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Cover Ich bin Circe

Ich bin Circe

Roman

von Madeline Miller; Übersetzt von: Frauke Brodd

Erschienen 2019 bei Eisele eBooks
Sprache: Deutsch
528 Seiten
ISBN 978-3-96161-074-7

Kurztext / Annotation

Unsterblich. Unvollkommen. Unbezähmbar.
Circe ist Tochter des mächtigen Sonnengotts Helios und der Nymphe Perse, doch sie ist ganz anders als ihre göttlichen Geschwister. Ihre Stimme klingt wie die einer Sterblichen, sie hat einen schwierigen Charakter und ein unabhängiges Temperament; sie ist empfänglich für das Leid der Menschen und fühlt sich in deren Gesellschaft wohler als bei den Göttern. Als sie wegen dieser Eigenschaften auf eine einsame Insel verbannt wird, kämpft sie alleine weiter. Sie studiert die Magie der Pflanzen, lernt wilde Tiere zu zähmen und wird zu einer mächtigen Zauberin. Vor allem aber ist Circe eine leidenschaftliche Frau: Liebe, Freundschaft, Rivalität, Angst, Zorn und Sehnsucht begleiten sie, als sie Daidalos, dem Minotauros, dem Ungeheuer Scylla, der tragischen Medea, dem klugen Odysseus und schließlich auch der geheimnisvollen Penelope begegnet. Am Ende muss sie sich als Magierin, liebende Frau und Mutter ein für alle Mal entscheiden, ob sie zu den Göttern gehören will, von denen sie abstammt, oder zu den Menschen - die sie lieben gelernt hat.
'Eine mutige und rebellische Neuerza?hlung der Go?ttinnengeschichte' New York Times
Der Welt-Bestseller endlich auf Deutsch
New-York-Times-Bestseller #1
'Dieses Buch ist göttlich. Ich war ganz traurig, als es zu Ende war. Große Leseempfehlung!' Gwyneth Paltrow

Madeline Miller, 1978 in Boston geboren, wuchs in New York und Philadelphia auf, studierte Altphilologie und unterrichtete in Cambridge Latein und Griechisch. Für ihren Debütroman Das Lied des Achill wurde sie 2012 mit dem Orange Prize for Fiction ausgezeichnet; er wurde in 25 Sprachen übersetzt. In Ich bin Circe - ihr zweiter Roman und ebenso wie Das Lied des Achill ein internationaler Bestseller - erzählt sie Circes Geschichte aus der Odyssee noch einmal neu - als die einer weiblichen Selbstermächtigung. Madeline Miller lebt in der Nähe von Philadelphia, Pennsylvania.

Textauszug


KAPITEL 1

A LS ICH GEBOREN WURDE, gab es für das, was ich war, keinen Namen. Deshalb war ich für die anderen eine Nymphe, denn man ging davon aus, dass ich mich wie meine Mutter und Tanten und meine unzähligen Cousinen entwickeln würde. Da wir zu den niedrigsten unter den niederen Gottheiten zählten, waren unsere Kräfte so armselig, dass wir uns damit kaum die Unsterblichkeit zu bewahren vermochten. Wir sprachen mit den Fischen und züchteten Blumen, wir schwatzten den Wolken die Regentropfen ab und den Wellen das Salz. Das Wort Nymphe steckte die Leitlinien unserer Leben ab. Denn in unserer Sprache bedeutet es nicht nur Göttin, sondern auch Braut.

Meine Mutter war auch eine von ihnen, eine Najade, Hüterin der Quellen und Brunnen, der Bäche und Flüsse. Helios, mein Vater, konnte den Blick nicht mehr von ihr abwenden, als er den Palast ihres Vaters Okeanos besuchte. Helios und Okeanos saßen zu jener Zeit oft bei Tisch zusammen. Sie waren Vettern und im gleichen Alter, was man ihnen aber nicht ansah. Helios erstrahlte hell wie frisch geschmiedete Bronze, während Okeanos bereits mit wässrigen Augen und einem weißen Bart, der ihm bis zu den Lenden reichte, auf die Welt gekommen war. Doch sie waren beide Titanen und zogen die Gesellschaft des anderen der jener grünschnäbligen Götter im Olymp vor, die von der Entstehung der Welt nichts mitbekommen hatten.

Okeanos' Palast sorgte für großes Staunen, so tief in die Felsen der Erde gebaut. Die Hallen mit ihren hohen Gewölbedecken waren vergoldet und die Steinböden von Jahrhunderten göttlicher Füße geglättet. Durch jeden Raum zog sich das leise Plätschern von Okeanos' Fluss, dem Weltenstrom. Die Farbe seines Wassers war so dunkel, dass sich nur schwer sagen ließ, wo genau sein Felsenbett begann und wo es endete. An seinen Ufern wuchsen Gras und zarte Blumen sowie die ungezählte Kinderschar des Okeanos, Najaden und Nymphen und Flussgötter. Seidig glänzend wie Otter, lachend, mit strahlenden Gesichtern im dämmrigen Licht, reichten sie sich goldene Kelche und rauften oder neckten sich im Liebesspiel. Mitten unter ihnen, all diese liliengleiche Schönheit noch überstrahlend, thronte meine Mutter.

Ihr Haar hatte einen warmen Braunton, und jede Strähne schimmerte wie von innen beleuchtet. Sie musste die Blicke meines Vaters wie Hitzeschwaden eines Lagerfeuers gespürt haben. Ich sehe es vor mir, wie sie ihr Kleid drapiert, damit es ihr wie von ungefähr über eine Schulter rutscht. Ich sehe vor mir, wie sie ihre glänzenden Finger ins Wasser taucht. Ich habe sie Tausende solcher Kniffe tausendfach anwenden sehen. Mein Vater fiel jedes Mal darauf herein. Er lebte in dem Glauben, die natürliche Weltordnung bestehe einzig und allein zu seinem Wohlgefallen.

"Wer ist das?", fragte mein Vater Okeanos.

Okeanos hatte bereits viele goldäugige Enkel von meinem Vater und erfreute sich an dem Gedanken, es könnten noch mehr werden. "Meine Tochter Perse. Sie gehört dir, wenn du sie willst."

Am Tag darauf fand mein Vater sie an ihrer Quelle in der Oberwelt. Es war wunderschön dort, alles war bedeckt mit großblütigen Narzissen, über die sich Eichenzweige rankten. Kein Schmutz, keine schleimigen Frösche, nur saubere runde Steine, die dem Gras wichen. Selbst mein Vater, der sich nichts aus den Finessen der Fertigkeiten von Nymphen machte, bewunderte ihr Werk.

Meine Mutter wusste, dass er sich auf dem Weg zu ihr befand. Zart und anmutig war sie, aber auch durchtrieben und mit einem Verstand ausgerüstet, der so scharf war wie die Fangzähne eines Aals. Sie hatte längst erkannt, mit welchen Mitteln ihresgleichen an die Macht gelangen konnte, und zwar ganz sicher nicht durch Bastarde und Techtelmechtel am Uferrand. Als er vor ihr stand, umhüllt von seinem goldenen Glanz, lachte sie ihn aus. Dir beiwohnen? Warum sollte ich?

Mein Vater hätte sich natürlich nehmen können, was er wollte. Aber Helios bildete

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

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Kundenbewertungen

Griechische Mythologie aus ungewohnter Perspektive 11. Oktober 2019
Circe ist die Tochter von Sonnengott Helios und der Okeaniden Perse. Sie gilt als hässlich, linkisch und steht im Schatten ihrer Geschwister Pasiphaë und Aietes - die genießen das Wohlwollen der Götter. Die aufmüpfige Circe wird von ihrem Vater auf die kleine Insel Aiaia verbannt. Dort verfeinert sie ihre Fähigkeiten als Kräuterhexe und lebt mit wilden Tieren und der ungezügelten Natur. Die Insel mausert sich im Laufe der Zeit als ?Parkplatz? für ungezogenen Nymphen. Doch auch Menschen landen an ihrer Küste. Eine alleinstehende Frau ist auch dann Freiwild, wenn es sich um die Tochter eines Gottes handelt... Doch im Laufe der Zeit wird Circe weiser, setzt ihre Zauberkräfte gezielt ein und lernt auch die Gesellschaft von Sterblichen wie Odysseus zu schätzen. Damit stellt sie sich allerdings gegen diverse Vorschriften der göttlichen Familie. Meine Meinung: Eigentlich müsste der Titel ja ?Kirke? lauten, denn so hieß die Tochter des Helios auf altgriechisch. Es hat sich aber die latinisierte Form mit ?C? eingebürgert, die häufig auch Zirze geschrieben wird. Sei es wie es sei. Der Autorin ist ein gut lesbarer Fantasy-Roman gelungen. Angelehnt an die Griechischen Sagen des Altertum begegnen wir einer Vielzahl von Göttern, Halbgöttern, Nymphen, Hexen und Sterblichen. Sehr gelungen finde ich die Idee, die Geschichte(n) aus Circes Perspektive zu erzählen. Der Schreibstil ist weit flapsiger als die Neubearbeitung der Sagen des Klassischen Altertums von Michael Köhlmeiers. Die Sprache ist stellenweise sehr modern und man begegnet Dingen, die in der Antike noch lange nicht bekannt waren, wie zum Beispiel den Paradeisern: ?Hast du Tomaten auf den Augen?? Das Nachtschattengewächs wurde erst mit Kolumbus & Co. so rund um 1500 n. Chr. nach Europa gebracht. Mir hat Circe gut gefallen. Sie ist alles andere als unfehlbar. Sie hat mehr mit den Sterblichen gemeinsam, als ihr bewusst ist. Sie kränkt sich, sie ist wütend und manchmal unentschlossen. Sehr energisch geht sie vor, als Athene ihren Sohn bedroht: Wie eine Helikoptermutter der Gegenwart, räumt sie Telegonos alle möglichen Gefahren aus dem Weg. Fazit: Wer gerne klassischen Stoff auf moderne Art dargebracht, liest, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.
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