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Cover Der Metzger geht fremd

Der Metzger geht fremd

Kriminalroman

Erschienen 2010 bei Piper
Sprache: Deutsch
368 Seiten
ISBN 978-3-492-95084-8

Textauszug

18

J E GRÖSSER DIE A USWAHL , desto eher greift der Mensch offensichtlich zum Gewohnten. Käse, Wurst, Schinken, Speck, Sauerrahm-, Süßrahm- oder Almbutter, Joghurts mit und ohne Beigaben, Müslis, Flocken, Körndeln, Dörrallerlei und andere demonstrative "Ichernähr-mich-gesund"-Objekte, Konfitüren mit und ohne Fruchtstückchen, Backwaren süß oder gesäuert, Aufstriche aus Topfen, Frischkäse, Leberwurst oder Soja, Obst und Gemüse bissfest oder gepresst, Eier in allen Größen und Konsistenzen und weiß die Galle, was so ein Morgenmagen noch alles verträgt – aber die meisten Gäste des Kurhotels Sonnenhof sitzen an diesem wolkenlosen Morgen vor ihrer Tasse Kaffee, ihrem Marmeladesemmerl und ihrem Butterbrot mit Toastschinken samt einer Scheibe Gouda.

Das Einzige, was der Metzger sich aussuchen konnte, war: "Wollen Sie das Ei hart oder weich?" und "Tee oder Kaffee?", wobei den Tee mit Milch und Zucker zu mischen dem Metzger noch eine Spur abartiger erscheint, als dem Kaffee eine getrübte Entstellung zu verpassen.

Immer zuerst was trinken, hat ihm seine Mutter beim Frühstück konsequent eingetrichtert, das brauche der Magen. Und nachdem sich die Ratschläge der Ernährungsberater so schnell ändern wie die Schuhgröße eines Menschenkindes, hält er es am Morgen heute noch so, der Metzger, allerdings nicht mit Kakao, sondern meistens mit einer Tasse koffeinhaltigem Schwarzen, ab und zu einem Pfefferminztee und ganz selten einem Glas Rotwein.

Nach dem ersten Schlückchen beißt er genüsslich in die Semmel mit herrlicher selbst gemachter Hackenberger-Marillenmarmelade, bringt, ohne zuvor geschluckt zu haben, die notwendige Wenigkeit Kaffee in die Mundhöhle und zermanscht das so entstandene Schlamassel zu einem bekömmlichen Brei. Ganz schlecht ist es, in diesem Moment angesprochen zu werden.

"Wunderschönen guten Morgen, Herr Metzger!" Herr Friedmann betritt den gemütlichen und engen Frühstücksraum, in dem Willibald Adrian Metzger zu dieser frühen Stunde noch allein sitzt, und nimmt am Tisch nebenan Platz.

"Ein wunderschöner Morgen ist das, nicht?", wiederholt Frau Hackenberger lautstark aus der Küche, wobei sie mit der Variation: "Ein wunderschöner Morgen, hab ich's Ihnen nicht gesagt!" kurz zuvor auch schon den Metzger begrüßt hat, der ihr, um der penetranten Nachfragerei schließlich ein Ende zu setzen, erläutern musste, was mit seinem Zahn passiert ist. Gar nicht fassen konnte sie es, die Hackenberger, dass ihr da in der Nacht vor lauter blitzenden Sternen das fehlende Blitzen im Metzger-Gebiss entgangen ist, wo sie doch so aufmerksam sei.

Die Qualität ihrer Aufmerksamkeit stellt sie nun, abermals aus der Küche schreiend, unter Beweis: "Für Sie grünen Tee, Herr Friedberg, so wie immer, nicht?"

"Friedmann!"

"Wie bitte?"

"Immer noch Friedmann – und grünen Tee, so wie immer!"

"Also grünen Tee so wie immer. Gerne, Herr Friedberg!"

Herr Friedmann schüttelt mit verdrehten Augen den Kopf.

"Mit einem Sebastian Friedberg war ich übrigens in der Schule. War damals ein unguter Schüler und ist heute ein guter Arzt!", versucht der Metzger das Gespräch aufzugreifen.

"Dann werden aus guten Schülern wohl ungute Ärzte!", erwidert Herr Friedmann.

Erstaunt über die überraschend humoristische Ader seines Mitbewohners kontert der Metzger: "Ich kann mich nicht erinnern, dass es zu meiner Schulzeit so viele gute Schüler gegeben hätte.

Langtext

Durchaus mit Bewunderung für die Gründlichkeit der hiesigen Reinigungskräfte registriert Danjela Djurkovic die blitzblanken Fliesen des Kurschwimmbads. Es herrscht eine gespenstische Stille, denn außer ihr ist nur eine andere Person anwesend, die wie eine marmorne Statue am Grund des Beckens liegt. Der Mann ist tot, daran besteht kein Zweifel. Mit seltener Gelassenheit alarmiert Danjela die Klinikleitung und schickt einen Hilferuf in Richtung ihres geliebten eigensinnigen Willibald Adrian Metzger. Der sitzt in seiner fernen Restauratorenwerkstatt und bricht nur widerwillig in die Fremde auf. Doch bald schon nimmt ihn das Leben auf dem Land gefangen. Denn auch dort haben die Familien ihre Leichen im Keller. Zum Lesungsvideo auf: http://www.zehnseiten.de/

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