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Cover 1794

1794

Roman

von Niklas Natt och Dag; Übersetzt von: Leena Flegler

Erschienen 2020 bei Piper Verlag
Sprache: Deutsch
560 Seiten
ISBN 978-3-492-99594-8

Kurztext / Annotation

Endlich! Nach '1793' die mit Spannung erwartete Fortsetzung vom preisgekrönten Spiegel-Bestsellerautor Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher war. Bis zu dem Tag, als ihn eine Frau kontaktiert: Ihre Tochter wurde in der Hochzeitsnacht auf grausamste Weise zugerichtet und getötet. Als Täter wird deren frisch angetrauter adeliger Ehemann identifiziert und in die Irrenanstalt eingewiesen. Die Mutter der Getöteten glaubt diese Version jedoch nicht und sucht Hilfe bei Cardell. Seine Nachforschungen führen diesen erneut in die Abgründe Stockholms, und er muss feststellen, dass die Stadt verruchter und gefährlicher ist als je zuvor.

Niklas Natt och Dag, geboren 1979, arbeitet als freier Journalist in Stockholm. Der Spiegel-Bestsellerautor entstammt der ältesten Adelsfamilie Schwedens. Nicht zuletzt deshalb hat er eine besondere Verbindung zur schwedischen Geschichte. Sein historischer Kriminalroman '1793' wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt. Wenn er nicht schreibt oder liest, spielt er Gitarre, Mandoline, Geige oder die japanische Bambuslängsflöte Shakuhachi.

Textauszug

1. Inzwischen ist es Januar, das Jahr 1794 ist kürzlich angebrochen.

Am Morgen hat man mich aus dem Schlaf gerissen, aus dem Bett gejagt und mir befohlen, mich anzukleiden: Das Jahr sei noch jung, man habe Ungeziefer und Dreck lange genug ertragen, allmählich müsse die schale Luft in der Kammer mit Reisig ausgeräuchert und der Boden mit Essig gereinigt werden. Unbeholfen band ich mir die Hose zu, schloss die Schnallen an meinen Schuhen und warf mir den Rock über die Schultern, die inzwischen so schmal geworden waren, dass der Stoff nur so an mir hinabhing. Ich ging die Treppe hinunter und trat ins Freie - zum ersten Mal seit Wochen, so kam es mir vor - und hinaus in den Tag, von dem ich durch die Fensterluke bislang bloß einen schmalen Streifen erhascht hatte.

Die Linden auf dem Hof sind seit Monaten unbelaubt. Allerdings hatte der Winter die Schuld des Herbstes mit frischem Neuschnee beglichen. So weit das Auge reichte, hatten sich lange Gewänder über die Zweige gelegt; die Schleppen fielen bis hinab auf die Erde. Die Sonne schien, und ihre Strahlen glitzerten über dem gleißenden Weiß mit einer Kraft, die keine andere Farbe duldete. Ich blinzelte ins Licht, war geblendet, musste mir die Hand vor die Augen halten. Andere Patienten drängten sich im Treppenhaus oder taumelten durch den Schnee und fluchten, sobald sich die kalte Nässe in ihre Schuhe ergoss. Statt mich zu ihnen zu gesellen, ging ich weiter, den Weg entlang zum Wasser hinunter, wo sich mir über dem Eis ein Spazierweg darbot, der durch die Schneedecke führte, bis man in einiger Entfernung das Meer erahnen konnte. Der jungfräuliche Schnee versprach Einsamkeit. Die Luft war schneidend kalt, aber die Sonne wärmte allmählich, und obwohl ich mich matt fühlte, ging ich ein Stück auf das Eis hinaus, das mittlerweile wohl dick genug war, um bis auf den Grund zu reichen.

Zu meiner Linken blitzte in weiter Ferne die vergilbte Zahnreihe der Skeppsbron, dahinter zu den Spitzen verjüngte Kirchtürme, und noch weiter entfernt war die gedrungene Kontur des Schlosses zu sehen. Ich wandte den Blick ab, als wollte ich das schlummernde Raubtier lieber nicht auf mich aufmerksam machen. Stattdessen sah ich zurück zu der Stelle, von der ich aufgebrochen war. Der Ufersaum erstreckte sich vor mir, und ich genoss den Anblick, wie er sonst nur Schiffsleuten vergönnt ist.

Die Stadt hat dem Danviken den Rücken gekehrt, und die Zeit scheint es ihr gleichgetan zu haben. Hier draußen vergeht die Zeit anders; ein Tag ist kurz, die Nacht ist lang. Hier begrenzen zwei Bergkämme unser Himmelsgewölbe zu beiden Seiten und verkürzen die Sonnenbahn. Wer in dieses Hospital kommt, hat es in der Regel nicht mehr abwenden können. Viele, die mit mir unter demselben Dach untergebracht sind, leiden indes bloß am Alter: Ihre Söhne und Töchter haben für sie ein Plätzchen gefunden, auf dass sie in den letzten Lebensjahren gut versorgt werden; allerdings haben sie offenbar nie die Zeit, um herzukommen und ihren Alten einen Besuch abzustatten, die vor Vernachlässigung allmählich kindisch im Geist werden.

Ein Stück weiter den Ufersaum entlang in Richtung Finnboda steht das Tollhaus. Von meinem Posten auf dem Eis konnte ich alles in allem sieben Stockwerke erkennen, die sich ein gutes Stück über den Hang erstrecken. Die Fundamente müssen waagerecht in den Berg getrieben worden sein - wie Treppenstufen für einen Riesen. Auf den Fluren des Hospitals sorgt das Tollhaus für einen steten Strom aus Gerüchten. Es heißt, es seien dort zigfach mehr Irre untergebracht, als das Gebäude beherbergen könne. Zahlreiche Fenster sind mit Brettern zugenagelt, vor anderen befinden sich Gitter. Als ich einmal bis fast an die Außenmauern spaziert war, meinte ich von drinnen ein Geräusch zu hören, einen mahlenden Dauerton, der mir wieder in Erinnerung rief, wie mich einst als kleiner Junge die Neugier dazu verleitete, draußen auf dem Feld zu einem der Bienenstöcke zu schleic

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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Kundenbewertungen

Brutale Fortsetzung 08. März 2020
von manu63
1794 ist der Folgeband von 1793, beide Krimis stammen aus der Feder des Autors Natt och Dag. Wieder kann der Leser Jean Michael Cardell begleiten bei seinen Ermittlungen rund um einen grausamen Mordfall. Im zur Seite steht Emil Winge, der Bruder des verstorbenen Juristen Cecil Winge mit dem Cardell im Vorband ermittelt hat. Die Geschichte ist wieder in mehreren Strängen angelegt die sich aufeinander zu bewegen und es gibt wieder Zeitsprünge , welche dieses Mal den roten Faden vermissen lassen. Natt och Dag hält sich dieses Mal lange an einzelnen Strängen fest und mir als Leserin hat sich nicht immer erschlossen warum ich diesen sehr ausführlichen Schilderungen folgen sollte, zumal sie im Endeffekt oft nichts mit dem Mordfall zu tun hatten. Die Leser verfolgen im ersten Abschnitt das Heranwachsen von Erik Drei Rosen und seinen Aufenthalt auf der Karibikinsel Saint-Barthélemy der noch Bedeutung bekommen soll. Das Leben auf der Sklaveninsel und der Umgang mit den Sklaven wird mit großer Brutalität erzählt. Der eigentliche Mord ereignet sich erst später im Buch und der Täter ist schnell ersichtlich. Die Ermittlungen rücken stark in den Hintergrund, vielmehr stehen die einzelnen Protagonisten, die man ggfs. schon aus 1793 kennt in den Vordergrund. Die einzelnen Entwicklungen werden umrahmt von brutalen und grausamen Szenen, immer wieder fliegen Fäuste, es spritzt Blut und Frauen und Männer werden misshandelt. Das Recht des Einzelnen zählt nichts, der Stärkere setzt sich durch. Das Stockholm Natt och Dags ist ein düsterer Ort an dem Mord, Diebstahl und Misshandlungen das normale Leben sind. Zwischendurch gibt es wenige Passagen in denen es friedlich zugeht und man den Charakteren ihr kleines Glück gönnt. Das Ende des Buches hat mich ratlos zurückgelassen, denn es gibt kein richtiges Ende, das Buch endet abrupt und ohne Auflösung der Situation. Mein Fazit, wer es härter und brutaler mag in den Schilderungen wird dieses Buch gut finden, wer nicht auf gefühlt jeder 3. Seite das Blut spritzen sehen mag wird sich mit dem Buch nicht wohlfühlen. Die Ermittlungen rund um den Mord sind nur ein kleiner Teil der Geschichte und bilden nur einen Rahmen für die Darstellung der Entwicklung der einzelnen Charaktere und ihrer Schicksale die keine Hoffnung geben.
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