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Cover Strandbadrevolution

Strandbadrevolution

Roman

Erschienen 2017 bei Deuticke in der Paul Zsolnay Verlag Ges.m.b.H.
Sprache: Deutsch
256 Seiten
ISBN 978-3-552-06345-7

Kurztext / Annotation

Im Sommer 1972, in dem die Amerikaner Nordvietnam bombardieren, bereitet Ernst, der sich nach seinem Idol von den Rolling Stones Mick nennt, mit seinen Freunden im Strandbad die Revolution vor. W"hrend sein Vater meistens in der Garage besch"ftigt ist und seine Mutter die Tiefkhltruhe zum Bersten anfllt, sollte Mick eigentlich fr die Franz"sisch-Nachprfung lernen, l"sst sich jedoch von zwei bislang im Bad noch nie gesichteten M"dchen ablenken. Doch schlieálich endet dieser Sommer nicht nur fr Candy, den jngsten der Freunde, mit einer Katastrophe. Kurt Palm erz"hlt, wie lange ein Sommer in der Provinz in (TM)sterreich sein kann und wie kurz und unerbittlich das Leben.

Kurt Palm, geboren 1955 in V"cklabruck, Studium der Germanistik und Publizistik, wurde mit der gefeierten TV-Produktion 'Phettbergs nette Leit Show' (1994-96) bekannt. Sein Bestseller Bad Fucking (2010) wurde 2011 mit dem Friedrich Glauser-Preis fr den besten deutschsprachigen Krimi des Jahres ausgezeichnet und war auch als Film erfolgreich. 2017 ist bei Deuticke sein Roman Strandbadrevolution erschienen, im Frhjahr 2019 wird der Roman Monster folgen.

Textauszug



I.

HA! HA! SAID THE CLOWN

"Ich glaube, dass das Auto ganz besser ist." Zufrieden lehnte sich mein Vater an die schattige Hauswand und zündete sich eine Smart Export an. Er nahm einen tiefen Zug und versuchte den Rauch in Ringen auszublasen. Aber aus seinem Mund kamen nur unförmige Schwaden. Ich stand mit meinem Fahrrad daneben und wusste nicht genau, was ich sagen sollte.

" Es hat nur fünftausend Schilling gekostet." Mein Vater sah mich erwartungsvoll an.

" Was ist es denn für ein Baujahr?"

" 1955 , ist aber noch sehr gut beisammen. Hat zumindest der Walchetseder gesagt. Und über den Wurzelpass kommen wir damit bestimmt."

" Der heißt Wurzenpass, nicht Wurzelpass."

Mein Vater ignorierte meine Bemerkung und ging zu seinem neuen Wagen, den er wie ein Pferd tätschelte. " Der Walchetseder hat auf das Auto geschaut. Ganz besser. Kannst dich ja einmal hineinsetzen."

" Ich kenne mich bei Autos sowieso nicht aus", antwortete ich achselzuckend. Ich hätte ja nicht einmal sagen können, welche Farbe unser neues Auto hatte. War es beige? Oder hellgrüngelb? Um meinem Vater einen Gefallen zu tun, öffnete ich die hintere Wagentür und setzte mich hinein. Im Auto war es stickig heiß, und es roch nach Benzin und Kunststoff. Irgendwie war es ein angenehmer Geruch. Als ich mit meinem Onkel und meiner Tante einmal ans Meer gefahren war, hatte es in ihrem Auto genauso gerochen.

" Und? Was sagst?"

" Ja, wenn er wirklich gut beisammen ist, wird es schon passen." Ich betätigte probehalber die Fensterkurbel, die allerdings klemmte. Auf der Rückbank lag ein Lockenwickler, in dem sich ein paar blonde Haare verfangen hatten. Ich überlegte, ob ich ihn meiner Mutter schenken sollte, ließ den Gedanken aber fallen, weil sie damit sicher keine Freude gehabt hätte.

" Das ist ein Opel Kapitän, da sollte es motorisch nichts geben." Mit Kennermiene klopfte mein Vater erneut auf die Motorhaube.

Der Opel Kapitän war das erste Auto meines Vaters, und ich bezweifelte, dass er vom Motor dieses Wagens tatsächlich etwas verstand. Aber mir war das egal, ich musste damit ja nicht fahren. Trotzdem wurde mir bei der Vorstellung, dass wir mit dieser alten Kiste nach Strunjan auf Campingurlaub fahren sollten, ein bisschen mulmig zumute. Schließlich hatte mein Vater erst im Frühjahr den Führerschein gemacht.

Ich stieg aus und strich pro forma über den Lack, der an einigen Stellen bereits abblätterte. " Bist du eigentlich selbst hergefahren?"

" Nein, ich habe mich nicht getraut, aber ich werde heute Abend gleich eine Probefahrt machen." Mein Vater warf die halb gerauchte Zigarette auf den Kiesboden und drückte sie mit dem Fuß aus. Er schob ein paar Steinchen darüber. Es sah aus wie ein kleines Grab. Fehlte nur noch ein Kreuz aus Zündhölzern: Hier ruht in Frieden eine Smart Export, die ihr Leben viel zu früh ausgehaucht hat. Semper et ubique.

" Was sagt denn eigentlich die Mama zu dem Wagen?"

" Sie hat ihn noch nicht gesehen, das wird eine Überraschung." Mein Vater kratzte sich nachdenklich am Kopf. Er hatte in den letzten Wochen zwar immer wieder davon gesprochen, sich ein Auto zu kaufen; dass es aber ein uralter Opel Kapitän sein würde, hatte er nie erwähnt.

" Ich bin am Abend wieder zurück", sagte ich und schwang mich auf mein Fahrrad.

Mein Puch-Fahrrad hatte ich vor fünf Jahren zur Firmung bekommen. Ich war ein bisschen enttäuscht gewesen, weil es bereits gebraucht war und mir eine Armbanduhr lieber gewesen wäre. Aber jetzt war ich froh über das alte Rad, weil es gut zu meinen abgeschnittenen Jeans und zum Unterhemd meines Großvaters passte. Außerdem hatten

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Kurt Palm, geboren 1955 in Vöcklabruck, Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg. Dr. phil. Seit 1983 als Autor und Regisseur tätig. Schrieb Bücher über Brecht, Stifter, Joyce, Mozart, Fußball und Palmsamstage. Drehte einige Kinofilme und inszenierte zahlreiche Opern und Theaterstücke im In- und Ausland. Falls Kurt Palm nicht auf Reisen ist, lebt er in Wien bzw. in Litzlberg am Attersee.

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