Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Ball der Mörder

Ball der Mörder

Commissario Vossi ermittelt

Erschienen 2017 bei Haymon
Sprache: Deutsch
228 Seiten
ISBN 978-3-7099-3817-1

Kurztext / Annotation

Er tötet mit archaischen Mitteln. Er schickt verschlüsselte Botschaften. Er folgt seiner Überzeugung. Und er hat ein Ziel...
Beim Sonnenaufgang über Cormons läuten die Glocken eines Morgens Sturm und die Stadt wird Zeuge einer Steinigung per Fernbedienung. Willkommenes Futter für die Medien, die aufgrund der Grausamkeit rasch auf islamische Dschihadisten schließen. Zumal in der Folge noch mehr achtbare Katholiken sterben müssen. Dass ein Papstbesuch bevorsteht und Ferragosto das Land lahmlegt, erschwert die Ermittlungen für Bruno Vossi und sein Team. Schon bald sieht sich der Commissario in einem undurchsichtigen Netz aus Interessen und Interventionen verstrickt. Was bezweckt der geheimnisvolle Mörder? Und wer zieht die Fäden beim finalen Showdown wirklich?

Ersterscheinung unter dem Titel 'Hinrichtung'.

Werner Stanzl, geboren 1941 in Mödling, startete 1962 seine Laufbahn bei Reuters in London und arbeitete als erfolgreicher Journalist und Dokumentarfilmer unter anderem für den Stern, STANDARD, Profil, ORF, ZDF und die BBC und berichtete von den Brennpunkten Europas. Seit 1995 lebt und arbeitet er als freischaffender Journalist, Serienautor und Schriftsteller. Über Jahre hinweg hatte er seinen Lebensmittelpunkt in Sistiana in der Provinz Triest. Seiner Begeisterung und Leidenschaft für Triest entspringt seine Krimis rund um Commissario Vossi.

Textauszug

II. Das Scripsi

Was Freunde und Kollegen über Commissario Bruno Vossi sagten, war nicht von der Hand zu weisen: Er ähnelte der Werbefigur auf den Plakaten für Birra Moretti, als ob er dafür Modell gesessen hätte. Optisch entsprach er jedenfalls nicht dem gängigen Bild, das man sich ganz allgemein von einem Italiener machte. Eher hätte er ein Bauer von jenseits der ein paar Häuserblocks entfernten Grenze zu Slowenien sein können oder ein Austriaco des Nordens. Mit Vorliebe trug er seinen dunklen Hut mit weiter Krempe und grünem Band, vor allem im Winter den dunkelgrauen Lodenanzug mit Knöpfen aus Hirschhorn und stets hohe Schnürschuhe. In den üblichen Halbschuhen oder Schlüpfern schmerzten ihn schon nach kürzerem Fußweg die Knöchel.

Vossis Welt waren die Colli, die Hügel zwischen Gorizia und Cormons, mit ihren Weinbergen und Obstspalieren zwischen den schmucken, niemals aber protzigen Häusern, Gassen und Plätzen. Gleichwohl blickte man in seiner Familie mehr nach Südost, der verlorenen Heimat Istrien. Vater und Mutter hatten sie unter dem Diktat der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und Marschall Titos verlassen müssen. Bruno war da noch nicht geboren. Umso weiter hatten sich die Erinnerungen an das alte Zuhause von der bescheidenen, ja kargen Wirklichkeit entfernt. Dazu trug auch die unfreundliche Aufnahme der italienischen Landsleute bei, als man mittellos hier in Gorizia ankam. In Triest, wo der Vater eigentlich hinwollte, waren die Flüchtlingslager ja überfüllt.

Andächtig hatte Bruno der Mutter zugehört, wenn sie von den Schönheiten des istrischen Heimatdorfes schwärmte. Sie erzählte auch von dem Grabstein auf dem alten Friedhof, der noch den alten Familiennamen trug, den die Faschisten 1928 vom österreichischen Voss auf Vossi zwangsitalienisiert hatten. Die Familie wurde nicht gefragt. Widerstand, Beschwerden, ja selbst Nachfrage bei den Behörden hätten äußerst unangenehme Folgen haben können. Als Bruno das Dorf ihrer Herkunft als frisch gebackener Gymnasiast erstmals besuchen konnte, zeigte ihm der Großvater den Platz, auf dem ihr Haus und das der Nachbarn gestanden hatten. Jetzt erhob sich darauf frech ein schmieriger Plattenbau mit einer schmutzigen Kneipe im Erdgeschoß, die nie Besseres als Betontristesse gesehen hatte. Statt Coca-Cola gab es Jugo-Cola, nicht bei Agip, sondern bei einer schmutzstarrenden Tankstelle mit der Aufschrift Jugopetrol. Den erwähnten Grabstein konnte der Großvater auf dem alten Friedhof nicht mehr finden.

Trotz all dieser Geschichten war Bruno stolz, Italiener zu sein. Es regte sich etwas wie Patriotismus für die Republik Italien in ihm, so glaubte er zumindest. In Wahrheit war er bloß froh, dass er nicht in diesem Kaff hatte aufwachsen müssen. Stolz war er auf sein Zuhause, das Land zwischen Triest, Gorizia, Palmanova und Cividale, das Land mit den Alpen im Norden, der Küste von Duino im Süden und den Ufern des Isonzo. Oft blieb er auf der Straße zu den Weinorten dieses Fleckens Heimat stehen, um sich am Anblick der Rebstöcke zu erfreuen. In Reih und Glied bewachten sie die sanften Hänge wie in Habachtstellung. So musste es dem Preußenkönig beim Anblick seiner langen Kerle ergangen sein, von dem Großvater in einer der vielen Stunden erzählt hatte, in denen Bruno Deutsch eingetrichtert bekommen hatte.

Brunos Deutschkenntnisse waren über die Jahre recht ordentlich angewachsen. Sein Großvater wäre stolz gewesen. Dazu kam mit der Zeit noch ein respektables Slowenisch. Diesen zusätzlichen Sprachschatz verdankte er Jelena, seiner Frau, die aus der Gegend von Kobarid stammte - Kobarid am Oberlauf der Soca, wie der Isonzo in Slowenien hieß. Dort hatte er sie kennengelernt. Er war damals auf der Polizeischule gewesen. Einige Kameraden hatten ihn dazu überredet, bei einer Kajakfahrt mitzumachen. Er war entsetzt, wie wenig diese Soca mit seinem Isonzo gemein hatte. Während sich der italienische Teil des Flusses gemächlich durc

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

9,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!