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Cover Letzte Ausfahrt vor der Grenze

Letzte Ausfahrt vor der Grenze

Erzählungen

Erschienen 2012 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
184 Seiten
ISBN 978-3-85218-708-2

Textauszug

Paartherapie

"Fangen wir an", sagte Barbara zu den beiden, die ihr gegenüber Platz genommen hatten. "Weshalb kommen Sie zu mir?"

"Um unsere Beziehung zu retten", sagte die Frau.

"Richtig", bestätigte der Mann.

Ein attraktives, sympathisches Paar, beide Mitte vierzig, verheiratet. Sie hatten sich die Plätze nah beieinander gewählt. Das kam selbst in sehr zerrütteten Beziehungen häufig vor. Die ungewohnte Situation brachte es mit sich, dass manche Paare sich beim Übertreten der Schwelle noch einmal kurz verbündeten.

"Können Sie das konkretisieren?", fragte Barbara.

"Wir haben so selten Zeit füreinander", erklärte der Mann.

"Ja", bestätigte die Frau. "Wir haben wirklich nur sehr selten Zeit füreinander. Er ist meistens nicht da, wenn ich ihn brauche."

"Und das tut mir auch sehr leid", sagte der Mann. "Aber die Umstände lassen es oft einfach nicht zu." Er wandte sich an die Frau: "Mir geht es doch genauso. Wenn ich dich brauche, hast du ja auch nicht immer Zeit."

Barbara richtete sich auf ein längeres Gespräch ein. Die objektive Zeit einer Sitzung betrug fünfzig Minuten, aber wie der Wetterbericht neuerdings auch die gefühlte Temperatur angab, rechnete sie bei diesen Sitzungen mit gefühlter Zeit. Bei diesen beiden mit ihren höflichen Umgangsformen, die wie ein klebriger Schmelz die kleinen Unglücksnester überzogen, würde sie ganz entschieden von der objektiven Zeit abweichen. Barbara schätzte ungefähr doppelt so lang. Sie unterdrückte das Verlangen, jetzt schon nach einem der süßen Drops zu greifen, die in einer kleinen Schale am Tisch standen, hauptsächlich für ihre eigene Versorgung.

"Wie lange sind Sie zusammen?"

"Fast sieben Jahre", sagte die Frau. "Sieben sehr glückliche Jahre."

"Wir hatten es immer schön miteinander", bestätigte der Mann, "kaum Auseinandersetzungen, wir teilen dieselben Interessen, können gut miteinander reden, wir haben Vertrauen zueinander und auch im Bett klappt es prima, um nicht zu sagen fantastisch. Wir lieben uns wie am ersten Tag, sie macht mich glücklich und sie gefällt mir noch immer." Er fasste nach der Hand der Frau und drückte sie mit einer innigen Geste.

Wie therapiert man ein glückliches Paar, ohne es ins Unglück zu stürzen? Aber möglicherweise steckte das Unglück hier ja in zwei besonders verkorksten Gemütern. Bei der menschlichen Psyche war man auch mit jahrzehntelanger Erfahrung vor Überraschungen nicht sicher. Und in der Dynamik von zwei Seelen, die auf geheimnisvolle Weise zusammenspielen oder sich gegenseitig auszuspielen versuchen, schon gar nicht. Dazu kamen die hohen Erwartungen. Warum genügte es den Menschen nicht, eine gute Beziehung zu führen, warum sehnten sie sich nach Liebe? Und wenn sie die Liebe hatten, dieses große, seltene Geschenk, weshalb konnten sie dann nicht einfach danke sagen und wollten auch noch eine gute Beziehung? Als müsse Liebe unbedingt Alltagstauglichkeit beweisen, damit man ihr vertrauen kann.

"Wenn es nur das Zeitproblem ist, warum nehmen Sie sich dann nicht mehr Zeit füreinander?", fragte Barbara.

"Wenn das so einfach wäre, säßen wir nicht hier", sagte der Mann.

"Richtig", bestätigte die Frau. "Es ist wirklich nicht so einfach."

"Hatten Sie denn früher mehr Zeit füreinander, hat sich in Ihrer Lebensstruktur Wesentliches geändert?"

"Wir sind beide sehr engagiert im Beruf, das waren wir schon immer", erzählte die Frau. "Unsere Kinder sind mittlerweile erwachsen. Es sind zwar nicht unsere gemeinsamen Kinder, weil wir diese Partnerschaft ja erst später eingegangen sind, ich will nur sagen, mit den Kindern gibt es kein Problem. Vielleicht ist es ja gar nicht einmal so sehr die mangelnde Zeit selbst, aber es gibt Themen, die wir ausgrenzen müssen."

Barbara schwieg, um der Frau die Möglichkeit zu geben, ihre Gedanken zu vertiefen. Erst als nichts mehr kam, hakte sie nach. "Welche Themen?"

"Themen, die das

Langtext

Wo Menschen aufeinander treffen, Mann und Frau, kreuzen sich Lebenswege, laufen aneinander vorbei, parallel oder im Kreis. Soll man nun auf Linie bleiben? Tempo drosseln und abfahren? Oder Gas geben und Grenzen überschreiten? In all dem Paarlauf erwischt es manchmal die Unschuldigen, wie Max, den kleinen Max, den seine Volksschullehrerin ins schummrige Naturalienkabinett schickt. Nur weil Frühling ist. Und Robert? Dass Britta ihn erst jetzt wahrnimmt. Und nicht im riesenflockenblumengelben Zimmer ihres Traumhauses, sondern im Darkroom, einem verschwitzten Swingerclub! Eine andere, Sylvia, wird sitzen gelassen, dabei kommt der Verabredete mit der roten Rose doch überpünktlich ...
Irene Prugger komponiert in Letzte Ausfahrt vor der Grenze einen Reigen überraschender Paarungen. Mit hintergründigem Humor erzählt sie von enttäuschten Hoffnungen und letzten Möglichkeiten und zeigt, dass eben alles eine Frage des richtigen Zeitpunktes und des richtigen Ortes ist.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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