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Cover Das Zittern des Fälschers

Das Zittern des Fälschers

von Patricia Highsmith; Übersetzt von: Dirk van Gunsteren

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-257-60399-6

Kurztext / Annotation

Ein kleiner Ort an der tunesischen Küste. Ein amerikanischer Schriftsteller, der an einem Buch mit dem Titel Das Zittern des Fälschers arbeitet und ungeduldig auf Nachrichten von seiner Geliebten wartet. Ein schemenhafter Besucher im Dunkeln, dem der panische Schriftsteller seine Schreibmaschine entgegenschleudert. In gleißender Hitze, in einer fremden Welt, wo Leichen so schnell verschwinden wie tote Katzen, treffen die amerikanische und die arabische Seele aufeinander.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug

[9] 1

"Sind Sie sicher, daß kein Brief für mich da ist?" fragte Ingham. "Howard Ingham. I-n-g-h-a-m." Obgleich er englisch gesprochen hatte, buchstabierte er seinen Namen ein wenig unsicher auf französisch.

Der dickliche Araber in der leuchtendroten Uniform blätterte die Briefe in dem Fach I-J durch und schüttelte den Kopf. "Non, m'sieur."

"Merci", sagte Ingham mit einem höflichen Lächeln. Er hatte sich zum zweitenmal erkundigt, aber dies war ein anderer Angestellter. Das erste Mal hatte er vor zehn Minuten gefragt, bei seiner Ankunft im Hotel Tunisia Palace. Ingham hatte auf einen Brief von John Castlewood gehofft. Oder von Ina. Er hatte New York vor fünf Tagen verlassen und war erst nach Paris geflogen, um mit seinem Agenten zu sprechen und sich ein wenig dort umzusehen.

Ingham steckte sich eine Zigarette an und ließ den Blick durch die Hotelhalle schweifen. Sie war klimatisiert und mit Orientteppichen ausgelegt. Die meisten Gäste schienen Franzosen und Amerikaner zu sein, doch es gab auch einige Araber mit recht dunklem Teint und Geschäftsanzügen. John hatte ihm das Tunisia Palace empfohlen. Es war wahrscheinlich das erste Haus am Platz, dachte Ingham.

Er trat durch die Glastür auf den Bürgersteig. Es war [10] Anfang Juni, kurz vor sechs Uhr abends. Die Luft war warm, und die untergehende Sonne schien noch hell. John hatte vorgeschlagen, er solle vor dem Mittag- oder Abendessen einen Drink im Café de Paris nehmen, und dort drüben war es, auf der anderen Straßenseite, zwei Ecken weiter, am Boulevard Bourguiba. Ingham schlenderte den Boulevard entlang und kaufte eine Pariser Ausgabe der Herald Tribune. Die recht breite Straße war in der Mitte durch einen baumgesäumten, mit Betonplatten gepflasterten Bürgersteig unterteilt. Hier waren die Zeitungs- und Zigarettenkioske und die jungen Schuhputzer. Ingham erinnerte der Boulevard halb an Paris und halb an Mexico City, aber die Franzosen hatten ja auch in Mexico City wie in Tunis die Hände im Spiel gehabt. Er hörte laute Gesprächsfetzen, wußte aber nicht, was sie bedeuteten. In einem seiner Koffer im Hotel hatte er einen Sprachführer mit dem Titel Arabisch leichtgemacht. Offenbar handelte es sich um eine Sprache, deren Worte er würde auswendig lernen müssen, denn sie hatte keinerlei Ähnlichkeit mit irgendeiner anderen, die er kannte.

Ingham ging über die Straße zum Café de Paris. Die Tische auf dem Bürgersteig waren alle besetzt. Man starrte ihn an, vielleicht weil er hier neu war. Viele der Gäste waren Amerikaner oder Engländer, und sie hatten den Gesichtsausdruck von Leuten, die schon eine Weile hier waren und sich ein bißchen langweilten. Ingham mußte sich einen Platz an der Theke suchen. Er bestellte einen Pernod und warf einen Blick in die Zeitung. Es war laut im Café. Er entdeckte einen freien Tisch und setzte sich.

Auf dem Bürgersteig schlenderten Menschen vorbei [11] und betrachteten gleichgültig die ausdruckslosen Gesichter der Gäste. Ingham achtete besonders auf junge Leute, weil sein Auftrag lautete, ein Drehbuch über zwei junge Liebende zu schreiben - oder vielmehr drei, denn es gab noch einen zweiten Mann, der das Mädchen nicht bekam. Ingham sah kein solches Paar vorübergehen, nur junge Männer, einzeln oder zu zweien, Hand in Hand und in ernsthafte Gespräche vertieft. John hatte Ingham erzählt, daß die Männer hier sehr enge Beziehungen pflegten. Homosexualität war hier nicht einfach tabu, aber das hatte nichts mit dem Drehbuch zu tun. Junge Leute verschiedenen Geschlechts befanden sich oft in Gesellschaft einer Aufsichtsperson oder wurden jedenfalls nicht aus den Augen gelassen. Es gab viel zu lernen, und in den ein, zwei Wochen bis zu Johns Ankunft würde es Inghams Aufgabe sein, die Augen offenzuhalten und die Atmosphäre in sich aufzunehmen. John kannte einige Tunesier, und so würde Ingham Gel

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