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Cover Der Tod ist ein einsames Geschäft

Der Tod ist ein einsames Geschäft

von Ray Bradbury; Übersetzt von: Jürgen Bauer

Erschienen 2017 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60808-3

Kurztext / Annotation

Venice, Kalifornien, 1949. Das große Vergnügungsviertel wird abgerissen. Der Tod ist überall. Im Kanal wird eine Leiche gefunden, in einer Absteige eine zweite. Am anderen Ende der Stadt ist die alte Dame, die einst Kanarienfutter verkaufte, tot; tot wie die Diva Fannie Florianna. Alle vier könnten eines zufälligen Todes gestorben sein, aber zumindest zwei Leute zweifeln daran...

Ray Bradbury, geboren 1920 in Waukegan (Illinois), wurde gleich mit seinem ersten Roman, Fahrenheit 451 Moby Dick

Textauszug


Ich glaubte, zehn Meilen zurückzulegen, als ich hinüberrannte und dabei nur einen Gedanken hatte:

Peg!

Alle Frauen, die in meinem Leben eine Rolle gespielt haben, hatten ähnliche Berufe: Waren Bibliothekarin, {85} Lehrerin, Schriftstellerin oder Buchhändlerin. Peg vereinigte mindestens drei davon in sich, aber sie war jetzt weit weg, und das machte mir Angst.

Sie hatte den ganzen Sommer in Mexico City verbracht, um ihr Studium der spanischen Literatur zu beenden und die Sprache richtig zu lernen. Sie war zusammen mit armseligen Peonen in Zügen gefahren, in Bussen zusammen mit glücklichen Schweinen, schickte mir vor Liebe glühende Briefe aus Tamazunchale oder gelangweilte Schreiben aus Acapulco, wo die Sonne zu hell schien und die Gigolos nicht helle genug waren, wenigstens nicht für sie, die mit Henry James auf vertrautem Fuß lebte, die Voltaire und Benjamin Franklin als Ratgeberin diente. Sie hatte immer einen Picknickkorb voller Bücher bei sich.

Oft schien mir, sie würde die Brüder Goncourt als Sandwiches zum Nachmittagstee verspeisen.

Peg.

Einmal pro Woche rief sie mich von irgendwo dort unten an, aus einer kleinen oder einer großen Stadt, gerade den Mumienkatakomben von Guanajuato entstiegen oder noch außer Atem von dem Abstieg von Teotihuacán, und wir lauschten drei kurze Minuten lang dem Herzschlag des anderen und sagten einander immer wieder und wieder dieselben verliebten Dummheiten; Worte, an denen man sich nie satthört, denen man stundenlang lauschen könnte.

Jedes Mal, wenn Pegs Anruf kam, brannte die Sonne auf die Telefonzelle herab.

Jedes Mal, wenn das Gespräch zu Ende war, erstarb das Sonnenlicht, und Nebel stieg hoch. Ich wäre dann immer am liebsten in mein Zimmer zurückgerannt und hätte mir {86} die Bettdecke über den Kopf gezogen. Aber stattdessen hackte ich schlechte Gedichte aus meiner Schreibmaschine oder schrieb eine Geschichte über eine Marsfrau, die sich nach Liebe sehnt und träumt, dass ein Mann von der Erde vom Himmel fällt, sie mitnehmen will und als Belohnung für seine Mühe erschossen wird.

Peg.

Manchmal arbeiteten wir, wegen der Ebbe in meinem Geldbeutel, auch mit den alten Telefontricks.

Die Dame von der Vermittlung, die aus Mexico City anrief, fragte nach jemandem mit meinem Namen.

"Wen?", fragte ich zurück. "Wie war der Name noch mal? Sprechen Sie bitte etwas lauter!"

In weiter Ferne konnte ich Pegs Seufzen hören. Je mehr Blödsinn ich daherredete, desto länger war ich in der Leitung.

"Moment, ich hab das noch nicht richtig verstanden."

Die Dame wiederholte meinen Namen.

"Augenblick - ich schau nach, ob er da ist. Wer will ihn sprechen?"

Und prompt antwortete Pegs Stimme aus zweitausend Meilen Entfernung. "Sagen Sie ihm, es ist Peg! Peg!"

Dann tat ich, als ginge ich weg und kehrte kurz darauf zurück.

"Er ist nicht da. Rufen Sie in einer Stunde noch mal an."

"In einer Stunde", bestätigte Peg.

Dann ein Klicken und nur noch Brummen und Rauschen, sie war weg.

Peg.

Ich stürzte in die Zelle und riss den Hörer von der Gabel.

{87} "Hallo", brüllte ich hinein.

Aber diesmal war es nicht Peg.

Schweigen.

"Wer ist da, bitte?", fragte ich.

Schweigen. Aber da war jemand am anderen Ende der Leitung, nicht zweitausend Meilen weit weg, sondern ganz nahe. Die Verbindung war so gut, dass ich hörte, wie mein stummer Gesprächspartner durch die Nase und den Mund ein- und ausatmete.

"Wen wollen Sie sprechen?", fragte ich.

Schweigen. Und das Geräusch des Wartens in der Leitung. Der andere musste den offenen Mund ganz dicht an die Muschel halten. Ein Wispern und Raunen drang an mein Ohr.

Meine Güte, dachte ich, seit wann rufen denn diese Telefonerotiker in Zellen an? Schließlich weiß doch niemand, dass das mein Büro ist.

Schweigen. Hechelnde

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Ray Bradbury, am 22. August 1920 in Waukegan, Illinois geboren, schieb neben Romanen und Erzählungen Gedichte, Essays und Filmscripts; etliche seiner Werke wurden verfilmt. Sein Werk wurde mit dem National Book Award ausgezeichnet. 2007 erhielt Ray Bradbury im Rahmen der Pulitzer-Preis-Verleihung eine besondere Ehrung für sein Lebenswerk. Ray Bradbury starb am 5. Juni 2012 in Los Angeles.

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