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Cover Schatten an der Wand

Schatten an der Wand

von Martin Walker; Übersetzt von: Michael Windgassen

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
496 Seiten
ISBN 978-3-257-60206-7

Kurztext / Annotation

Martin Walkers früher Roman über die Entstehung einer prähistorischen Höhlenzeichnung, deren Verwicklung in blutige Kriege und Intrigen zur Zeit der Höhlenmaler von Lascaux und während des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte gipfelt in dem erbitterten Kampf von fünf Menschen, sie heute zu besitzen. Denn wer diese Zeichnung findet, erhält den Schlüssel zur Aufklärung eines Verbrechens, das bis in die höchste Politik reicht und von dem bis heute keiner wissen darf.

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung The Guardian Bruno

Textauszug

[42] 2

Im Tal der Vézère, ca. 15 000 v. Chr.

Morgens hing immer Nebel über dem Fluss, der die Kalkklippen umspülte und rasch durch das Hügelland strömte, das seinen Lauf bestimmte. Und auch nachdem die Sonne, wie nun zu Beginn des Frühlings, den Nebel aufgelöst hatte, schwebte den ganzen Tag über ein Dunstschleier im Tal, der sich gegen Abend noch verdichtete, wenn die Feuer aufgeschichtet wurden, um die nächtliche Kälte abzuwehren. Dieser andauernde Dunst hatte einen eigentümlichen Geruch, der das Wild auf Abstand hielt und die Jäger jeden Tag aufs Neue zwang, auf der Suche nach Rentierherden weite Strecken zurückzulegen. Denn die Tiere hatten immer schon gespürt, dass Rauch Feuer bedeutete und Feuer Gefahr. Nun lernten sie, den Geruch von Feuer auch mit der Gegenwart von Menschen in Verbindung zu bringen, die sich offenbar auf Dauer in diesem Tal niedergelassen hatten.

Die Bäume, die in der Nähe des Flusses gestanden hatten, waren verschwunden, mit Flintsteinen mühsam gefällt und verfeuert. An seichten Stellen des Flusses hatte man Steine aufgeschichtet, um ihn leichter überqueren zu können. Und immer waren da die Rauchschwaden und vor allem der Lärm, der von den Menschen kam. Sie waren von allen Lebewesen die lautesten. Ihre Kinder lachten und [43] kreischten beim Spielen. Die Frauen riefen ihnen ständig etwas zu, schwatzten untereinander und sangen eigentümliche Lieder, wenn sie zum Fluss gingen, um Wasser zu holen, was dreimal am Tag der Fall war. Die Männer brüllten triumphierend, wenn sie mit einem erlegten Rentier zurückkehrten, das sie, kopfüber mit den Läufen an eine Stange gebunden, auf den Schultern trugen. Und immerzu war ein Hämmern wie von Spechten zu hören, weil Männer unermüdlich Flintsteine zu Werkzeugen bearbeiteten. Lärm und Rauch, gefällte Bäume und der immerwährende Geruch von Feuer an den Ufern, die sie ausplünderten - das waren die Wesensmerkmale der Menschen.

Der Hüter der Stiere schaute über den Fluss und sah von zahllosen Feuern Rauch aufsteigen und über dem Tal schweben, so weit sein Auge reichte. Er wusste, dass die Menschen mehr auszeichnete als ihr lärmendes Wesen und die Spuren ihrer Anwesenheit. Mehr als Sprache und Verständigung, mehr als die Fähigkeit, in Gruppen zu arbeiten und für Nahrung zu sorgen, war es der Sinn für weihevolle Verehrung ihrer Tätigkeit, der sie zu etwas Besonderem machte. Dieser Sinn zeigte sich leuchtend und lebendig, stolz und verheißungsvoll an den Wänden der Höhle hinter ihm. Der Hüter der Stiere blickte auf seine Hände, spreizte die Finger und betrachtete die rot und gelb verfärbte Haut. Er hob eine Hand an den Mund, nahm den Geruch der Farben wahr, leckte an den Fingern und fragte sich zum wiederholten Mal, ob er die Verschiedenheit der Farben auch schmecken könnte. Als er das weiche Moos zur Hand nahm, mit dem er die Stiere schwärzte, glaubte er, deren Kraft und Dunkelheit regelrecht zu riechen und zu schmecken. Er [44] wähnte sich von der vertrauten Gegenwart der Tiere berührt und stimmte den Sprechgesang an, mit dem er sein Tagwerk begann, das Lied, das er den Stieren gewidmet hatte.

Singend ging er vor dem kleinen Feuer, das zu seinen Füßen glomm, auf die Knie. Linker Hand lag die Feder am Boden, das feinste seiner Werkzeuge, rechts das Mooskissen, das gröbste. Hinter dem Feuer lag etwas Dung des heiligsten aller Tiere. Er hatte ihn, noch frisch und warm, eigenhändig mit den Farben, die er gebrauchen würde, vermischt und dann zu kleinen Kugeln gerollt. Während er sang, blies er ins Feuer und legte, passend zu den Formeln seines Lieds, zuerst die Feder, dann das Moos in die Glut. Mit scharfem Geruch versengte die Feder sofort. Er wartete, bis von dem feuchten Moos Dampf aufstieg, und legte dann ehrfürchtig ein rotes und ein gelbes Dungkügelchen in die Flammen. Schließlich richtete er sic

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