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Cover Durchkreuzt

Durchkreuzt

Mein Leben mit der Diagnose Krebs

Erschienen 2019 bei Tyrolia
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-7022-3746-2

Kurztext / Annotation

Mit Jahresende 2017 sollte der Jesuit Andreas R. Batlogg nach siebzehn Jahren aus der Redaktion der Kulturzeitschrift 'Stimmen der Zeit' ausscheiden, die er seit September 2009 als Herausgeber und Chefredakteur geleitet hatte. Ein Flug nach Tel Aviv war geplant, in Jerusalem wollte er den ersten Teil einer mehrmonatigen Sabbatzeit verbringen. Doch es kam ganz anders. Seine Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung ... Ende September erhielt der Autor die Diagnose Darmkrebs. Chemotherapie und Bestrahlung begannen, gefolgt von mehreren schweren Operationen. Die Krankheit war ein Einschnitt in viele bisher alltägliche Selbstverständlichkeiten.
Wie stellt man sich einer solchen Lebenskrise? Und wie geht ein Ordensmann und Priester mit der Diagnose Krebs um? Welche Sicherheiten geraten ins Wanken? Hilft der Glaube weiter? Und wenn ja, auf welche Art und Weise? Welche Gebete werden wichtig? Welche Menschen begleiten den harten Weg? Diese und viele andere Fragen beantwortet der Jesuit in seinem Buch mit erstaunlicher Offenheit und Ehrlichkeit. Ungeschminkt beschreibt er seine Krankheitsgeschichte, erzählt, was ihm in schweren Stunden Trost schenkte und warum Freunde zu einer seiner wichtigsten Stützen wurden.

ANDREAS R. BATLOGG, geb. 1962, aufgewachsen in Bregenz, Studium der Philosophie und Theologie in Innsbruck, Wien und Jerusalem, Promotion zum Dr. theol. Von 2000 bis 2017 Mitglied der Redaktion 'Stimmen der Zeit', davon 8 Jahre als Chefredakteur. Von 2008 bis 2015 Wissenschaftlicher Leiter des Karl-Rahner-Archivs (München), seit 2014 in der Cityseelsorge an St. Michael in München tätig. Regelmäßige Veröffentlichungen in 'Die Furche', 'Christ in der Gegenwart' und in verschiedenen religiösen Fachzeitschriften. Mitherausgeber der 'Sämtlichen Werke' Karl Rahners, Herausgeber von 'Das Interview mit Papst Franziskus' (Antonio Spadaro, bei Herder, 2013), Autor von 'Der evangelische Papst. Hält Franziskus, was er verspricht?' (Kösel, 2018)

Textauszug

8.
"Was ich Ihnen jetzt sage, fällt mir schwer"

Mit dem Kirchenrektor von St. Michael hatte ich vereinbart, dass er am Ende eines Hochamtes am Sonntag die Gemeinde informieren würde. Dass ich mit Jahresende bei meiner Zeitschrift aufhören und eine Sabbatzeit antreten sollte, hatte sich schon herumgesprochen. Nun hatte ich fast drei Monate früher aussteigen müssen. Wir wussten am Anfang auch nicht, welche Nebenwirkungen sich einstellen würden. Ob ich weiter zelebrieren und predigen könnte. Wegen der Chemotherapie sollte ich größere Menschenansammlungen vermeiden, da mein Immunsystem geschwächt war. Wir beschlossen: Solange es irgendwie geht, konzelebriere ich, aber ich stehe keiner Messe mehr vor und stelle das Predigen ein. Ich verstecke mich aber nicht.

Wir wählten also eine Sonntagsmesse, bei der ich (noch) den Vorsitz hatte. Karl predigte. Vor dem Schlusssegen nahm er nach einigen Vermeldungen tief Luft und begann: "Was ich Ihnen jetzt zu sagen habe, fällt mir nicht leicht. Sie alle kennen Pater Batlogg und wissen, wie gern er hier Gottesdienst feiert und predigt. Das wird in den nächsten Monaten nicht möglich sein. Vor zwei Wochen hat er die Diagnose Krebs erhalten. Es ist ein bösartiger Tumor im Enddarm, die Behandlung - Chemotherapie und Bestrahlung - hat bereits begonnen. In einigen Wochen folgt eine größere Operation." Es war mucksmäuschenstill. Mein komisches Gefühl dabei: Da ist von mir die Rede! Würde mir beim Segnen die Stimme brechen? Karl hat sehr diskret informiert. Hinterher erfuhren wir, dass jemand statt "Enddarm" (um das Wort Mastdarm zu vermeiden) "Endstadium" verstanden hatte. In die Stille hinein sagte ich: "Danke, Karl". Und an die Gemeinde gerichtet: "Mein Sabbatical habe ich mir anders vorgestellt, den Flug nach Tel Aviv habe ich bereits storniert. Medizinisch bin ich in sehr guten Händen. Aber natürlich habe ich auch viel Angst. Ich danke Ihnen allen für Ihr Anteilnehmen und Ihr Gebet." Dann spendete ich den Segen. Die Stimme brach dabei nicht ab. Nach der Messe machte ich mich auch nicht aus dem Staub, sondern ging in den Hochchor zurück. Viele Besucher kamen und drückten ihr Mitgefühl und ihre Bestürzung aus. Das tat gut. Und mit dieser Mitteilung war die Katze endlich aus dem Sack.

In den nächsten Wochen erhielt ich sehr viel Post: Genesungswünsche, Zeichen der Betroffenheit und der Anteilnahme, die Versicherung, für mich zu beten, Messen lesen zu lassen, Kerzen anzuzünden. Oft von ganz unerwarteter Seite. Viele Ratschläge zur Behandlung und zur Medikation trafen ein. Hatte ich früher jede Woche selbst für Blumen gesorgt, kamen sie jetzt automatisch, sehr regelmäßig, manchmal konnte ich einen zweiten oder dritten Strauß an die Kommunität abtreten.

Hin und wieder erinnerte ich mich jedoch auch an das Bonmot: Besser als warme Ratschläge sind kalte Umschläge. Wie wahr ist diese Feststellung des Jesuiten und Facharztes für Psychiatrie, Eckhard Frick, der als Psychoanalytiker in eigener Praxis arbeitet und an unserer Hochschule für Philosophie unterrichtet! Sie findet meine volle Zustimmung: "Gleichwohl: Auch Ratschläge sind Schläge! Äußerungen wie 'Das wird schon wieder!', 'Du musst jetzt stark sein!', ' Wir schaffen das!', vor allem aber der Terrorismus des 'positiven Denkens' zeugen von der eigenen Hilflosigkeit angesichts des Leidens anderer." 11

Es ist der berühmte, aber eben der entscheidende Unterschied zwischen gut und gut gemeint: Anstatt irgendwas zu sagen oder besonders viel, pausenlos zu reden bzw. auf mich einzureden, hätte ich mir manchmal gewünscht, besonders wenn ich in der Klinik lag, dass Besucher besser nichts sagen und einfach eine Weile still bei mir am Bett sitzen. Eine Kirchenbesucherin kam einmal am Sonntagvormittag und fragte, ob sie mich nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr besuchen dürfe. Als ich nachfragte, warum gerade um diese Uhrzeit, mei

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