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Cover In der Schweiz

In der Schweiz

von Mark Twain; Übersetzt von: Ana-Maria Brock

Erschienen 2019 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60992-9

Kurztext / Annotation

Mark Twain bummelt 1878/79 durch Europa, insbesondere durch die Schweiz. Seine Ziele sind Luzern, Rigi, Interlaken, Kandersteg, Monte Rosa, Zermatt, Matterhorn und, nach einem kleinen Abstecher zum Mont-Blanc, Genf. Humorvoll und mit viel Ironie beschreibt Twain dieses kleine Land mit seinen merkwürdigen Einwohnern sowie deren Sitten und Gebräuche.

Mark Twain wurde 1835 in Florida, Missouri, geboren. Er arbeitete als Drucker, Lotse auf einem Mississippidampfer, Goldgräber und Reisejournalist. Mit Tom Sawyers Abenteuer Huckleberry Finns Abenteuer

Textauszug

Erstes Kapitel

Luzern · Schönheit des Sees · Die wilde Gemse · Ein großer Irrtum enthüllt · Methoden, die Gemse zu jagen · Schönheit Luzerns · Der Alpenstock · Alpenstöcke markieren · Nationalitäten raten · Eine amerikanische Gesellschaft · Eine unvermutete Bekanntschaft · Ich komme ins Schwimmen · Ich folge blinden Fährten · Eine frohe halbe Stunde · Niederlage und Rache

A m nächsten Morgen fuhren wir mit der Eisenbahn nach der Schweiz und erreichten Luzern gegen zehn Uhr abends. Meine erste Entdeckung war, daß man die Schönheit des Vierwaldstätter Sees nicht übertrieben hatte. Nach einem oder zwei Tagen machte ich eine weitere Entdeckung. Und zwar, daß die vielgepriesene Gemse keine wilde Ziege ist; daß sie kein gehörntes Tier ist; daß sie nicht scheu ist; daß sie die menschliche Nähe nicht meidet; und daß es nicht gefährlich ist, sie zu jagen. Die Gemse ist ein schwarzes oder braunes Tier, nicht größer als ein Senfkorn; man braucht sie nicht aufzusuchen, sie sucht einen auf; sie kommt in riesigen Herden und hüpft und springt einem unter der Kleidung über den ganzen Leib; also ist sie nicht scheu, sondern äußerst gesellig; sie fürchtet sich nicht vor dem Menschen, im Gegenteil, sie greift ihn an; ihr Biß ist nicht gefährlich, aber auch nicht angenehm; ihre Lebhaftigkeit ist nicht übertrieben worden - wenn man versucht, den Finger auf sie zu legen, hüpft sie in einem Sprung über das Tausendfache ihrer Länge, und kein Auge ist scharf genug, um zu sehen, wo sie landet. Man hat über die Schweizer Gemse und die Gefahren der Gemsenjagd eine Menge romantischen Unsinns geschrieben; wahr ist vielmehr, daß sogar Frauen und Kinder sie jagen, und zwar ganz ohne Furcht; tatsächlich jagt sie jedermann; die Jagd ist dauernd im Gange, Tag und Nacht, im Bett und außer Bett. Es ist eine schwärmerische Torheit, sie mit dem Gewehr zu jagen; das tun sehr wenige Leute; unter einer Million Menschen gibt es keinen, der sie mit einem Gewehr treffen könnte. Sie zu fangen ist viel leichter, als sie zu schießen, und beides kann nur der erfahrene Gemsenjäger schaffen. Noch eine verbreitete Übertreibung betrifft die "Seltenheit" der Gemse. Sie ist das Gegenteil von selten. Herden von hundert Millionen Gemsen sind in den schweizerischen Hotels nicht ungewöhnlich. Sie sind tatsächlich so zahlreich, daß sie eine große Plage darstellen. Die Romanschreiber kleiden den Gemsenjäger immer in eine phantasievolle, malerische Tracht, während die beste Methode, dieses Wild zu jagen, die ist, es überhaupt ohne jede Tracht zu tun. Der Handelsartikel namens "Chamoisleder" ist ein weiterer Betrug; niemand könnte eine Gemse häuten, sie ist viel zu klein. Das Geschöpf ist in jeder Beziehung ein Humbug, und alles, was darüber geschrieben worden ist, ist gefühlvolle Übertreibung. Es hat mir keine Freude gemacht, die Gemse zu entlarven, denn sie war eine meiner Lieblingsillusionen; mein ganzes Leben lang hatte ich davon geträumt, sie eines Tages in ihrer Wildnis zu sehen und mich in den abenteuerlichen Sport stürzen zu können, sie von Klippe zu Klippe zu hetzen. Es macht mir keine Freude, sie jetzt bloßzustellen und des Lesers Entzücken über sie und seine Achtung vor ihr zu zerstören; aber es muß doch sein, denn wenn ein ehrlicher Schriftsteller eine Betrügerei entdeckt, ist es einfach seine Pflicht, sie aufzudecken und von ihrem Ehrenplatz herabzustürzen, gleichgültig, wer darunter leidet. Durch jedes andere Vorgehen würde er sich des öffentlichen Vertrauens unwürdig erweisen.

Luzern ist eine bezaubernde Stadt. Sie beginnt am Ufer des Sees mit einem Saum von Hotels, klettert empor und breitet sich dichtgedrängt, in ungeordnetem, malerischem Stil über zwei oder drei steile Berge aus, wobei es dem Blick einen aufgetürmten Wirrwarr aus roten Dächern, wunderlichen Giebeln, Dachfenstern, zahnstocherähnlichen Kirchtürmen darbietet, wobei hier und da ein Stück alter, zinnengekrönter

Beschreibung für Leser

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