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Cover Das goldene Ei

Das goldene Ei

Commissario Brunettis zweiundzwanzigster Fall

von Donna Leon; Übersetzt von: Werner Schmitz

Erschienen 2014 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60414-6

Kurztext / Annotation

Für Patta ermittelt Brunetti diesmal nur pro forma, doch Paola ist unerbittlich: Sie will wissen, was für ein Mensch der Tote war, der bei den Brunettis in der Nachbarschaft umgekommen ist. Dabei sieht alles - zunächst - nach einem Unfall aus. Niemand will etwas gewusst haben. Doch auch Nichtstun kann zum Verhängnis führen. Brunettis privatester Fall.

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die Brunetti

Textauszug

[7] 1

Es war ein ruhiger Abend daheim bei den Brunettis, man saß friedlich vereint beim Essen. An seinem Stammplatz Brunetti, sein Sohn Raffi neben ihm; Brunetti gegenüber seine Frau Paola, und neben ihr Tochter Chiara. Eine Platte fritto misto, angereichert mit Gemüse, insbesondere Karotten, Chiaras momentanen Favoriten, hatte die friedliche Stimmung eingeläutet; die Gesprächsthemen taten ihr keinen Abbruch. Schule, Arbeit, der neue Welpe eines Nachbarn, erster Labradoodle von Venedig; eins ging ins andere über in munterem Wechsel, auch wenn es immer irgendwie mit der Stadt zu tun hatte, in der sie lebten.

Als gebürtige Venezianer unterhielten sie sich dennoch auf Italienisch, nicht auf Veneziano. Brunetti und Paola hatten von Anfang an darauf vertraut, dass die Kinder den Dialekt ohnedies lernen würden, von Freunden und auf der Straße. Und so war es auch: Den Kindern ging Veneziano genauso mühelos über die Lippen wie ihrem Vater, der damit aufgewachsen war. Paola wiederum hatte den Dialekt - auch wenn sie das nicht an die große Glocke hängte - als Kind nicht von ihren Eltern, sondern nur bisweilen von den zahlreichen Dienstboten im Palazzo Falier aufgeschnappt, weshalb sie ihn weniger gut beherrschte als die anderen. Überhaupt nicht peinlich war es ihr hingegen, dass sie von ihrer Kinderfrau nahezu das Englisch einer Muttersprachlerin gelernt hatte und dass es ihr gelungen war, diese Sprache an ihre beiden Kinder weiterzugeben. Unterricht durch [8] einen Privatlehrer und Sommerferien in England taten ein Übriges.

Familien haben ähnlich wie Religionen Regeln und Rituale, mit denen Außenstehende wenig anfangen können. Auch sind ihnen Dinge wichtig, die von Mitgliedern anderer Gruppen nicht im gleichen Maße geschätzt werden. Wenn den Brunettis etwas heilig war - während Religion für sie eher ein leeres Ritual bedeutete -, dann war es die Sprache. Wortspiele und Witze, Kreuzworträtsel und Reihumgeschichten bedeuteten ihnen ebenso viel wie Kommunion und Firmung den Katholiken. Verstöße gegen die Grammatik mochten als lässliche Sünden durchgehen; ungelenke Ausdrucksweise hingegen galt als Todsünde. Die Kinder wären nie auf die Idee gekommen, diesen Glauben in Frage zu stellen; vielmehr strebten sie nach den höheren Weihen.

So stellte denn Chiara, kaum waren die Teller abgeräumt, von denen sie den Fenchelsalat mit Orangen gegessen hatten, ihr Wasserglas mit Nachdruck auf den Tisch und sagte: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute."

"Clorindas und Giuseppes Blicke trafen sich, und sie sahen im Glück vereint auf ihr Baby hinab", steigerte Paola mit viel Gefühl in der Stimme den Einsatz.

Raffi warf seiner Mutter und Schwester einen Blick zu, legte den Kopf schief, fixierte das Gemälde an der Wand gegenüber und erklärte dann: "Und so geschah es. Die Radikalkur versetzte selbst die Ärzte, die sie durchführten, in Erstaunen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kam ein Mann mit einem Baby nieder."

Brunetti ließ sich nicht lumpen: "Bevor er in den [9] Kreißsaal musste, brachte Giuseppe noch heraus: 'Sie bedeutet mir nichts, meine Liebe. Du bist die wahre Mutter meines Kindes.'"

Chiara, die den Beiträgen der anderen mit wachsendem Interesse gelauscht hatte, nahm den Faden auf: "Nur eine felsenfeste Ehe konnte derlei Prüfungen trotzen, aber Clorinda und Giuseppe einte eine Liebe, die über alle Begriffe ging und jedes Hindernis überwand. Für einen Augenblick jedoch wankte Clorinda in ihrem Glauben. 'Ausgerechnet mit Kimberley? Meiner Busenfreundin?'"

Damit gab sie den Ball an Paola zurück, die mit der Stimme eines unbeteiligten Erzählers erklärte: "Um das Fundament der Wahrhaftigkeit, auf dem ihre Ehe gründete, nicht zu erschüttern, kam Giuseppe nicht umhin zu gestehen, dass sein Kinderwunsch ihn zum Äußersten getrieben hatte. 'Es hatte nichts zu bedeuten, meine Lieb

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