heimlicher Klavierstimmer bleibt er in Beziehung zu seinen Instrumenten, mögen sie noch so ramponiert und verstimmt sein. Auch die Menschen, die ihn umgeben, haben ihre Kratzer und Beschädigungen, aber sie halten zusammen und ergänzen einander, und am Ende findet ja auch Polina wieder zurück. Ein sehr kluges Buch, mit viel Einfühlungsvermögen und Humor geschrieben.

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