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Cover Dornröschenschlaf

Dornröschenschlaf

Drei Erzählungen von der Nacht

von Banana Yoshimoto; Übersetzt von: Annelie Ortmanns; Gisela Ogasa; Anita Brockmann

Erschienen 2015 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
176 Seiten
ISBN 978-3-257-60645-4

Kurztext / Annotation

Schlafsucht, Alkohol, geheimnisvolle Begegnungen - drei Geschichten von der Nacht und vom Wiedererwachen aus tiefem Schlaf, drei Geschichten über Frauen, deren Herzen und Seelen nicht zur Ruhe kommen. "Diese drei Geschichten sind sozusagen Geschwister - in gewissem Sinne könnte man sie vielleicht sogar als eine einzige große Erzählung ansehen." Banana Yoshimoto

Banana Yoshimoto, geboren 1964, hieß ursprünglich Mahoko Yoshimoto. Ihr erstes Buch Kitchen red banana flower

Textauszug

[77] Wanderer der Nacht

My Dear, SARAH

It was spring when I went to see my brother off.

When we arrived at the airport his girlfriends who were dressed in beautiful colors waited for him.

Oh, I was sorry, in these days he had many lady loves.

The sky was fair...

Voll Wehmut hielt ich beim Aufräumen inne, als mir aus den Tiefen der Schublade der alte Zettel mit dem Entwurf für den Brief in die Hände fiel. Wieder und wieder las ich die englischen Worte, als hätten sie mir etwas zu erzählen.

Es war ein Brief an Sarah, eine Austauschstudentin aus Amerika. Mein Bruder Yoshihiro, der vor einem Jahr gestorben ist, war in seiner Oberschulzeit mit ihr zusammengewesen. Kaum war Sarah nach Boston zurückgekehrt, hatte Yoshihiro ständig davon geredet, auch mal im Ausland leben zu wollen, und war ihr kurze Zeit später aus einer Laune heraus gefolgt. Fast ein ganzes Jahr war er drüben geblieben, hatte gejobbt oder einfach nur rumgehangen...

Während ich las, erinnerte ich mich Stück für Stück wieder an damals. Der Brief war meine Antwort auf einen Brief von Sarah, in dem sie mir berichtete, was Yoshihiro in [78] letzter Zeit so gemacht hatte. Sie war besorgt, weil er ganz plötzlich verschwunden war und kaum von sich hören ließ. Ich, ein Oberschulmädchen, das sich damals die heutige Situation nicht im Traum hätte vorstellen können, hatte dann diesen Brief an das sanfte und schöne American girl geschrieben, mit klopfendem Herzen und dem Finger im Wörterbuch. Ja, Sarah - ein richtig süßes Mädchen mit klugen blauen Augen war sie. Alles Japanische machte ihr Spaß, und immer lief sie hinter meinem Bruder her. "Yoshiheero" hier, "Yoshiheero" da. Ihre Stimme floß geradezu über vor Liebe, wenn sie seinen Namen rief.

Sarah.

Plötzlich hatte Yoshihiro die Tür zu meinem Zimmer aufgerissen. "Hier, kannst sie ruhig fragen, wenn du was nicht weißt in Englisch." Mit dieser feinfühligen Vorstellung hatte er mich zum ersten Mal mit ihr zusammengebracht. Das war, als Sarah mit meinem Bruder auf ein Sommerfest in einem Schrein in der Nachbarschaft gegangen und auf dem Heimweg noch bei uns vorbeigekommen war. Ich saß damals gerade am Schreibtisch und brütete über den Hausaufgaben, die wir für den Sommer aufbekommen hatten. Weil Sarah sich extra angeboten hatte, beschloß ich, mir den Englischaufsatz von ihr schreiben zu lassen. Da sie sehr hilfsbereit schien, hätte ich mich unwohl gefühlt abzulehnen. Obwohl ich ungelogen einzig in Englisch schon immer Spitze war.

"Also, ich laß dir Sarah, aber nur für eine Stunde, dann bringe ich sie nach Hause", sprach mein Bruder und verschwand ins Wohnzimmer, um fernzusehen.

"Tut mir leid, wenn ich euer date störe", hatte ich mich [79] in holprigem Englisch entschuldigt. - "Ach was, ist schon okay, mit so einem Aufsatz bin ich in fünf Minuten fertig. Dann hast du doch mehr Zeit, um die anderen Fächer abzuhaken." So etwas in der Art hatte sie gesagt, in ihrem fließenden Englisch, mit zauberhafter Stimme und wallendem blonden Haar, und gelächelt hatte sie. - "Äh, also der Titel des Aufsatzes heißt: 'Mein Tagesablauf.' Es würde schon reichen, wenn du mir alles in ganz einfachen Worten schreiben könntest. Mach die Sätze aber nicht so kompliziert, sonst kommt raus, daß ich es nicht selbst geschrieben habe. Etwa so wie dieser Beispieltext hier, das wäre schon okay", hatte ich, so gut es eben ging, erklärt.

"Also los: Wann stehst du morgens auf, Shibæmi? Frühstückst du japanisch? Oder ißt du Brot? Und was machst du nachmittags?"

Solche Fragen stellte sie mir, und in Null Komma nichts hatte sie den Aufsatz fertig. Als mir beim Anblick des Manuskriptpapiers rausrutschte: "Oh, in so einer schönen Schrift kann ich das aber nicht

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