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Cover Zeilenkrieg

Zeilenkrieg

Roman

von Annalena McAfee; Übersetzt von: Pociao

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
480 Seiten
ISBN 978-3-257-60192-3

Kurztext / Annotation

Hochpolitische Reportagen versus locker-flockige Unterhaltung: Honor Tait, 80, und Tamara Sim, 27, sind beide Journalistinnen, doch sie verkörpern völlig verschiedene Welten. Zwei Generationen, zwei Charaktere und ein atemberaubender Showdown. Ein Roman, bei dem es nicht nur um das gedruckte Wort, sondern auch um die Schicksale zwischen den Zeilen geht.

Annalena McAfee wurde in London als Tochter einer Schottin und eines irischen Vaters aus Glasgow geboren. Sie war Kunst- und Literaturredakteurin bei der Financial Times Guardian Saturday Review Zurück nach Fascaray Zeilenkrieg

Textauszug

[7] 1

London, 17. Januar 1997

Sie hatte noch zwei Stunden, um allzu Privates zu beseitigen. Alles, was nach Eitelkeit, Dummheit und Schlimmerem aussah, musste verschwinden. Chaos war nicht das Problem; ihre Haushilfe hatte erst heute Morgen aufgeräumt, und wenn Honor Tait auch zur Unordnung neigte, so hatte sie sich doch nie an Dinge gehängt, und auch nicht an Menschen. Dank einer Scheidung, einem Tod, einem Hausbrand, einem völlig unsentimentalen Naturell und ihrem ständigen Unterwegssein hielt sich der übliche Krempel für eine Frau ihres Alters in Grenzen. Sie hatte sich stets auf das Nötigste beschränkt, in der Liebe wie im Leben. Mehr als Handgepäck war nicht drin. Was aber hatte sich in dieser Wohnung in London angesammelt? Welcher Plunder hatte überlebt und könnte sie womöglich verraten?

Schwer atmend und in ungewohnter Panik betrachtete sie prüfend Möbel, Bilder und Bücherregale. Das meiste stammte natürlich von Tad. Dies hier war seine Junggesellenwohnung gewesen und später, nach der Hochzeit, ihre gemeinsame Stadtwohnung. Jetzt war es ihre Witwenklause. Er hatte gewissermaßen die Inneneinrichtung übernommen: die Gemälde und gerahmten Fotografien gekauft, die [8] Vorhänge ausgesucht, seiner Vorliebe für StaffordshireFiguren und Sèvres-Porzellan gefrönt und an den beiden fleckigen Lehnsesseln gehangen, die er in einem Antiquitätengeschäft in Edinburgh aufgetan hatte. Wie ein mittelalterlicher Mönch seine Handschriften hatte er darin wuchtige Stoffmusterbücher studiert. Trotz einer trauten Ehe war ihr Zuhause das siebenhundert Meilen nördlich von London gelegene Glenbuidhe geblieben mit seinem wohltuenden Mangel an Komfort und Maida Vale das seine. So wie Honor damals nichts an dem Apartment verändern wollte, so hatte sie auch, nachdem Tad nicht mehr da war, kein Bedürfnis verspürt, es umzuräumen - die Bühne abzubauen, wie er gesagt hätte. Nun aber würde man sie für die Sammelwut und den zweifelhaften Geschmack ihres verstorbenen Mannes zur Rechenschaft ziehen.

Gegenstände, die derart vertraut waren, dass Honor sie gar nicht mehr wahrnahm, willkürlich angehäufte Bücher und Bilder, unerbetene Geschenke und allerlei Kinkerlitzchen, wertloser Kitsch, von der Haushilfe sorgfältig abgestaubt und arrangiert - all das konnte nun gegen sie verwendet werden. Dabei war ohnedies schon viel zu viel über Honor gesagt und geschrieben worden; ein Inquisitor nach dem anderen hatte Gerüchte, Fehlinformationen, Andeutungen und falsche Darstellungen aufgegriffen, blankpoliert und als Tatsachen hingestellt.

Noch heute ärgerte sie der Vogue -Artikel, zu dem Bobby sie überredet hatte. Er war mehr als ein Jahr alt, doch jedes Mal, wenn sie eine Ausgabe sah, was im Wartezimmer eines Arztes so gut wie unvermeidlich war, fühlte sie sich erneut von den abstrusen Behauptungen (und dem Foto!) [9] erniedrigt. Jemanden in einem Absatz von knapp dreihundert Wörtern derart abzukanzeln, in den Dreck zu ziehen und in ein falsches Licht zu rücken - das war schon eine Leistung. Honor hatte im Radio gesprochen, in Woman's Hour (was für ein Getue für acht Minuten Sendezeit), und hatte sich bei Melvyn in Start The Week Gehör zu verschaffen versucht - neben einem tranigen Wissenschaftler, einem Geistlichen, der sich offenbar immer noch auf der Kanzel wähnte, und einem Schriftsteller mit exzentrischen Ansichten über Tierschutz.

Unlängst war dann noch die South Bank Show dazugekommen (wieder Melvyn: Gab es denn keine anderen vernünftigen Moderatoren mehr?). Als sie von Anfang an klarstellte, dass ihr Privatleben tabu war, hatte man ihr versichert, die Sendung werde sich ausschließlich auf ihre Arbeit konzentrieren, und sie war dumm genug gewesen, sich einzubilden, es ginge tatsächlich darum, ihren "Platz als Journalistin am Puls der Zeit" zu würdigen. Und was war dabei h

Langtext

Hochpolitische Reportagen versus locker-flockige Unterhaltung: Honor Tait, 80, und Tamara Sim, 27, sind beide Journalistinnen, doch sie verkörpern völlig verschiedene Welten. Zwei Generationen, zwei Charaktere und ein atemberaubender Showdown. Ein Roman, bei dem es nicht nur um das gedruckte Wort, sondern auch um die Schicksale zwischen den Zeilen geht.

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