Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Als Durante kam

Als Durante kam

von Andrea De Carlo; Übersetzt von: Maja Pflug

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
480 Seiten
ISBN 978-3-257-60207-4

Kurztext / Annotation

Als Durante ins Val di Poggio kommt, verändert sich alles. Denn er sagt, was er denkt, und er tut, was er sagt. Faszinierend, finden die Frauen. Irritierend, finden die Männer.

Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug

[7] Am 19. Mai nachmittags um vier Uhr zwanzig

Am 19. Mai nachmittags um vier Uhr zwanzig saß ich bei einer Arbeitspause auf der Wiese vor dem Haus, ohne an etwas Bestimmtes zu denken. Das Thermometer, das in dem Bogen zwischen Haus und Werkstatt hing, zeigte siebenundzwanzig Grad im Schatten, doch in der Sonne waren es mindestens dreißig. Mein Kopf brannte, die Augen schmerzten beinahe. Das zum Teil schon verdorrte Gras pikte mich an Fußsohlen und Knöcheln. Mücken, Bienen und andere Insekten unterschiedlicher Größe ließen sich auf mir nieder oder summten um mich herum. Ab und zu wedelte ich mit den Händen, um sie zu verjagen; ich atmete langsam. Manchmal fuhr auch ein leichter Lufthauch durch die Schwüle und kräuselte die schwache Welle von electric blues, die aus den Fenstern drang. Stieglitze, Buchfinken und Turteltauben mit Halsband sangen in den Bäumen und Büschen; die Hügellandschaft rundherum war bezaubernd wie immer, obgleich die Farben durch die lange Trockenheit und das grelle Licht schon etwas verblasst waren. Insgesamt hätte ich sagen können, dass negative und positive Empfindungen sich die Waage hielten, vielleicht überwogen die negativen ein ganz klein wenig, was der Hitze und der Langeweile geschuldet war, die sich hinter meiner Gedankenlosigkeit anstauten.

[8] Dann hörte ich ein Auto die Schotterstraße herunterkommen und sprang auf. Oscar, der Hund, begann zu bellen: kurze, tiefe Laute, in rhythmischen Abständen. Astrid, meine Freundin, streckte den Kopf aus einem der offenen Fenster und fragte: "Wer ist das?"

"Keine Ahnung!", antwortete ich, während ich im Gras herumstolperte und nach meinen Filzschlappen tastete, die am großen Zeh schon ganz durchlöchert waren.

Ich ging an die Stelle, wo das steile Sträßchen die Ebene des Hauses erreicht, mit den zwiespältigen Gefühlen dessen, der weitab von der Geschäftigkeit der urbanen Gesellschaft lebt und die ständige Begegnung mit Menschen nicht mehr gewohnt ist: genervt, beunruhigt, neugierig, instinktiv auf Verteidigung meines Reviers eingestellt. Oscar bellte aufgeregter und zerrte an der gestrafften Kette. Zwischen den Sauerkirschbäumen, Heckenrosen, dem wilden Fenchel und dem hohen Gras tauchte ein kleines weißes Auto auf und hielt ein paar Meter vor mir. Auch ich blieb abrupt stehen, alle Muskeln meines Körpers und meines Gesichts angespannt, mir plötzlich meines verwaschenen militärgrünen T-Shirts und meiner ausgebeulten schwarzen Leinenhose bewusst, den Kopf schon voller verneinender und abwehrender Gesten und Sätze.

Die Autotür öffnete sich. Ein großer magerer Typ stieg aus, schmales Gesicht, auf dem Kopf einen Cowboyhut aus Stroh. "Ciao", sagte er.

"Hallo", erwiderte ich, ohne die geringste Andeutung eines Lächelns.

"Weißt du, wo der Reitstall Valle della Luna ist?", fragte er etwas lauter, um Oscars Gebell zu übertönen.

[9] "Nein!" Ich sprach ebenfalls lauter und schüttelte den Kopf, die Hände in den Hosentaschen vergraben. "Nie gehört!"

Der Typ pflückte einen Fenchelhalm ab, kaute ein bisschen darauf herum. Sein Blick schweifte über die Landschaft: die welligen Hügelketten, auf denen sich das Gelb schon gemähter Felder mit dem Grün der Wälder abwechselte. Er atmete tief, als sei er zu Fuß gekommen und nicht im Auto. Er trug ein zu weites Hemd und zu weite Baumwollhosen, dazu ein provenzalisches Halstuch, einen enggeschnallten abgenutzten Ledergürtel und ausgetretene Cowboystiefel.

"Übrigens ist das hier eine Privatstraße", sagte ich. "Die Schilder sind nicht zu übersehen."

Er antwortete nicht, sondern betrachtete den Hund Oscar, der ihn mit gesträubtem Nackenfell aus etwa zehn Meter Entfernung ankläffte. "Warum haltet ihr ihn an der Kette?", fragte er.

"Weil er sonst durch die Gegend streunt und sie ihn vergiften", sagte ich, verärgert über

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

10,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!
Maximaler Downloadzeitraum: 24 Monate