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Cover Die allertraurigste Geschichte

Die allertraurigste Geschichte

von Ford Madox Ford; Übersetzt von: Fritz Lorch; Helene Henze

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-257-60911-0

Kurztext / Annotation

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs verbringen die Ehepaare Ashburnham und Dowell alljährlich glückliche Tage in Bad Nauheim. Erst nach dem Tod seiner Frau entdeckt John Dowell, dass der Schein in all den Jahren getrogen hat, und er beginnt, den wahren Charakter seiner Freunde und seiner Frau zu erkennen. Ein bewegender Roman, der den Leser mit jedem seiner betörenden Sätze tiefer in das Labyrinth der menschlichen Seele lockt.

Ford Madox Ford, geboren 1873 in Merton (Surrey), entdeckte als Herausgeber der English Review Transatlantic Review Die allertraurigste Geschichte

Textauszug

{13} Erster Teil

I

D ies ist die traurigste Geschichte, die ich je gehört habe. Neun Jahre hindurch hatten wir während der Kursaison in Bad Nauheim mit den Ashburnhams in der größten Vertrautheit verkehrt - oder vielmehr in einem Verhältnis zu ihnen gestanden, das so lose und unbeschwert und doch so eng war wie das eines guten Handschuhs mit Ihrer Hand. Meine Frau und ich kannten Hauptmann und Mrs. Ashburnham so gut, wie man jemanden nur kennen kann, und doch wussten wir auch wieder gar nichts von ihnen. Das ist, glaube ich, ein Zustand, wie er nur bei Engländern möglich ist, die mir bis zum heutigen Tag, da ich mich hinsetze, um herauszufinden, was ich von dieser traurigen Affäre weiß, völlig fremd sind. Bis vor sechs Monaten war ich nie in England gewesen, und natürlich hatte ich nie die Tiefen eines englischen Herzens ausgelotet. Ich kannte nur seine Untiefen.

Ich will nicht sagen, wir hätten nicht mit vielen Engländern Bekanntschaft gemacht. Da wir nun einmal notgedrungen in Europa lebten und notgedrungen unbeschäftigte Amerikaner waren, was mit unamerikanisch gleichzusetzen ist, befanden wir uns sehr oft in Gesellschaft {14} feiner Engländer. Paris, sehen Sie, war unser Wohnsitz. Ein Ort irgendwo zwischen Nizza und Bordighera bot uns jährlich Winterquartier, und Nauheim sah uns immer von Juli bis September. Sie werden hieraus entnehmen, dass einer von uns, wie man so sagt, es am Herzen hatte, und aus der weiteren Angabe, dass meine Frau tot ist, schließen, dass sie die Leidende war.

Hauptmann Ashburnham hatte es ebenfalls am Herzen. Aber während ihn ungefähr ein Monat in Nauheim jeden Sommer für den Rest des Jahres auf genau die richtige Tonhöhe stimmte, reichten die zwei Monate, die wir dort verbrachten, gerade so aus, um die arme Florence von Jahr zu Jahr am Leben zu erhalten. Dass er sein Herz spürte, lag vermutlich am Polo oder an dem viel zu harten Sport in seiner Jugend. An den verwüsteten Jahren der armen Florence war ein Sturm auf unserer ersten Überfahrt nach Europa schuld, und die unmittelbaren Gründe für unsere Gefangenschaft auf diesem Kontinent waren die Anordnungen der Ärzte. Sie sagten, schon die kurze Fahrt über den Kanal könnte das arme Ding das Leben kosten.

Als wir uns zum ersten Mal begegneten, war Hauptmann Ashburnham, der auf Erholungsurlaub aus Indien gekommen war, wohin er nie wieder zurückkehren sollte, dreiunddreißig Jahre alt; Mrs. Ashburnham - Leonora - war einunddreißig. Ich war sechsunddreißig und die arme Florence dreißig. Heute wäre Florence also neununddreißig Jahre alt und Hauptmann Ashburnham zweiundvierzig; während ich fünfundvierzig bin und Leonora vierzig. Sie sehen also, unsere Freundschaft war eine Angelegenheit des jungen mittleren Alters, denn wir alle waren von recht beschaulicher {15} Gemütsart, insbesondere die Ashburnhams waren das, was man in England gewöhnlich 'ganz ordentliche Leute' nennt.

Sie stammten, wie Sie wahrscheinlich erwartet haben, von den Ashburnhams ab, die Karl I . auf das Schafott begleiteten, und wie Sie ebenfalls bei dieser Klasse Engländer erwarten müssen, hätten Sie ihnen das nie angemerkt. Mrs. Ashburnham war eine Powys; Florence war eine Hurlbird aus Stamford, Connecticut, wo man, wie Sie wissen, altmodischer ist, als selbst die Einwohner von Cranford in England es je sein könnten. Ich selbst bin ein Dowell aus Philadelphia, Pennsylvania, wo es, wie historisch verbürgt ist, mehr alte englische Familien gibt, als man in sechs englischen Grafschaften zusammengenommen finden würde. Tatsächlich trage ich - als wäre dies das einzige Ding, das mich unsichtbar an irgendeinen Punkt des Erdballs festkettet - die Besitzurkunden meiner Farm bei mir, die sich früher einmal über einige Blocks zwischen Chestnut Street und Walnut Street erstreckt

Beschreibung für Leser

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