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Cover Der Mann meiner Träume

Der Mann meiner Träume

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
104 Seiten
ISBN 978-3-257-60086-5

Kurztext / Annotation

Doris Dörrie erzählt die Geschichte von Antonia, die den Mann ihrer Träume tatsächlich trifft. Sie erzählt eine moderne Liebesgeschichte, eine heutige Geschichte, deren Thema so alt ist wie die Weltliteratur, eine Geschichte von der Liebe. Ein phantasievolles Großstadtmärchen über die Suche nach der verlorenen Liebe in unserer verrückten Welt.

Doris Dörrie, geboren in Hannover, studierte Theater und Schauspiel in Kalifornien und in New York, entschloss sich dann aber, lieber Regie zu führen. Männer Grüße aus Fukushima

Textauszug

[5] Antonia taten von den Stöckelschuhen die Füße weh, und sie hatte Kopfschmerzen, weil die Hairstylistin ihr die Haare nach hinten gerissen und mit kleinen, pieksigen Haarnadeln wie mit Tapeziernägeln auf der Kopfhaut festgesteckt hatte. Ihre Haut fühlte sich rauh und schuppig an von all dem Make-up, das ihr eine unfreundliche Visagistin morgens um sechs so gelangweilt und unbeteiligt mit Schwämmchen, Pinseln, Q-Tips und Wattebällchen ins Gesicht gemalt hatte, als renoviere sie ihre Küche. Und der Fotograf, ein dünner, kleiner Mann mit fettigen Haaren, mäkelte dann herum, Antonias Augenringe seien sichtbar, ihre große Nase müsse besser abschattiert werden, und überhaupt könne kein Licht der Welt aus einem übermüdeten Model eine taufrische Schönheit machen. Sieben Stunden lang hatte sie festliche Mienen aufgesetzt, sich in [6] bleischweren Abendroben anmutig bewegt, sich wildfremden Männern, die nach Haargel rochen, in die Arme geworfen und auf Befehl des Fotografen erotisch ausgesehen. Das war relativ einfach; das bedeutete: Kinn nach unten, Augenaufschlag nach oben, Stirn dabei nicht in Falten ziehen, Lippen halb geöffnet. Hundertfach hatte sie dieses Gesicht schon auf- und abgesetzt wie einen Hut, früher hatte sie sich dazu romantische Geschichten ausgedacht von Liebe und Leidenschaft, jetzt dachte sie dabei an ihre Bankauszüge, die nächsten Fototermine, Telefonate mit ihrer Agentin oder einfach nur an ihr großes, weiches Bett.

Am Anfang hatte sie sich aufgehoben und beschützt gefühlt unter all den Menschen, die sie schminkten, frisierten, anzogen, in Positur schubsten, an ihr herumzupften, sie abschminkten und auszogen, ihren Terminkalender verwalteten, sie in Flugzeuge setzten, in Hotelzimmern abluden, sie dort in aller Herrgottsfrühe wieder abholten, um sie wiederum zu schminken, zu frisieren, anzuziehen und zu fotografieren. Damals [7] fand sie die flirrige, nervöse Atmosphäre in den Fotostudios, die laute Musik und die vielen schönen Menschen aufregend und pricklig wie kleine Elektroschocks. Die erste Zeit stand sie wie unter Strom, und sie kannte nichts Schöneres, als sich todmüde in der Früh in den Schminkstuhl fallen zu lassen, den Walkman auf volle Lautstärke gedreht, eine Zigarette im Mundwinkel, und die Hände der Visagistin über ihr Gesicht huschen zu fühlen.

Jetzt aber, nach mehr als sechs Jahren, wurde Antonia fast hysterisch, wenn die Visagistin kalte Finger hatte oder aus dem Mund roch, sie konnte all die Hände, die an ihr herumzupften, nicht mehr ertragen, sie haßte es, in den hauchdünnen Fummeln stundenlang frierend herumzustehen, sie litt unter der immergleichen müden Anmache der Fotografen, um sie in Stimmung zu bringen, sie fand die gute Laune, die ständig versprüht wurde wie Tannennadelduft auf dem Klo, zum Kotzen. Und zunehmend machte ihr zu schaffen, daß sie nach einem anderen Kalender als normale [8] Menschen lebte. Niemals galt in ihrem Geschäft die wirkliche Jahreszeit. Sie führte Bikinis vor, wenn es draußen schneite, und im Hochsommer schwitzte sie in Wollkleidern und Pelzen der neuen Winterkollektion. Nichts in ihrem Leben fand zur rechten Zeit statt. Sie fühlte sich fremd, wo immer sie auch war, leer und schlapp, wie ein ausgewrungenes Handtuch, sie kam sich alt, verbraucht und abgebrüht vor. Warum konnte sie nicht so sein wie alle anderen in ihrem Alter? Die arbeiteten nicht, die studierten ein bißchen und demonstrierten noch manchmal, sie waren entweder in den "politischen Kampf" verwickelt oder hingen den Resten der Hippiebewegung nach, auf jeden Fall schliefen sie viel und aßen gut, und sie alle fanden Antonias Job als Fotomodell schlicht unmöglich. Wenn Antonia abends erschöpft von ihren Fototerminen nach Hause kam, wurde ihr von ihren Mitbewohnern, die in der Regel gerade erst aufgestanden waren, heftig vorgeworfen, sie arbeite fürs Establishment, für die Konsolidierung von bürgerlichen [

Langtext

Doris Dörrie erzählt die Geschichte von Antonia, die den Mann ihrer Träume tatsächlich trifft. Sie erzählt eine moderne Liebesgeschichte, eine heutige Geschichte, deren Thema so alt ist wie die Weltliteratur, eine Geschichte von der Liebe. Ein phantasievolles Großstadtmärchen über die Suche nach der verlorenen Liebe in unserer verrückten Welt.

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