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Cover Drei Grazien

Drei Grazien

Ein Fall für Kostas Charitos

von Petros Markaris; Übersetzt von: Michaela Prinzinger

Erschienen 2018 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
368 Seiten
ISBN 978-3-257-60920-2

Kurztext / Annotation

Kostas Charitos und seine Frau Adriani machen Urlaub in Epirus. Dort lernen sie die "drei Grazien" kennen, die nichts aufregender finden, als einen echten Kommissar kennenzulernen. Dabei ist die Arbeit vor allem aufreibend. Zurück in Athen erwartet Charitos ein brutaler Fall. Ein Uni-Professor wurde vergiftet, und mörderische Intrigen verunsichern den akademischen Betrieb.

Petros Markaris, geboren 1937 in Istanbul, ist Verfasser von Theaterstücken und Schöpfer einer Fernsehserie, er war Co-Autor von Theo Angelopoulos und hat deutsche Dramatiker wie Brecht und Goethe ins Griechische übertragen. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann er erst Mitte der neunziger Jahre und wurde damit international erfolgreich. Er hat zahlreiche europäische Preise gewonnen, darunter den Pepe-Carvalho-Preis sowie die Goethe-Medaille. Petros Markaris lebt in Athen.

Textauszug

{14} 2

D er Seat müht sich über die holprige Straße. Bei jeder Unebenheit stößt eine der Damen auf dem Rücksitz einen kleinen Schrei aus. Ich aber habe ganz andere Sorgen. Ich fürchte, dass unsere Rückfahrt nach Athen problematisch werden könnte und der Seat zuvor in die Werkstatt muss.

"Sollen wir den Wagen nicht besser stehen lassen?", frage ich. "Das ist die reinste Via Dolorosa für ihn."

Unter allgemeiner Zustimmung stelle ich den Seat unter einem Baum ab. Aber auch der Fußweg ist nicht leicht zu bewältigen, da uns der steinige Wanderpfad zu schaffen macht. Die Zeiten sind vorbei, als wir barfuß über schroffe Felsen liefen, sage ich mir. Am besten hat es wohl der Seat getroffen.

"Meine armen Beine", stöhnt Argyro. "Ich werde ins Hotel zurückhumpeln und morgen nicht aus dem Bett kommen."

"Ich habe euch doch gesagt, wir sollten in die Zagori-Dörfer fahren, aber ihr wolltet ja den Fliegenden Holländer sehen", bemerkt Kalliopi.

"Was für einen Holländer? Es sind doch Deutsche! Hast du nicht gehört, was Maria gesagt hat?", hält ihr Adriani entgegen.

{15} Kalliopi lacht auf, während ihr die anderen drei irritierte Blicke zuwerfen.

Wir erreichen die Ausläufer des Astraka-Gebirges genau in dem Moment, als der Flugkörper deutscher Provenienz zur Landung ansetzt. Nur, dass er nicht wie ein Vogel oder Flugzeug im sanften Anflug landet, sondern quasi senkrecht vom Himmel fällt. Zwei Leute, die in der Schlucht warteten, heißen ihn mit Applaus willkommen. Als er die Brille ablegt, stellen wir fest, dass Graf Zeppelin weiblichen Geschlechts ist. Es handelt sich um eine vierzigjährige Frau, die sich lächelnd vor ihrem Publikum verbeugt.

"He, das ist ja eine Frau!", wundert sich Tassia.

"Das fehlte noch!", meint Argyro.

"Warum sollen Frauen nicht fliegen?", fragt Kalliopi. "Soviel ich weiß, gibt es nicht nur Männchen unter den Vögeln."

Damit bringt sie uns alle zum Lachen.

Die Deutschen drehen sich um und blicken uns überrascht an. Die beiden Männer bleiben ernst, aber die Fliegerin lächelt uns zu.

"Kommt, wir gratulieren ihnen zu ihrer Leistung", bemerkt Tassia. "Auch wenn sie uns Faulpelze und Schmarotzer nennen, so sind wir doch noch immer gute Gastgeber."

Wir gehen lächelnd auf die Deutschen zu, die unsere Freundlichkeit erwidern.

"Bravo!", sagt Kalliopi bewundernd zur Fliegerin.

"Danke", antwortet die zuerst auf Deutsch und fügt dann auf Englisch hinzu: "Thank you."

Plötzlich spricht Argyro die Leute auf Deutsch an, was die drei sichtlich freut.

{16} "Kann sie denn Deutsch?", will Adriani von Kalliopi wissen.

"Ja, sie hat es im Goethe-Institut gelernt. Wie gut sie wirklich spricht, kann ich nicht beurteilen. Wenn es so gut ist wie mein Französisch, das ich am Französischen Kulturinstitut gelernt habe, ist es wohl mehr ein Radebrechen."

Ich verschweige lieber, wie traurig es um meine eigenen Englisch-Kenntnisse steht. Aber ich finde Trost beim Gedanken, dass ich die Sprache an keinem ausländischen Kulturinstitut, sondern an der Polizeischule gelernt habe und mich danach im Präsidium mit Hilfe von Migranten weiterbildete.

Argyro unterbricht kurz das Gespräch, um uns ihre Konversation mit den Deutschen zu übersetzen. "Sie haben mir erzählt, dass sie jedes Jahr herkommen", weiß sie zu berichten. "Sie reisen immer in einer Gruppe an. Die anderen sind vom Gamila-Gebirge aus gestartet. Es gefällt ihnen hier, weil die Leute freundlich sind und ihren Flugkünsten Beachtung schenken. In Deutschland kräht kein Hahn nach ihnen."

"Hast du gefragt, was sie beruflich machen?", fragt Tassia.

"Alle drei arbeiten an der Uni. Die Frau unterrichtet Soziologie, der Bärtige ist Germanist, und der Dritte mit dem Strohhut ist Jurist."

"Den Winter verbringen sie als Bücherwürmer in den Biblio

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