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Cover Gänsehaut

Gänsehaut

von Ross Macdonald; Übersetzt von: Karsten Singelmann

Erschienen 2016 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
432 Seiten
ISBN 978-3-257-60767-3

Kurztext / Annotation

language="ger">Am Morgen nach der Hochzeitsnacht verschwindet Alex Kincaids junge, hübsche Frau Dolly. Ist sie vor ihm geflohen? Oder vor dem bärtigen Chuck Begley, der als Letzter mit ihr gesprochen hat? Kincaid beauftragt Privatdetektiv Lew Archer, sie wiederzufinden. Das ist zwar einfacher als erwartet, doch dann beginnen erst die Schwierigkeiten. Kaum hat Archer Dolly Kincaid aufgespürt, wird er in zwei Morde verstrickt, von denen der eine 20 Jahre her ist, der andere hingegen so frisch, dass das Blut noch nicht getrocknet ist.

Ross Macdonald (1915 - 1983) zählt zu den besten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Er wird in Großbritannien und Amerika und nun auch bei uns wiederentdeckt. Seine Kriminalromane gelten als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft. Ross Macdonald war Präsident der Mystery Writers of America. 1964 gewann er den Silver Gold Dagger Award

Textauszug

language="ger">{5} 1

Die schweren roten Vorhänge vor den Fenstern des Gerichtssaals waren nicht vollständig zugezogen. Goldenes Sonnenlicht drang herein und überstrahlte die elektrische Deckenbeleuchtung. Es ließ einzelne Gegenstände aufblitzen: den gläsernen Wasserspender vor der holzgetäfelten Wand gegenüber der Geschworenenbank, die über die Tasten ihres Stenogeräts jagenden karmesinroten Fingernägel der Gerichtsschreiberin, Mrs. Perrines abgeklärter Blick, der mich über den Tisch der Verteidigung hinweg fixierte.

Es war kurz vor Mittag am zweiten und letzten Verhandlungstag ihres Prozesses. Ich war der letzte Zeuge der Verteidigung. Ihre Anwältin hatte keine weiteren Fragen an mich. Als der Staatsanwalt erklärte, er verzichte auf ein Kreuzverhör, warfen ihm mehrere Geschworene verdutzte Blicke zu. Der Richter beschied mir, ich könne gehen.

Vom Zeugenstand aus war mir der junge Mann aufgefallen, der in der ersten Zuschauerreihe saß. Er gehörte nicht zu den typischen Prozessbeobachtern, den Hausfrauen und Rentnern, die sich ihre ereignislosen Vormittage mit den Sorgen anderer Menschen vertreiben. Dieser Mann hatte selbst Probleme. Sein grüblerischer Blick war auf mich gerichtet, als hätte er die Absicht, diese Probleme bei mir abzuladen.

{6} Er erhob sich von seinem Platz, als ich aus dem Zeugenstand trat, und fing mich an der Tür ab. "Mr. Archer, dürfte ich Sie kurz sprechen?"

"Na schön."

Der Gerichtsdiener öffnete die Tür und winkte uns hinaus. "Draußen bitte, meine Herren. Die Verhandlung ist noch nicht beendet."

Wir gingen auf den Flur hinaus. Der junge Mann starrte grimmig auf die sich automatisch schließende Tür. "Ich kann es nicht leiden, herumgestoßen zu werden."

"Davon kann in diesem Fall wohl kaum die Rede sein. Was bedrückt Sie, mein Freund?"

Ich hätte ihn nicht fragen sollen. Ich hätte auf dem Absatz kehrtmachen und nach Los Angeles zurückfahren sollen. Aber er sah aus wie ein anständiger amerikanischer Junge, und in seinen Augen flackerte der Schmerz.

"Man hat mich soeben aus dem Büro des Sheriffs hinausgeworfen. Vorher bin ich auch schon an anderer Stelle abgeblitzt, und so eine Behandlung bin ich nicht gewöhnt."

"Sie dürfen das nicht persönlich nehmen."

"Sie haben große Erfahrung als Detektiv, nicht wahr? Das schließe ich aus dem, was Sie im Zeugenstand gesagt haben. Übrigens, das war großartig, wie Sie für Mrs. Perrine ausgesagt haben. Die Geschworenen werden sie bestimmt freisprechen."

"Abwarten. Man sollte sich nie auf Geschworene verlassen." Ich gab nicht viel auf sein Kompliment, das er mir wahrscheinlich nur gemacht hatte, weil er ein {7} gewichtigeres Anliegen damit verband. Die Verhandlung, in der ich soeben als Zeuge ausgesagt hatte, stand am Ende eines ebenso langwierigen wie langweiligen Falles, für den ich mich mit einem Angelausflug nach La Paz belohnen wollte. "Ist das alles, was Sie mir sagen möchten?"

"Ich habe Ihnen eine ganze Menge zu sagen, wenn Sie mich anhören. Ich habe ein Problem mit meiner Frau. Sie hat mich verlassen."

"Ich übernehme keine Scheidungsfälle, falls es darum geht."

"Scheidung?" Er verzog sein Gesicht zu einem gezwungenen, lautlosen Lachen. "Ich war nur einen Tag verheiratet - nicht mal einen Tag. Alle, vor allem mein Vater, liegen mir in den Ohren, ich solle die Ehe annullieren lassen. Aber ich will weder eine Nichtigkeitserklärung noch eine Scheidung. Ich will sie zurückhaben."

"Wo ist Ihre Frau jetzt?"

"Das weiß ich nicht." Er zündete sich mit zitternden Händen eine Zigarette an. "Während unseres Flitterwochenendes ist Dolly plötzlich verschwunden, einen Tag nach der Hochzeit. Vielleicht ist ihr etwas zugestoßen."

"Oder vielleicht ist sie zu dem Schluss gelangt, dass sie gar nicht verheiratet sein will, oder jedenfalls nicht mit Ihnen. Derlei passiert ständig."

"Gen

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

language="ger">Ross Macdonald, geboren 1915 in Los Gatos, Kalifornien, zählt zu den besten amerikanischen Kriminalautoren des 20. Jahrhunderts. Er wird in Großbritannien und Amerika und nun auch bei uns wiederentdeckt. Dabei verdankt er seine Karriere eher einem Zufall: Seine Frau Margaret war Schriftstellerin - und verdiente mit Schreiben bald mehr als er mit seiner Dozentur. So wurde aus dem Dozenten Kenneth Millar in Michigan der Schriftsteller Ross Macdonald in Kalifornien. Seine Bücher sind Bestseller und wurden erfolgreich verfilmt, so zum Beispiel 'Unter Wasser stirbt man nicht' (1975) mit Paul Newman und Joanne Woodward. Seine Kriminalromane gelten als Spiegel der amerikanischen Gesellschaft. Ross Macdonald starb 1983 in Santa Barbara.

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