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Cover Das Versprechen

Das Versprechen

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
160 Seiten
ISBN 978-3-257-60090-2

Kurztext / Annotation

"...die Stimme vom Himmel hat es so gewollt, das Mädchen hatte wieder ein rotes Röcklein an und gelbe Zöpfe." Dürrenmatts Klassiker behandelt ein Thema von trauriger Aktualität: Sexualverbrechen an Kindern. Verfilmt unter dem Titel Es geschah am hellichten Tag Der Richter und sein Henker Der Verdacht Die Panne Das Versprechen Der Besuch der alten Dame Die Physiker Stoffen

Textauszug

[53] 13

"Der Hausierer hatte auf einem Bürosessel ohne Lehne Platz genommen, Treuler seinen Stuhl an Matthäis alten Schreibtisch gerückt, der ihm als Stütze für seinen linken Arm diente, dazu die Beine übereinandergeschlagen und den Kopf in die linke Hand gelegt. Er rauchte eine Zigarette. Feiler nahm das Protokoll auf. Henzi und ich blieben in der Türe stehen und wurden von dem Hausierer nicht bemerkt, da er uns den Rücken zukehrte.

'Ich habe es nicht getan, Herr Polizeiwachtmeister', murmelte der Hausierer.

'Das habe ich auch nicht behauptet. Ich sagte nur, du könntest es getan haben', erwiderte Treuler. 'Ob ich recht habe oder nicht, wird sich ja dann feststellen lassen. Beginnen wir von vorn. Du hattest dich also am Waldrande bequem hingelagert?'

'Jawohl, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Und geschlafen?'

'Richtig, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Warum? Du wolltest doch nach Mägendorf.'

'Ich war müde, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Weshalb hast du denn den Briefträger nach dem Polizisten in Mägendorf ausgefragt?'

'Um mich zu erkundigen, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Was wolltest du wissen?'

'Mein Patent war nicht erneuert. Da wollte ich wissen, wie es um die polizeilichen Verhältnisse in Mägendorf stünde.'

[54] 'Und wie stand es um die polizeilichen Verhältnisse?'

'Ich erfuhr, in Mägendorf sei ein Stellvertreter. Da fürchtete ich mich, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Ich bin auch ein Stellvertreter', erklärte der Polizist trocken. 'Vor mir fürchtest du dich auch?'

'Jawohl, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Aus diesem Grunde wolltest du auch nicht mehr ins Dorf?'

'Jawohl, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Das ist gar keine so üble Version der Geschichte', sagte Treuler anerkennend, 'aber vielleicht gibt es noch eine andere Version, die nur den Vorzug hätte, wahr zu sein.'

'Ich habe die Wahrheit gesagt, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Wolltest du nicht vielmehr vom Briefträger erfahren, ob ein Polizist in der Nähe sei oder nicht?'

Der Hausierer schaute Treuler mißtrauisch an. 'Was wollen Sie damit sagen, Herr Polizeiwachtmeister?'

'Nun', antwortete Treuler gemächlich, 'du wolltest dich vor allem beim Briefträger über die Abwesenheit der Polizei im Rotkehlertälchen vergewissern, weil du auf das Mädchen gewartet hast, denke ich.'

Der Hausierer starrte Treuler entsetzt an. 'Ich habe doch das Mädchen nicht gekannt, Herr Polizeiwachtmeister', schrie er verzweifelt, 'und selbst wenn ich es gekannt hätte, könnte ich es nicht getan haben. Ich befand mich ja nicht allein im Tälchen. Die Bauernfamilie war ja auf dem Felde. Ich bin kein Mörder. Glauben Sie mir doch!'

'Ich glaube dir ja', begütigte ihn Treuler, 'aber ich muß deine Geschichte überprüfen, das mußt du doch einsehen. Du hast erzählt, du seiest nach deiner Ruhepause in den Wald gegangen, um dann nach Zürich zurückzukehren?'

[55] 'Es kam ein Unwetter', erklärte der Hausierer, 'da wollte ich die Abkürzung nehmen, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Dabei bist du auf die Leiche gestoßen?'

'Ja.'

'Ohne die Leiche zu berühren?'

'Richtig, Herr Polizeiwachtmeister.'

Treuler schwieg. Obgleich ich das Gesicht des Hausierers nicht sah, fühlte ich seine Angst. Er tat mir leid. Doch war ich von seiner Schuld mehr und mehr überzeugt, wenn auch vielleicht nur, weil ich endlich den Schuldigen zu finden hoffte.

'Wir haben dir deine Kleider weggenommen, von Gunten, und dir andere gegeben. Kannst du dir denken, weshalb?' fragte Treuler.

'Weiß nicht, Herr Polizeiwachtmeister.'

'Um eine Benzidin-Probe vorzunehmen. Weißt du, was das ist, eine Benzidin-Probe?'

'Nein, Herr Polizeiwachtmeister', antwortete der Hausierer hilflos.

'Eine chemische Probe, um Blutspuren festzustellen', erklärte Treuler in gespenstischer Gemü

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