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Cover Fern von Europa

Fern von Europa

Tirol ohne Maske

Erschienen 2020 bei Universitätsverlag Wagner
Sprache: Deutsch
152 Seiten
ISBN 978-3-7030-6529-3

Kurztext / Annotation

'TARROL DEN TARROLAN!' - KURZE GESCHICHTEN AUS FINSTEREN BREITEN

Wo wir daher hinblicken, sei es Alltagsleben, Kunst oder Nationalsport - der Tarrola zeigt in allem eine sehr ausgebildete Eigenart. Seine hohen Berge, die ihn wie ein schützender Wall umgeben, werden ihm jederzeit behilflich sein, sein Wesen vor dem verderblichen Einflusse Europas zu bewahren.

- Jubiläumsausgabe des Skandalbuches
- 'Schilderung von Land und Leuten von nicht alltäglicher satirischer Art'
- ein Blick in das intime Leben und Fühlen eines Volkes abseits von Bergsteiger- und Tourismusschilderungen
- Tirol von einer ganz anderen Seite betrachtet

Entdecken auch Sie die Schönheit des Tarrolischen: 'Schpäckchchkchnedl' ist das prächtige Wort, an dem Sie sich ausprobieren können!

Den Schluiferer kennt in Tirol wohl jeder - die bitterböse und zugleich umwerfend komische Satire über das Land 'Tarrol' und seine Bewohner sorgte bei ihrem Erscheinen 1909 für einen echten Skandal: Der Autor Carl Techet, der sich hinter dem Pseudonym 'Sepp Schluiferer' verbarg, galt als 'Staatsfeind Nr. 1', die Tiroler beschimpften ihn als den 'neuen Judas von Anno neun' und riefen zur Lynchjustiz auf.

100 Jahre später ist Techets 'gar lustiges Büchlein über Tirol' zum echten Klassiker geworden: mit viel Augenzwinkern sorgt der Schluiferer für erheiternde Einblicke in die Seele der Tiroler und ihre seltsamen Sitten und Gebräuche - und hat dabei nach wie vor nichts von seiner satirischen Schärfe eingebüßt.

DER AUTOR
CARL TECHET, der sich hinter dem Pseudonym 'Sepp Schluiferer' verbarg, galt als 'Staatsfeind Nr. 1', die Tiroler beschimpften ihn als den 'neuen Judas von Anno neun' und riefen zur Lynchjustiz auf.
Geboren am 27. Februar 1877 in Wien, von 1907 an Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie in Kufstein. Er trat Ende 1915 nach langer Krankheit in den vorzeitigen Ruhestand und zog nach Wien, wo er rege Kontakte mit Arthur Schnitzler und Josef Redlich pflegte und am 19. Jänner 1920 verstarb.

Textauszug

Eine Sommerliebe.

Die blanken Bergspitzen ragten funkelnd in den blauen Himmel hinein, die Wälder dufteten, die schroffsten Felswände hatten ihre Blüten und ihre Farben; wo man unter den Schneemauern des Winters nie einen Wasserlauf vermutet hätte, da sprühte und rauschte es jetzt zwischen Farnkräutern und Dotterblumen munter talab: Der Sommer war gekommen.

Alles, was den harten, langen Winter überstanden, alles, was in den Frühjahrswochen nicht erfroren war, lebte jetzt mit doppelter Freude.

Es zirpte und sang auf den blumigen Wiesen, es sang von den schweigsamen, ernsten Föhren und Fichten herab, unter denen die Rehe mit ihren sanften, lieben, großen Augen fürsorglich dahinschritten.

Die Wandervögel waren längst gekommen. Erst lange nach ihnen trafen die Sommergäste in Tarrol ein. Sie kamen aus den verschiedensten Ländern Europas und mit den verschiedensten Erwartungen und Wünschen.

Familie Hedemann aus Berlin - Mutter und zwei erwachsene Töchter - kam mit der Sehnsucht nach ländlicher Stille, Ursprünglichkeit und "jemütvollen" einfachen Menschen.

Der Vater wollte erst viel später nachkommen. Da sie vorderhand nicht daran dachten, waren sie sehr fröhlich.

Sie wohnten in einem abgeschiedenen Tale im Hause eines Kleinbauern. Mit ihrer Berliner Kultur fühlten sie sich unter den Tarrolern wie allmächtige Götter unter hilflosen Menschen. Sie lächelten und witzelten über die Bauern und schwärmten für Volkstrachten, Berge und "ächte Naturbutter".

Ganz besonders aber entzückte sie ihr Hausgenosse Cölestin Attlmayr, genannt "Lastl". Schon der seltsame Name Cölestin und der selbst in Tarrol landesfremde Rufname Lastl machten ihnen den Burschen interessant.

Lastl, der Sohn des Bauern, war zwanzig Jahre alt, kräftig gebaut, stiernackig, mit ganz kleinem Kopfe, schweinsäugig und großohrig. Seine zottigen Pratzen waren so gewichtig, daß sie noch weiter schwangen, wenn er stehen blieb. Er ging nicht mit seinen eisenbeschlagenen Bergschuhen, vielmehr schienen die Schuhe mit ihm zu gehen. Mit seinen Trittflächen allein überwältigte er vier Gegner. Wenn er noch überdies die Hände dazu nahm, war der ganze Gemeindeausschuß gegen ihn machtlos. Und die sechs Gemeindeausschüsse hat-ten ein Gesamtgewicht von 638 kg. -

Lastl war für die Berliner Damen der Typus bäuerlicher Naivität und Stupidität, eine herrliche Zielscheibe ihres überlegenen Witzes und ihrer europäischen Ausgelassenheit. Lastl merkte nichts und duldete alles. Bei ihren Fragen und Spötteleien zeigte er eine Miene unbegrenzter Trottelhaftigkeit. Sein inhaltsloses Lachen im Vereine mit dem nichtssagenden Blicke seiner Schweinsäuglein gaben ihm den Ausdruck einer schrankenlosen, unerschütterlichen Gedankenlosigkeit. Hinter dieser Maske lebte er. Seine flache Schädeldecke barg ein Gehirn, das nicht größer war, als das eines achttägigen Kalbes. Aber dieses Gehirn hatte Raum für alle Gedanken, die er brauchte. Als die Berlinerinnen noch nicht ahnten, wer er war, kannte er sie schon vollkommen.

Zur Tochter des Dorfkrämers sagte er "Guadn Toch, Fräuln Marie", indessen er die zwei Berliner Mädchen stets nur mit "Grüaß enk Gauood, Menscha" begrüßte.

Dieser Gruß verlor für die beiden jungen Damen nie an Reiz. Sie lachten sich jederzeit halb tot, als wenn sie ihn zum ersten Male hörten.

Als man ihm einmal mit Apfelsinen aufwartete, wollte er die Schalen essen und das andere wegwerfen. Eine Woche lang sprachen die Berlinerinnen davon. Freilich ahnten sie nicht, daß Lastl im vergangenen Sommer von einer alten frommen Gräfin mehrere Wochen hindurch mit Beefsteaks, Kaviar und Selleriesalat gefüttert worden war, also bedeutend feiner gelebt hatte, als es sich die drei Damen erlauben durften.

Sie schwärmten für Lastls Urwüchsigkeit. Een jottvoll-ursprünglicher Mensch, sagte die Mama. Een jemütlicher Bursche, sagten die Töchter.

Lastl wartete. Er wußte, worauf er zu warten hatte.

Beschreibung für Leser

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