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Cover Wie man Gott zum Lachen bringt

Wie man Gott zum Lachen bringt

Roman

von Bianca Marais; Übersetzt von: Heike Reissig; Stefanie Schäfer

Erschienen 2019 bei Wunderraum
Sprache: Deutsch
512 Seiten
ISBN 978-3-641-25293-9

Kurztext / Annotation

Am 10. Mai 1994 bricht mit Antrittsrede Nelson Mandelas eine neue Zeitrechnung für Südafrika an. Am selben Tag wird auf einer Farm in einer Weißensiedlung bei Magaliesburg ein schwarzes Neugeborenes gefunden. Die beiden Schwestern Ruth und Delilah nehmen den Säugling bei sich auf und erleben, wie über Generationen verfestigte Ansichten über Rasse und Identität ins Wanken geraten. Doch sie müssen sich auch gegen den militanten Rassismus ihrer Nachbarn zur Wehr setzen. Währenddessen macht sich nicht weit von Magaliesburg entfernt die siebzehnjährige Zodwa auf die Suche nach ihrem Baby, das am Tag seiner Geburt spurlos verschwand ...
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Bianca Marais hat an der Universität von Toronto Creative Writing studiert. Bevor sie sich dem Schreiben zuwandte, hatte sie ein Weiterbildungsunternehmen gegründet und später als freiwillige Helferin bei Cotlands gearbeitet, einer gemeinnützigen südafrikanischen Kinderhilfsorganisation, für die sie an Hilfsmaßnahmen für Aids-Waisen in Soweto teilnahm. Bianca Marais ist in Südafrika geboren und aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Mann in Toronto.

Textauszug

KAPITEL DREIZEHN

Zodwa

27. April 1994
Big Hope Informal Settlement,
Magaliesburg, Südafrika

Als die ersten Regentropfen auf das Wellblechdach klopfen, zuckt Zodwa zusammen und lässt das Buch in ihren Schoß sinken. Die flatternden Seiten löschen die Kerze, und die Hütte ist in Dunkelheit getaucht.

Obwohl sie schon seit über einem Jahr in dem Squatter Camp lebt, hat sich Zodwa immer noch nicht daran gewöhnt: die Panik, wenn die ersten dissonanten Schläge ihren Rhythmus finden und zu einem stetigen Trommelschlag werden, der eine Katastrophe ankündigt. Die Hütten nahe am Flussbett wurden im Januar überflutet und weggespült. Niemals wird sie das unmenschliche Heulen der Frau vergessen, als am Tag darauf die aufgequollene Leiche ihres zweijährigen Kindes zwei Kilometer flussabwärts gefunden wurde.

Am schlimmsten findet es Zodwa, dass die dünne Schaumstoffmatratze anfängt zu stinken, wenn Wasser in die Hütte läuft und den Lehmfußboden tagelang schmierig aufweicht. Es gibt ihr das Gefühl, wie ein Insekt in feuchter Erde eingegraben zu leben, anstatt ein menschliches Wesen zu sein, das versucht, sein Leben auf dem winzigen Stückchen Land zu fristen, das sie für sich beanspruchen.

Doch sogar das Konzept des Eigentums ist eine Illusion. Die Leute hier haben zwar ihre Hütten gebaut, aber das Land gehört nicht ihnen. Wie Tausende anderer hausen sie hier ohne offizielle Genehmigung und leben in ständiger Furcht - vor den Bulldozern und den Hüttenfeuern, die gelegentlich aufflammen und durch das Lager brausen. Die Regierung und die Polizei stellen eine gleichermaßen schlimme Bedrohung dar.

Zodwa ist erleichtert, als die Regentropfen leiser werden. Gerade hat sie ein Streichholz entfacht, um die Kerze wieder anzuzünden, als sich ihre Mutter plötzlich aufrichtet, geschüttelt von einem heftigen Hustenanfall. Auch der Hund, der zusammengerollt zwischen Leletis Beinen geschlafen hat, erhebt sich.

Leleti hat in den letzten Wochen so viel Gewicht verloren, dass sie nur noch aus Haut und Knochen besteht. Als Zodwa die Hand auf das Knie ihrer Mutter legt, fühlt es sich so hart an wie eine Zurückweisung. "Mama. Was kann ich für dich tun?"

Leleti wartet, bis der Hustenanfall abgeebbt ist, bevor sie mühsam keuchend antwortet: "Gar nichts, mein Kind, aber ich danke dir. Versuche, dich ein bisschen auszuruhen." Der Hund winselt, als er ihre Stimme hört, und leckt ihre Hand.

"Ich kann nicht schlafen. Bitte lass mich dir helfen. Komm, ich befeuchte das Tuch, dann kannst du dein Gesicht damit kühlen", sagt Zodwa und macht Anstalten aufzustehen.

Ihre Mutter deutet auf den Topf voller Wasser neben sich, in dem nutzlos ein Tuch schwimmt. Es ist voller Blut, das in Schlieren herausläuft und rosa Farbwirbel im Wasser hinterlässt. "Es nützt doch sowieso nichts."

Endlich gibt sich der Anfall, und Leleti legt sich wieder hin. Der Hund tut es ihr nach. Gerade als Zodwa glaubt, ihre Mutter sei eingeschlafen, sagt sie: "Du solltest nach Hause gehen."

"Ich bin zu Hause, Mama."

"Nein, zurück nach Ulundi. Nach KwaZulu. Nach Hause ins Dorf."

"Nein, ich möchte hier bei dir bleiben."

"Ich bin krank, Zodwa, ich habe diesen furchtbaren Husten. Er wird nicht besser, und ich kann mich nicht um dich oder das Baby kümmern." Dann fügt sie hinzu: "Du wirst Hilfe mit dem Baby brauchen, wenn ich nicht mehr da bin."

"Sag so etwas nicht! Du wirst wieder gesund."

"Das hier ist kein Ort für dich. Ich hätte dich bei deiner Großmutter lassen sollen. Sie hat gleich gesagt, dass es ein Fehler wäre, dich hierherzuholen, aber ich war so egoistisch und wollte dich bei mir haben."

Zodwa muss an den Tag vor etwas mehr als fünfzehn Monaten zurückdenken, an dem sie in der Township endlich wieder vereint waren. Leleti hatte stundenlang in der Gluthitze am Straßenrand gesessen und auf das Taxi gewartet, das ihr end

Beschreibung für Leser

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